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Bergisch Gladbacher StraßeStickoxid ist nicht das einzige Problem

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In Holweide fahren täglich mehr als 30.000 Fahrzeuge über die Bergisch Gladbacher Straße.

In Holweide fahren täglich mehr als 30.000 Fahrzeuge über die Bergisch Gladbacher Straße.

Dellbrück/Mülheim – Kaum hatten die Städte Bergisch Gladbach und Köln sowie der Rheinisch-Bergische Kreis und der Verein „Region Köln/Bonn“ in der vergangenen Woche bei einem „Runden Tisch Verkehr im Rechtsrheinischen“ einen gemeinsamen Maßnahmenkatalog zur Entspannung der Verkehrssituation im Rechtsrheinischen vorgelegt, kam von mehreren Seiten Kritik.

In einer Pressekonferenz im „Bürgertreff 1006“ in Dellbrück forderten Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und der Bürgerinitiative „RRX für Köln-Mülheim“ Nachbesserungen.

Grenzwerte überschritten

Vor allem der Kölner Nordosten stöhnt unter einer hohen Verkehrsbelastung auf dem Clevischen Ring in Mülheim, und auf der Bergisch Gladbacher Straße auf ihrer gesamten Länge sind auch die Schadstoffmengen und der Lärmpegel außergewöhnlich hoch. Die Messstation des Landesumweltamts am Clevischen Ring liefert seit Jahren beunruhigende Zahlen: So wird der Grenzwert an Stickoxiden permanent überschritten. Auch an der Bergisch Gladbacher Straße in Holweide wurden die Grenzwerte bei einer Messung 2015 nicht eingehalten. Nun wurde bekannt, dass ebenfalls der Lärmpegel auf der Bergisch Gladbacher Straße weit über das erlaubte Maß hinaus geht. Die Ursachen sind unter anderem der hohe Anteil an Pendelverkehr aus und in die benachbarten Städte, aber auch der Lieferverkehr unter anderem zwischen der Autobahn und den Bergisch Gladbacher Gewerbegebieten. Hauptverursacher sind Dieselfahrzeuge. Wegen der hohen Schadstoffbelastung klagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gegen das Land, das für den Luftreinhalteplan zuständig ist. Im Sommer wird die Entscheidung des Gerichts erwartet. Bekommt die DUH Recht, folgen Fahrverbote – und die treffen jeden.

Runder Tisch erarbeitet 33 Maßnahmen

„Es ist grundgesetzwidrig, was hier abgeht“, sagte Helmut Röscheisen (BUND). So sei der gemessene Lärmpegel an der Bergisch Gladbacher Straße um mehr als 10 Dezibel (dB) höher als der gesetzliche Grenzwert. Das entspreche einer Verdoppelung. Röscheisen: „Diese Belastung kann bei Anliegern zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.“ Entlang der Straße sei der Anteil von sozialem Wohnungsbau groß: „Diese Leute haben nicht genug Geld, um in eine bessere Gegend abzuwandern.“

Der Runde Tisch erarbeitete 33 Maßnahmen, die den beteiligten Partnern als sinnvoll erscheinen, Straßenverkehr zu vermeiden. Dazu zählen als kurzfristige Maßnahmen Umweltampeln auf der gesamten Bergisch Gladbacher Straße und dem Clevischen Ring. Diese werden abhängig von Abgasmessungen und Wetterdaten gesteuert. Als mittelfristig umsetzbar werden der zweigleisige Ausbau der S-Bahn nach Bergisch Gladbach mit einem Zehn-Minuten-Takt, neue Schnellbuslinien, ein durchgehender Radschnellweg zwischen beiden Städten sowie die Aufbringung von Flüsterasphalt auf der Bergisch Gladbacher Straße genannt. Umweltampeln an der Stadtgrenze zu Bergisch Gladbach sind dagegen als Prüfauftrag erwähnt, was die SPD im Rat bemängelt.Langfristig wollen der Kreis und die Städte unter anderem die Stadtbahnlinien 1 und 4 über Kölns Stadtgrenzen hinaus verlängern.

Kritik am Maßnahmenkatalog

Die Liste sei grob unvollständig, bemerkte Friedhelm Bihn vom VCD Bergisch Gladbach. Eine Schnellbuslinie zwischen Bergisch Gladbach und Dellbrück sei schnell umsetzbar. Und: „Eine Verlängerung der Linien 3 und 18 ist gewollt, fehlt aber im Katalog“ Heiner Schwarz, Verkehrsexperte der RRX-Initiative, bemängelte, dass der Güterverkehr im Maßnahmenkatalog überhaupt keine Rolle spielt. Mit dessen Verlagerung auf die Schiene könne man auf der Bergisch Gladbacher Straße 17.000 Lkw-Fahrten im Jahr einsparen: „Wozu gibt es in Bergisch Gladbach einen Güterterminal, der nicht genutzt wird?“

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