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„Bauzeit erheblich verkürzen“Stadt Köln will mit Modulbauten aus Holz gegen Schulmangel vorgehen

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3D-Visualisierung für Erweiterungsbauten in Holzmodulbauweise

Visualisierung für die Erweiterungsbauten an der Grundschule am Rosenmaar.

Holz soll der Stadt als schneller und nachhaltiger Baustoff für Kölner Schulen dienen. Dafür investiert sie dieses Jahr 320 Millionen Euro.

Schulplätze sind rar in Köln, auch im Grundschulbereich klemmt es an vielen Stellen. Hohe Schülerzahlen und marode Gebäude sorgen für Engpässe. Um der Not zu begegnen, will die Stadt vermehrt auf Neubauten setzen, die in verhältnismäßig kurzer Zeit aus vorgefertigten Modulen aus Holz zusammengesetzt werden.

An der Rosenmaarschule in Höhenhaus zum Beispiel entsteht derzeit auf diese Weise ein Erweiterungsbau mit 1700 Quadratmetern Nutzfläche. Anfang des Jahres war noch wenig zu sehen auf dem Grundstück, auf dem sich früher ein Spielplatz befunden hatte. Mittlerweile wurden 70 Einzelteile aus Buche, Fichte und Lärche wie Legosteine zu einem zweistöckigen Gebäude zusammengefügt. Schon im November dieses Jahres soll das Haus inklusive Photovoltaikanlage auf dem Dach fertig sein.

Gerade, wenn es schnell gehen muss, ist der Modulbau unschlagbar
Martin Kratzheller, städtische Gebäudewirtschaft

Die Module wurden von einem Unternehmen in der Eifel hergestellt und vor wenigen Wochen auf Schwerlast-Lkw angeliefert. Nur einzelne Elemente wie der Treppen- und Eingangsbereich sind Betonkonstruktionen, die vor Ort gebaut wurden. Zu tun gibt es noch viel, aber Fenster und Deckenleuchten sind bereits eingebaut. Der Rohbau mit seiner Fassade aus Fichtenholz vermittelt schon jetzt etwas von der gemütlichen Atmosphäre, in der die Kinder eines Tages lernen sollen.

Schulmangel in Köln: Modulbau verkürzt Bauzeit erheblich

„Der Riesenvorteil ist: Wir können die Bauzeit erheblich verkürzen“, erläuterte Martin Kratzheller von der städtischen Gebäudewirtschaft auf der Baustelle: „Gerade, wenn es schnell gehen muss, ist der Modulbau unschlagbar.“ Während das Bauunternehmen die Module produziere, könne das Baugrundstück bereits vorbereitet werden. Die Erweiterung in Höhenhaus soll inklusive Planung nur zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Außerdem biete das Holz, das laut Stadt aus zertifizierten Anbaugebieten in Deutschland und Österreich stammt, eine „super CO2-Bilanz“. „Die Schule ist komplett recycelbar“, so Kratzheller. Theoretisch sei es sogar möglich, sie an einem anderen Standort wieder aufzubauen. Auch in Sachen Brandschutz und Kosten stehe die Holzkonstruktion einem konventionellen Bau in nichts nach. Mit veranschlagten 10,3 Millionen Euro sei das neue Haus „nicht wesentlich“ teurer.

Kölns Baudezernent Markus Greitemann zeigte sich „tief beeindruckt“ von der Effizienz und Schnelligkeit des Modulsystems – „wohl wissend, dass wir noch eine Menge aufzuholen haben“. Nach Angaben der Verwaltung werden derzeit an elf Schulstandorten Erweiterungen in Holzbauweise geplant oder bereits gebaut. In Dünnwald, Lindweiler und Neuehrenfeld seien nach diesem Konzept bereits drei Gebäude fertiggestellt worden. Zudem würden die Interimsstandorte für das Gymnasium Kreuzgasse und die Europaschule Raderthalgürtel auf diese Weise entstehen.

320 Millionen Euro für neue Schulbauten

Viel Holz, aber keine Module sollen für die Gesamtschule an der Fitzmauricestraße in Ossendorf zum Einsatz kommen. 2024 würden insgesamt 320 Millionen Euro in neue Schulbauten investiert, so Greitemann, weitere 80 Millionen in die Instandhaltung. Bei sehr kurzfristigen Engpässen kämen jedoch nach wie vor die üblichen Container zum Einsatz. Auch auf engen Grundstücken etwa in der Innenstadt seien kreativere Lösungen in hergebrachter Bauart gefragt.

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