Die Damensitzung der KG Uhu Köln-Dellbrück ist eine der beliebtesten des Vereins. Für unsere Autorin ist es die erste Karnevalssitzung.
Damensitzung der KG UHU„So habe ich mir eine Karnevalssitzung nicht vorgestellt“

Die Damensitzung der KG Uhu Köln-Dellbrück ist eine der beliebtesten des Vereins. Für unsere Autorin ist es die erste Karnevalssitzung. Martina Schönhals (rechts) und ihre Familie sind seit Jahren Stammgäste.
Copyright: Rika Kulschewski
Als Kasalla auf die Bühne kommen, steht der halbe Raum auf Stühlen, alle singen laut mit, tanzen befreit. Mittendrin stehe auch ich auf einem Stuhl und lasse mich von der Stimmung mitreißen. „Ich kumm us dä Stadt met K. Scha-la-la-la-la. Scha-la-la-la-la. Scha-la-la-la-la. Us dä Stadt met K“, schreie ich mit. Kurze Zeit später fordert Frontmann Basti Campmann uns auf, in die Knie zu gehen, um dann hochzuspringen. Neben mir ist eine ältere Frau, sie verzieht bei der Aufforderung kurz ihr Gesicht, folgt dann aber Campmanns Wunsch und springt kurze Zeit später lachend mit mir im Takt der Musik. Ein paar Meter weiter springen zwei junge Frauen sich in den Armen liegend durch die Gegend. Andere Frauen, jung und alt, stehen schnell wieder auf den Stühlen, um dort weiter zu tanzen.
Damensitzung der KG UHU Köln-Dellbrück ist sehr beliebt
So habe ich mir eine Karnevalssitzung nicht ausgemalt. Bin ich doch mit Straßenkarneval aufgewachsen, habe ich mir Sitzungen ehrlicherweise eher dröge vorgestellt. Ich dachte, die Leute sitzen an ihren Tischen und lassen sich von dem Bühnen-Programm berieseln, zwischendurch wird mal gesungen und geschunkelt. Dass meine erste Sitzung aber eine große Tanzparty ist, ist eine schöne Überraschung.
Ich bin am Sonntagnachmittag im Forum der Gesamtschule Holweide auf der „Dellbrücker Boore-Sitzung nor för Weechter“ der Karnevalsgesellschaft UHU von 1924 e.V. Köln-Dellbrück. Seit 27 Jahren kommen für die Sitzung nur Frauen zum Feiern zusammen. Es ist eine der beliebtesten Veranstaltungen der KG UHU, die Karten sind meist schon ein knappes Jahr vorher ausverkauft, teilt Pressesprecher und Archivar Ingo Eggemann mit.
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Warum die Sitzung so beliebt ist, dämmert mir gleich zu Beginn. Der Anblick ist einfach ein schöner: Frauen jeglichen Alters in unterschiedlichsten Kostümen betreten die Schule mit Picknickkörben. Gruppen knuddeln sich schon vorm Einlass. Im Saal sind die Tische voll mit meist selbstgemachtem Essen in Tupperdosen. Kölsch-Fässchen, Wein und Sekt in Kühlern stehen dazwischen. Die Stimmung ist ausgelassen.
Kölner Karneval: Stimmung auf der Damensitzung ist fantastisch
„Die Sitzung ist jede Session mein Highlight“, erklärt Uhu-Mitglied Martina Schönhals, „es herrscht einfach eine ganz besondere Stimmung, wenn nur Frauen zusammen kommen“. Sie ist mit ihrer Schwester und ihren Nichten dort. Ihre Mutter sollte auch irgendwo herumschwirren, witzelt sie. „Hier kommt das ganze Veedel zusammen, es ist wie eine riesige Familienveranstaltung“.

Besucherinnen der Damensitzung der KG Uhu feiern ausgelassen. Vielleicht weil sie unter sich sind?
Copyright: Rika Kulschewski
Viele Frauen erzählen mir, dass sie schon seit Jahren immer zu der Damensitzung gehen. Einige bringen ihre Freundinnen mit, andere ihre Töchter und Enkeltöchter. Mindestens drei Generationen sitzen an den Tischen zusammen. „Viele Frauen sind Mütter oder Großmütter von den Schnäuzerpänz, mein Mann und Sohn sind im Schnäuzer Ballett, mein Vater war es früher auch“, erzählt Martina. Dass die beiden Tanzgruppen der KG Uhu auftreten sei deshalb selbstverständlich und sie werden von den Gästen ordentlich bejubelt.
Karneval in den Veedeln: Generationen sitzen an einem Tisch
Das Programm sei bei der Planung der Damensitzung das Wichtigste, erklärt Ingo Eggemann: „Die Hauptsache ist, dass ganz viel Musik auf dem Programm steht, die Damen wollen unserer Erfahrungen nach nicht viele Redner hören, sondern einfach tanzen und feiern können“. Den Eindruck kann ich bestätigen. Die Tanzeinlagen und der Auftritt von Blötschkopp Marc Metzger werden aufmerksam verfolgt, aber wenn Planschemalöör, Paveier, Brings, Kasalla und Klüngelkopp auf der Bühne sind, bebt der ganze Raum. Schön wäre natürlich, wenn auch auf der Bühne mehr Frauen stehen würden. Aber das ist kein Problem der Sitzung sondern des Kölner Karnevals generell.
Und als sich alle Frauen schunkelnd im Arm liegen und „Denn ich ben nur ne Kölsche Jung. Un mie Hätz, dat litt mer op d'r Zung“ singen, bin ich nicht die einzige mit Tränen in den Augen. Ein Raum voller Frauen, die zusammenhalten, zusammen feiern und das Leben miteinander genießen, ist einer, an dem ich mich nie satt sehen werde. Und so verstehe ich mal wieder, was Peter Brings auf der Bühne betont: „Karneval macht die Seele wieder gesund“.

