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Markus BallentinKölner Polizist will Bürgermeister von Sylt werden

4 min

Markus Ballentin am Sylter Strand. Er hat 60 Wahlplakate drucken lassen.

Köln – Gas geben und lenken muss man bei dieser Autofahrt nicht, und man kann ganz locker durch alle Fenster gucken. Sogar vom Fahrersitz aus. Immer dann, wenn Markus Ballentin von Niebüll auf dem Festland mit dem Autozug in Richtung Westerland fährt, kann er total entspannen. Und einfach genießen. Im Angebot: das Wattenmeer. Der Hindenburgdamm. Und immer wieder die für ihn unvergleichliche Landschaft. „Es ist seit Ewigkeiten ein Ritual, mit dem Autozug auf Sylt zu fahren“, sagt Ballentin, „die Fähre habe ich noch nie genommen. Und wenn ich im Bahnhof von Westerland aus den Lautsprechern die erste Ansage auf Friesisch höre, ist das immer wieder besonders.“

Sylt, Deutschlands bekannteste Insel, ist für Markus Ballentin, 40, geboren in Düsseldorf, aufgewachsen im Münsterland und seit 20 Jahren leidenschaftlicher Kölner, längst zur zweiten Heimat geworden. Drei Viertel seines Lebens kennt er die Nordseeinsel schon, mit neun Jahren war er im Urlaub mit Eltern und Geschwistern erstmals dort. „Wir Kinder haben den ganzen Tag am Meer gespielt, das war das Paradies.

Als Jugendlicher habe ich die Faszination für die Natur dort entdeckt. Die Strände, die Gezeiten, der Wind, das Spiel des Lichts, wenn sich die Sonne im Wasser spiegelt – einzigartig. Mit 18 bin ich in die Fußstapfen meines Vaters getreten, der war auf Sylt viele Jahre ehrenamtlicher Rettungsschwimmer.“

Bis heute ist Ballentin dort als ehrenamtlicher Rettungsschwimmer tätig, seit 2004 leitet und koordiniert er den Rettungsschwimmereinsatz am Strandabschnitt der Jugendherberge Westerland Dikjen-Deel. In Westerland war Ballentin, von Beruf Hauptkommissar bei der Polizei Köln, mit seiner Frau Sandra (die er selbstverständlich auf Sylt geheiratet hat und die ebenfalls Hauptkommissarin ist) auch im Sommer dieses Jahres.

Die Feierlichkeiten mit Freunden und Familie zu seinem 40. Geburtstag waren gerade durch, als Sandra Ballentin in der Zeitung eine Anzeige entdeckte. „»Die Verwaltung Westerland sucht einen Bürgermeister«, las sie mir vor. Und sagte dann: »Du wolltest doch immer noch mal eine neue Herausforderung« So bin ich zum Amt gegangen und habe mir die nötigen Unterlagen geholt. Der Bezug zur Insel ist da, ich habe Sylt von der Pike auf gelernt, meine Frau und ich haben viele Freunde da.“ Um zur Bürgermeisterwahl zugelassen zu werden, benötigte Ballentin 135 Stimmen von Sylter Bürgern. Bei einer Einwohnerzahl von rund 20.000 war das machbar, aber auch nicht ganz einfach.

Der Kölner weiß um die Eigenarten und den speziellen Charme der gebürtigen Sylter. „Der Rheinländer empfängt einen normalerweise mit offenen Armen, während die echten Insulaner teilweise nicht mal die akzeptieren, die seit 20 Jahren auf der Insel leben und dort gemeldet sind.“ Vier Tage hatte Ballentin Zeit, um, tatkräftig unterstützt von seiner Frau, die Unterschriften zusammenzubekommen. Was dann alles in allem doch reibungslos geklappt hat; bei vielen Friesen konnte er einfach mit seiner Biografie punkten: „Ein Polizeibeamter, der seit Jahrzehnten regelmäßig auf die Insel kommt und dort ehrenamtlich tätig ist, da wurden einige hellhörig, fragten nach und fanden mich glaubwürdig.“

Seit Ballentin die Wahlzulassung hat, pendelt er ständig zwischen Köln und Sylt. Überstunden, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, kann er mit dem Einverständnis seiner Kölner Vorgesetzten abfeiern und für den Wahlkampf auf der Insel nutzen, und Freunde und Familie legen sich für die Ballentins auch mächtig ins Zeug. Flyer wurden gesetzt, Aufkleber entworfen, eine Facebook-Seite geschaltet, 450 Tüten selbstgebackene Kekse verteilt, und mit einem gemieteten kleinen Wohnwagen hat der Kommissar an Sylter Orten mit Publikumsverkehr Halt gemacht. Vor der Post, auf dem Supermarktparkplatz, an der Touristeninfo ist er mit potenziellen Wählern ins Gespräch gekommen. Sicher auch deshalb, weil Ballentin weiß, wo es auf Sylt hakt und klemmt.

Natur- und Küstenschutz ist genauso ein Thema wie nachhaltiger Tourismus, und dass es zurzeit auf Sylt keine Geburtenstation mehr gibt, ist nicht gut für die Insel. Priorität hat für den parteilosen Polizisten bei seiner Bewerbung als Bürgermeister aber etwas anderes. „Sylt muss wieder familienfreundlicher werden, es muss bezahlbarer Wohnraum für Sylter geschaffen werden, und für Familien mit mehreren Kindern muss es eine Mietpreisbindung geben.“

In der Woche vor dem Tag der Entscheidung – die Bürgermeisterwahl findet am 14. Dezember statt – ist Ballentin natürlich wieder auf Sylt. 60 Wahlplakate hat er drucken lassen – „Das ist schon gewöhnungsbedürftig, sich selbst auf so einem Poster zu sehen“–, ein Netzwerk von Freunden und natürlich seine Frau unterstützen ihn in der Schlussphase des Wahlkampfs. Dass er nicht als Favorit in das Rennen geht, ist Ballentin bewusst; unter seinen fünf Mitbewerbern ist zum Beispiel Gabriele Pauli, die frühere CSU-Rebellin und ehemalige Landrätin von Fürth. „Es wäre natürlich schön, wenn ich gewinnen würde und meine Frau Sandra die First Lady von Sylt würde.“