Backstage bei den DonotsKölner Palladium vibriert schon im Soundcheck

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Die Donots haben am Donnerstag ein explosives Konzert im Kölner Palladium gespielt. So bereiteten sich Band und Crew auf den Abend vor. 

Es ist Donnerstag früh nachmittags, die Sonne strahlt das alte Fabrikgebäude an. Wo sich sonst eine Schlange an Leuten tummelt, sind nur erste Barrikaden aufgebaut, es steht noch keine Security vor den Türen und auch sonst ist vor der Konzerthalle nichts los. Es herrscht Ruhe. Erst wenn man durch die stählernen Tore, über alte Schienen, an die andere Seite des Palladiums geht, erwacht das Leben. 

Dort wimmelt es vor Leuten mit Pässen, Warnwesten und Aufgaben. Sie wissen alle, was sie zu tun haben, arbeiten für sich, im Einklang mit den anderen. Da hinten, hinter einer der legendärsten Hallen Kölns spielt sich eine ruhige, eingespielte Show ab, mit denen die Donots so erstmal nicht viel zu tun haben. Die Punk-Band lässt machen, planen, sich von einem Termin zum nächsten schicken.

Die Verantwortung dafür tragen viele, vor allem Maya Sontheimer. Sie ist die Tourmanagerin der Band – seit sechs Jahren. Damals war sie Tour-Assistenz bei den Toten Hosen, die von den Donots supportet wurden. Bald übernahm Sontheimer die Planung für die Band. Das heißt, die 34-Jährige hat vor und während der knapp zweiwöchigen Tour – „fühlt sich manchmal an wie Klassenfahrt“– die Hauptverantwortung. Sie ist das Bindeglied zwischen allen Parteien, die an einem Konzert arbeiten. Die Reiseleitung und Betreuerin der Band, der Crew. Im Vorhinein hat sie Catering, Presse, Zeitplan und Co. organisiert.

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Backstage bei den Donots: Tourmanagerin kümmert sich um alles

„Vor Ort achte ich darauf, dass es der Band gut geht“, sagt Sontheimer. Sie seien zwar autark, aber die Tourmanagerin kümmert sich immer darum, dass sie versorgt, glücklich und pünktlich sind. „Obwohl die Jungs sind eigentlich super on time“, lacht sie. Das macht ihren Job leichter, denn nebenbei kümmert Sontheimer sich beispielsweise noch darum, wie die Räumlichkeiten genutzt werden, wo Familie parken kann, ob beim Catering alles stimmt und allgemein alles läuft. Sie führt die Kommunikation zwischen Bandseite und Veranstalter- und Locationseite, ist erste Ansprechpartnerin. 

Vorhin haben die Donots Gipsabdrücke von ihren Händen gemacht, Interviews geführt. Jetzt geht die Punkband das erste Mal auf die Bühne. Es ist Soundcheck. „Jeder Club klingt anders“, erklärt Bassist Jan-Dirk Poggemann, „das muss man dann anpassen und spielt die Songs, bei denen man es am meisten merkt“. Und so stehen sie auf der Bühne, witzeln herum, rocken ihre Lieder runter. Vor ihnen die leere Halle. Nur vereinzelt gucken Menschen zu: Familie, Freunde, Crew-Mitglieder. Und Technikerinnen und Techniker, die dafür sorgen, dass der Sound richtig klingt, wenn 4.000 Menschen zuhören. 

Nur fünf Stunden später ist die leere Betonfläche mit einer Masse an schwitzenden, springenden Menschen gefüllt. Die Donots, die 29 Jahre Show-Erfahrung haben, über 1500 Konzerte gespielt haben, sind zum ersten Mal Headliner im Palladium. Das ist ein großes Ding, erzählt Schlagzeuger Eike Herwig, vor allem, weil es in Deutschland wenig traditionsreiche Hallen gibt, die sich schon so lange bestehen: „Wo man als Band denkt, wenn wir da mal spielen, geht ein Traum in Erfüllung.“ Poggemann ergänzt: „Ich hab hier mal die Foo Fighters gesehen, da dachte ich, irgendwann will ich auch mal das Palladium spielen“.

Donots reißen Kölner Palladium ab

Für ihre Premiere reißen sie die Hütte ab. Die Songs, die im Soundcheck angespielt wurden, und alle anderen schmettern laut und gewaltig durch die ausverkaufte Halle. Die Donots spielen eine Rockshow vom Feinsten: Der Moshpit scheint sich nie zu schließen. Punkkids aus dem Publikum kommen zwischendurch auf die Bühne, um mit der Band zu rocken, die wild umherspringen, crowdsurfen und engen Austausch mit der tobenden Masse führen.

Jede, jeder soll springen, pogen, wippen. Nazis sind scheiße und Liebe und Punk gewinnen. Es ist die Quintessenz dieses energetischen Konzerts mit fünf geplanten und ungeplanten Zugaben. Die Band will am Ende sichtlich gerührt nicht von der Bühne und die Fans wollen sie nicht gehen sehen.  

Von solch einer Show konnten die fünf Musiker aus Ibbenbüren während des Soundtracks wohl kaum träumen. Eike Herwig nimmt währenddessen nur schon eine Besonderheit des Palladiums wahr. Normalerweise seien Bühnen immer fest und statisch, im Palladium spürt er hingegen schon im Soundcheck, wie das Schlagzeug alles zum Schwingen bringt. „Da kann man sich schon vorstellen, da heute Abend zu sitzen, die Leute sind da, es geht los und das macht einfach wahnsinnig Bock.“

Nach dem Soundcheck kehrt wieder Ruhe ein. Die Band führt noch weitere Interviews, isst, macht Fotos, trifft Fans, bevor sie sich zurückziehen. Dann wärmen sie sich und ihre Stimmen auf. Bereiten sich mental vor. „Diese Konzentration ist total wichtig, damit man dann während der Show alles laufen lassen kann“, erklärt Herwig.

Fünf Minuten vor Showbeginn treffen sich dann alle – Band, Crew und Tourmanagerin – vor den Treppen, die auf die Bühne führen. „Man ist im Tunnel“, erzählt Poggemann, „aber dann wird man schnell von den Leuten getragen“. Und während diese anfangen zu klatschen, pfeifen, schreien, ein vibrierender Bass durch die Halle schwebt, sammelt sich die Crew in einem Kreis, ruft einen Schlachtruf und läuft dann mit einem Grinsen auf die Bühne, dass bis drei Uhr nachts nicht verschwindet ...

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