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Kein Maibaum, nur ein AstWer ist die Zauberfee von Köln-Sülz?

3 min
Dieses Herz hat der unbekannte Verehrer an eine Zauberfee vergeben.

Dieses Herz hat der unbekannte Verehrer an eine Zauberfee vergeben.

Ein verwelkter Ast als „Maibaum“ in Köln-Sülz zeigt, dass Liebe keine Perfektion braucht.

Der Wonnemonat biegt zwar schon in die zweite Woche ein, Symbole der Liebe sind trotzdem noch vielerorts präsent im Stadtgebiet. Gleichwohl ist beim genaueren Hinsehen eine gewisse Vergänglichkeit nicht zu leugnen: Vertrocknet hängen die Blätter an den Birkenstämmen herab, die – als Maibäume vor Zäunen, Regenfallrohren oder Straßenlaternen mit Kabelbindern befestigt – einem Lieblingsmenschen gewidmet sind. Aber Liebe kennt kein Alter. Und Liebe wartet nicht auf perfekte Umstände. Sowieso braucht es nicht viel, um die tiefe Zuneigung zu einem anderen Menschen zu bekunden.

Besonderer „Maibaum“ in Köln-Sülz

Genau dies zeigt sich an der Rhöndorfer Straße in Sülz. Im Boulevardjournalismus würde man angesichts der dort ausgeprägten Neigung zu Superlativen von „Kölns traurigstem Maibaum“ sprechen, aber das trifft es nicht. Es ist nämlich gar kein Baum – es ist nur ein einziger Ast samt verwelktem Laub, der notdürftig an der Laterne vor einem Mehrfamilienhaus befestigt worden ist. Zudem ist auf rotem Grund und mit Klarsichtfolie geschützt ein ausgeschnittenes Herz zu sehen. Darauf steht „Zauberfee“.

Der Ast einer Birke symbolisiert einen Maibaum an der Rhöndorfer Straße in Sülz.

Der Ast einer Birke symbolisiert einen Maibaum an der Rhöndorfer Straße in Sülz.

Was für ein schönes Wort – gerade in einer Zeit wie dieser, in der wir nahezu täglich mit Begriffen wie „Deepfakes“ oder „Straße von Hormus“ konfrontiert werden, hinter denen sich Dinge verbergen, die das Leben erschweren.

Eine Fee hingegen kann all das ändern. Sie ist mit Zauberkraft ausgestattet und kann Wünsche erfüllen sowie Glück und Freude schenken. Seit dem 1. Mai wissen die Anwohner der Rhöndorfer Straße, dass genau so ein Wesen in Sülz beheimatet ist. Die Personifizierung von Romantik und des Guten wohnt direkt gegenüber dem Rewe. So wie Peter Pan von Tinkerbell begleitet wird, möchte der Verehrer mit der Zauberfee aus Sülz durchs Leben ziehen. Das ist mehr als märchenhaft.

Aber wer ist diese magisch begabte Frau? Hinweise auf sie fehlen ebenso wie auf den Verehrer. Dass dieser schon erwachsen ist, darf bezweifelt werden, da das Herz offenbar aus einem Schulheft mit Linien ausgeschnitten worden ist. Allerdings könnte es sich natürlich auch um einen Lehrer handeln – einen ganz pragmatischen, der sich bewusst gegen die Fünf-Meter-Protz-Birke mit Massen von buntem Krepppapier entschieden hat. Manch ein langjähriger Ehemann weiß nur zu gut: Wer schon beim Maibaum einst groß auffuhr, musste in den Folgejahren immer tiefer ins Portemonnaie greifen. Mit einem Brilli war es irgendwann nicht mehr getan.

Dieser simple Ast mit dem Papierherz daran hingegen symbolisiert, worauf es in der Liebe wirklich ankommt: Es geht nicht um Geld, Aussehen oder Perfektion. Was einzig zählt, ist das Herz! Liebe Zauberfee, wenn Du es an Deinen Verehrer verschenkt hast, dann melde Dich bei uns: ksta-koeln@kstamedien.de