Bei der WM des Pferdesports, den Weltreiterspielen in Aachen, wollen Kölner Voltigierer wieder ganz oben auf dem Treppchen stehen, zum Beispiel Bela Lehnen.
Medaillenkandidat aus KölnBela Lehnen will bei der Voltigier-WM aufs Treppchen

Bela Lehnen vom Voltigierverein in Dünnwald ist einer der erfolgreichsten Voltigierer Deutschlands.
Copyright: Michael Bause
Bela Lehnen steht in der Boxengasse. Er hat Trense und Gamaschen in der Hand. Schimmel Max wartet schon unter dem Vordach vor der Stalltür auf ihn, wo er an ein Geländer angebunden steht und sich striegeln lässt. „Das Pferd-fertig-Machen gehört natürlich mit zu meinen täglichen Aufgaben“, erklärt der 21-jährige Sportsoldat, der einer der Titel-Aspiranten bei der anstehenden Weltmeisterschaft im Pferdesport ist. Wie die Fußball-WM, finden die Weltreiterspiele der FEI (Fédération Equestre Internationale, die Fifa des Reitsports) nur alle vier Jahre statt. Dieses Jahr vom 11. bis 23. August in Aachen, der Reitsport-Hauptstadt der Republik.

Die Bandagen und Hufschützer sollen die empfindlichen Beine des Pferdes schützen.
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Bela Lehnen möchte dieses Jahr Weltmeister im Einzelvoltigieren werden. So wie sein Bundestrainer Kai Vorberg, der jetzt von Warendorf aus die Geschicke der Deutschen ‚Nationalmannschaft‘ der Voltigierer verantwortet. Und natürlich auch die der Einzelvoltigiererinnen und ‑voltigierer. Vorbergs Mutter war es, die in den 1990er-Jahren die Voltigier-Abteilung der Jugendreitergruppe Köln zu einer echten Kaderschmiede weiterentwickelte.
„Die erste Bronzemedaille bei einer WM gewann das Herren-Team im Jahr 1998 in Nitra in der Slovakei“, erinnert sich Sarah Krauß, Lehnens Longenführerin. Krauß hat als Kind und Jugendliche selbst voltigiert, ist dem Verein, der seit 2013 als „Voltigierverein Köln-Dünnwald“ neu startete und seither komplett auf diese Disziplin setzt, weiter verbunden. „Der Sport lässt mich nicht los, es macht einfach zu viel Spaß.“

Kraft und Konzentration: Bela Lehnen beim Training auf Max in der Reithalle in Dünnwald.
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Seit 1998 wurde nicht nur Kai Vorberg mehrfach Einzel-Weltmeister, auch die Teams, Duos und natürlich die Einzel-Voltigiererinnen und -voltigierer aus Dünnwald haben zahlreiche nationale und internationale Titel gesammelt. Der Voltigierverein in Dünnwald ist für die Turner auf dem Pferd das, was Bayern München für den Fußball ist: einfach allererste Liga in Deutschland.
So zieht der Verein auch Sportler aus anderen Städten an: Thomas Brüsewitz etwa, der amtierende Deutsche Meister, der sich ebenfalls in Aachen Chancen auf den Titel ausrechnet, stammt aus Hannover. Bela Lehnen, der im letzten Jahr bei den Deutschen Meisterschaften mit einer hervorragenden Platzierung überraschte, pendelt jeden Tag aus Moers nach Dünnwald. „Noch möchte ich das Hotel Mama nicht verlassen“, gibt er offen zu, schließt aber nicht aus, eines Tages nach Köln zu ziehen. Immerhin verbringt er mindestens sechs Tage in der Woche in Dünnwald.

Sarah Krauß sorgt als Longenführerin dafür, dass Max ruhig und gleichmäßig im Kreis galoppiert.
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„Die Bedingungen und die Expertise hier sind einfach hervorragend“, sagt Lehnen, der ein goldfarbenes Deutschland-Trikot mit dem Bundeswehr-Schriftzug trägt. Um sich ganz seinem Sport widmen zu können, hat er vor fünf Jahren den Sprung nach Warendorf geschafft. „Für Voltigierer sind Jahr für Jahr nur zwei oder drei Stellen bei der Sportkompanie der Bundeswehr vorgesehen“, erklärt der hochgewachsene Athlet, der ohne Weiteres auch als Zehnkämpfer durchgehen könnte. „Unser Auftrag ist es, für unser Land Medaillen zu gewinnen.“ Und genau das hat er vor.
Deutscher Meister bei den U-21-Voltigierern
Der Titel bei den Deutschen Meisterschaften der U-21-Voltigierer im vergangenen Jahr in München war für ihn eine Bestätigung und ein Meilenstein auf dem Weg zum Weltmeistertitel. Zumal er 2024 durch einen Kreuzbandriss zurückgeworfen wurde und ein halbes Jahr pausieren musste. Mit viel Disziplin kämpfte er sich zurück. Das Training auf dem Pferderücken ist dabei nur ein kleiner Teil im Trainingsplan eines Voltigierers.
„Wir üben auf dem Holzpferd oder auf dem Movie“, erklärt Lehnen, während er den Mix aus Karussell und Rodeopferd zeigt. Die Stahlkonstruktion ahmt die Bewegungen des echten Pferdes nach, die Turner können neue Kür-Elemente entwickeln oder den Feinschliff für Pflicht- und Technikübungen trainieren. Auch Krafttraining auf der Matte spielt eine große Rolle für die Sportler, die auf dem Pferderücken die Balance halten müssen.

