Marco Spürck und Andrea Schulz beleben den Flittarder Hof erfolgreich neu. Wie sie alte Gäste zurücklockten und die Dorfgemeinschaft stärken.
Gerichte von früherNeue Betreiber des Flittarder Hofs setzen auf Tradition und Frische

Marco Spürck und Andrea Schulz (2. und 3. v.l.) haben die Kneipe von dem langjährigen Wirt Hanspeter Zimmer (3. v.r.) übernommen.
Copyright: Marius Fuhrmann
Ein Dorf wehrt sich gegen das Kneipensterben: Wer die Entwicklung im Flittarder Hof seit dem Abtreten des langjährigen Wirts Hanspeter Zimmer vor sechs Jahren verfolgte, musste befürchten, dass auch die letzte Schankwirtschaft im Ort schließen würde. Doch schon seit Juni führen mit Marco Spürck und Andrea Schulz zwei engagierte Dorfbewohner das Lokal – und haben es geschafft, alte Gäste zurückzugewinnen.
Wer seine alte Liebe an die Hand nehmen und durch die Jahreszeiten führen darf, ist ein persönliches Anliegen von Hanspeter Zimmer, dem ehemaligen Wirt. Er stand 29 Jahre hinter der Theke, und hätte wohl noch weitergemacht, wenn ihn nicht 2019 die Kräfte verlassen hätten. Noch immer ist er Eigentümer des Gebäudes mit dem Flittarder Hof, dessen Räumlichkeiten teilweise im Originalzustand erhalten sind.
Neustart mit vertrauten Kräften im Flittarder Hof
Zimmer macht keinen Hehl daraus, dass er mit den Plänen des Vorgängers, das Lokal in ein italienisches Restaurant umzuwandeln, nie so recht einverstanden war: „Er war mit der Größe des Lokals, den Menschen und der Qualität der Küche überfordert“, sagt er. Als der Gastronom eine Frist zur Entscheidung, ob er den Flittarder Hof nach einem Probejahr weiterführen wolle, habe verstreichen lassen, machte Zimmer Nägel mit Köpfen: „Es war schließlich meine Entscheidung, die Probezeit nicht zu verlängern“, sagt er.
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Längst hatte er Spürck im Auge, den er von seinem Stammtisch kennt, ebenso Schulz, die seit Karneval beim Vorgänger aushalf. „Bereits meine Mutter Dagmar hat mit Hanspeter gearbeitet, sie war die Chefkellnerin“, sagt die 39-Jährige. „Ich selbst war hier seit meinem 16. Lebensjahr als Spülkraft tätig, bis ich dann schwanger wurde. Wir haben gegenüber gewohnt, es war mein zweites Zuhause“, sagt sie. Nun hat sie die Rolle ihrer Mutter eingenommen, sie leitet die vier jungen Thekenkräfte an, steht aber auch selbst am Zapfhahn. „Meine Mutter freut sich sehr, sie ist sehr begeistert und erzählt es jedem.“
Marco Spürck, hauptberuflich Elektriker, kümmert sich um Bürokram und kleine Reparaturen. „Bei einem Betrieb dieser Größe kann man den handwerklichen Aspekt nie außer Acht lassen, da gibt es immer etwas zu tun – wenn Not am Mann ist, stelle ich mich auch selbst hinter die Theke“, sagt der 45-Jährige. Er habe die Kneipe erhalten wollen und sich nach Abstimmung mit seiner Familie entschieden, das Abenteuer als Gastwirt zu wagen.
Tradition bewahren, neues Publikum gewinnen
„Es hat sich hier all die Jahre nicht viel verändert: Nur die Fenster sind neu und die Farbe an der Wand“, sagt er. Trotzdem sei ihm klar, dass man die alten Zeiten nicht wieder aufleben lassen könne. „Die Klientel hat sich verändert, die Leute, die in den 90ern und 2000ern hier waren, sind heute hochbetagt. Wir wollen die Dinge, die gut funktioniert haben, wieder machen, um auch junges Publikum anzuziehen.“ In den sieben Monaten seit der Übernahme sei es gelungen, Stammgäste aus anderen Kneipen zurückzugewinnen.
Die Handballer vom TV Flittard kämen nach dem Training und den Spieltagen herein, ebenso die Volleyballer und die Jungschützen der St. Sebastianus Schützenbruderschaft. Auch FC-Spiele zeige der Flittarder Hof weiterhin im Kneipenraum. „Es entsteht auch wieder ein KEC-Fanclub, außerdem haben wir 23 Kegelclubs auf einer Bahn – die kommen teilweise aus Mülheim und Deutz wieder, wohin sie ausgewichen sind“, sagt Spürck. Dabei werde auch die Küche gut angenommen: „Es ist kein Essen à la carte, sondern ganz bodenständig: Frikadellen, Bockwurst und Schnitzel. Es sind Gerichte von früher, wenige nur, aber die wollen wir gut machen – und alle frisch.“
Die Küche lockt außerdem mit Spiegeleiern, wahlweise mit Bratkartoffeln, Kartoffelsalat und Chicken Nuggets – das alles zu vergleichsweise günstigen Preisen. Selbst das Kölsch kostet noch 1,90 Euro: „Wir tun alles dafür, keine 2 vor das Komma schreiben zu müssen“, sagt Spürck. So sei es schon zu Hanspeter Zimmers Zeiten gewesen.
Der wiederum ist als Eigentümer der Gaststätte mit der Entwicklung hochzufrieden – der vierte Versuch, neue Betreiber zu finden, scheint erfolgreich zu sein. „Nach den Katastrophen-Jahren mit drei ungeeigneten Betreibern habe ich so meine Erfahrung gesammelt. Die vorherige Situation zu beenden, hat sich als absolut richtige Entscheidung herausgestellt.“ Auch die neue Social-Media-Präsenz, die ihm als Wirt noch fremd gewesen war, stellt der 72-Jährige positiv heraus. Als ehemaliger Wirt sei er im Dorf noch sehr bekannt: „Ich erhalte positive Rückmeldungen, dass das hier eine tolle Kneipe ist, die erhaltenswert ist.
„Die Idee, ein italienisches Restaurant zu eröffnen, ist nicht schlecht, aber passt nicht zu Flittard. Der Vorgänger hatte viel Pech und selbst verschuldete Probleme mit dem Personal, das hat sich herumgesprochen. Wir dagegen sind von hier, wir kennen die Leute und sind in den Vereinen verstrickt“, sagt Spürck. Es sei eben so: „In Flittard kann man zehn Sachen gut machen, aber wenn man eine schlechte macht, bleibt das unvergessen.“ Und Hanspeter Zimmer ergänzt: „Dieses kölsche Bild vom Ureinwohner und dem Imi, das ist hier immer noch so.“