Aufwärmtraining auf der Matte gehört zum täglichen Pensum von Spitzenvoltigierern wie Bela Lehnen und Gianna Ronca.
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Dass Max als Trainingspartner besondere Wertschätzung erfährt, zeigt sich auch bei der jetzt anstehenden Übungseinheit. Gianna Ronca und Bela Lehnen teilen sich den 15-jährigen Wallach heute. Vor dem Training hat Lehnen das Pferd eine Weile im Schritt über das Gelände geführt, jetzt übernimmt Sarah Krauß, die als Longenführerin für den gleichmäßigen Galoppsprung sorgt. Ronca hofft noch, an der Einzelkonkurrenz der Damen teilnehmen zu können. Bisher ist sie als Ersatz nominiert. Im Team ist die 22-Jährige auf alle Fälle dabei. Auch die Monheimerin pendelt nach Dünnwald.

Trainer Torben Jacobs filmt die Trainingseinheit, um sie anschließend akribisch mit Bela Lehnen durchzugehen.
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Ronca und Lehnen springen abwechselnd auf Max, wechseln gekonnt von einer Figur in die nächste, Handstand ist eine der leichteren Übungen. Inzwischen ist auch Torben Jacobs eingetroffen. Der 34-Jährige trainiert die beiden. Auch er ist ein ehemaliger Aktiver, der zahlreiche Titel im Team, Einzel- und Doppel-Voltigieren gewonnen hat. Nach zehn Minuten bekommen Pferd und Athleten eine Pause. Max wird dankbar gestreichelt und gelobt, das Tier ist der Mittelpunkt, trotz aller sportlicher Höchstleistungen, die auf seinem Rücken stattfinden.

Bela Lehnen vom Voltigierverein Köln-Dünwald turnt auf einem richtigen Pferd, wie Turner auf dem Pauschenpferd.
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Dann gibt es noch eine zweite Runde, in der beide Elemente aus ihrer Kür proben. Jacobs filmt jede Einheit und geht sie anschließend akribisch mit den Sportlern durch. Jede Krümmung im Fuß, eine minimale Abweichung bei der Armhaltung, jedes Zu-Viel oder Zu-Wenig-Federn in den Knien wird korrigiert. Anschließend wird Max wieder ausgiebig getätschelt. Der Schimmel hat für heute Feierabend. Auch die Pferde decken nur einen Bruchteil ihres Bewegungsbedarfs durch das Voltigier-Training.

Bela Lehnen kümmert sich auch um die Sauberkeit im Stall und auf dem Weg zur Reithalle. Max schaut interessiert zu.
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„Deshalb joggen wir auch mit den Pferden“, sagt Krauß. Und zahlreiche Ehrenamtler, darunter viele ehemalige Voltigierer, bewegen die Pferde im Reitsattel. Auch Bela Lehnens Mutter ist passionierte Reiterin. „Deshalb saß ich schon, bevor ich laufen konnte, zum ersten Mal auf dem Pferderücken“, berichtet Lehnen nach dem Training von seinen Anfängen.
Viel Zeit verbrachte er mit seiner Familie bei Freunden, die einen Bauernhof hatten. Als es dort einmal eine Schnupperwoche rund ums Pferd gab, machte ihm das Voltigieren am meisten Spaß. „Ab dann war ich im Verein, da war ich fünf Jahre alt.“ Erst trainierte er in Neukirchen-Vluyn, dann wechselte er nach Neuss-Grimlinghausen. „Mein Opa hat mich immer zum Training gefahren und auch die drei Stunden dort in der Halle gesessen und zugeschaut. Er ist bis heute mein größter Fan“, sagt Lehnen, der weiß, dass es ohne seine Voltigier-verrückte Familie nicht gehen würde. Sein Bruder trainiert in Neuss, seine Schwester in Köln. Sie nimmt gerade an der Junioren-Europameisterschaft im französischen Le Mans teil. Und wenn am Samstag, 15. August, die Einzelkür der Herren auf dem Turnierplan der WM in Aachen steht, wird auch sicher wieder einer ganz vorn sitzen: sein Opa Lothar.
Der Voltigierverein Köln-Dünnwald hat derzeit 200 Mitglieder. Es gibt 14 Voltigiergruppen, davon sind sieben Wettkampfgruppen. Sie trainieren auf 14 Pferden, zwölf gehören dem Verein. Voltigierverein Köln-Dünnwald, Zeisbuschweg 61, 51061 Köln, vvkoelnduennwald@gmail.com
