Lindenthal/Sülz – Wer wird der neue Herr im Weißhaus? Diese Frage beschäftigt die Bevölkerung, seitdem das kleine romantische Wasserschlösschen im Sülzer Süden zum Verkauf steht. Der letzte Schlossherr, der Bauunternehmer Heinrich Wolf, verstarb im Jahr 2010. Seit einigen Jahren versucht die Erbengemeinschaft bereits die Immobilie an den Mann zu bringen. Das ist ihr jetzt gelungen. Ihr Immobilienmakler Greif und Contzen bestätigte nun den Erfolg der Suche: „Ja, das Weißhaus ist verkauft“, sagt Stefan Altmann, Pressesprecher des Unternehmens. Wie der Käufer heißt, dürfte er auf Wunsch des Kunden leider noch nicht sagen.
Die Bezirksvertretung Lindenthal weiß immerhin, dass Verkaufsverhandlungen mit einem „Berliner Fabrikanten“ stattgefunden hatten, wie Friedhelm Hilgers, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der vergangenen Sitzung formulierte. Deren nahendes Ende hatte die Bezirkspolitiker veranlasst einen Beschluss im Hinblick auf das Anwesen in ihrem Stadtbezirk auszuarbeiten, den sie nunmehr einstimmig verabschiedeten: Danach soll die Stadt Köln für das Areal, auf dem sich das Schlösschen und der Park befinden, einen Bebauungsplan erstellen oder für den Fall, dass es für Teile dieses Bereichs bereits einen solchen gibt, diesen ergänzen. Damit verfolgen sie das Ziel, dass eventuelle Neu-, Aus- und Umbauten in Einklang mit dem Denkmalschutz, den das Gebäude-Park-Ensemble genießt, stehen. So soll das Gebiet des Weißhaus-Schlösschens im Hinblick auf Fläche und Höhe nicht mehr bebaut werden, als es bereits ist. Claudia Pinl von den Grünen brachte ein weiteres Anliegen vor, dass die Bezirkspolitiker beschäftigt: „Wir versuchen mit einem Bebauungsplan dafür zu sorgen, dass die Öffentlichkeit einen Fuß in die Tür bekommt und zumindest der Park ihr künftig zur Verfügung steht.“
Was konkret mit dem Erwerber ausgehandelt wurde, konnten die Bezirksvertreter allerdings nicht in Erfahrung bringen. Hilgers’ Nachfrage bei dem in der Bezirksvertretung anwesenden Mitarbeiter des Stadtplanungsamts Heribert Funk, konnte dieser nicht konkret beantworten. Immerhin erfuhren die Politiker, dass die Stadt sich um die Frage, was aus dem Grundstück wird, kümmert: „Ich habe mit dem Liegenschaftsamt gesprochen “, sagte Funk. Es sei mit dem Erwerber in Kontakt und würde auch überlegen, ob und wie beim Kauf die Anliegen der Öffentlichkeit berücksichtigt werden könnten.
Es habe unterschiedliche Auffassungen darüber gegeben, was der richtige Weg sei, ob die Interessen bereits als Bedingung in den Kaufvertrag aufgenommen oder später mit dem Käufer ausgehandelt werden sollten. „Ihr Anliegen ist aber bereits früh in die Kaufvertragsverhandlungen eingeflossen und somit platziert“, sagte Funk.
Bislang habe man sich allerdings ausschließlich mit den Modalitäten des Kaufvertrags befasst. „Zu der Frage, ob wir einen Bebauungsplan aufstellen oder nicht, kommen wir erst später.“ Die Bezirksvertreter hatten lange gehofft, dass kein Privatmann, sondern die Universität den Zuschlag erhält. Die Uni hatte sich zunächst bemüht, das Anwesen mit der Stadt gemeinsam zu erwerben, war aber schließlich mit diesem Vorhaben gescheitert. Die Vertragsverhandlungen hatten sich vor allem wegen des aufgerufenen Preises, der zuletzt bei 6,8 Millionen Euro lag, in die Länge gezogen. Die Erbengemeinschaft suchte schließlich nach einem alternativen Käufer.
Patrick Honecker, Sprecher der Universität, bedauert das. „Wir sind grundsätzlich weiterhin daran interessiert, das Weißhaus zu kaufen, aber das ist für uns finanziell nicht abbildbar“, so Honecker. „Es hätte nur geklappt, wenn die Uni und die Stadt es zusammen erworben hätten.“ Für einen solchen Kauf hätten die beiden allerdings keine praktikablen Modalitäten entwickeln können. „Es scheiterte einfach an den finanziellen Möglichkeiten“, betont Honecker.
Auch die Bezirkspolitiker bedauerten diese Entwicklung in ihrer Sitzung, hoffen aber nun, dass spätestens durch einen Bebauungsplan sichergestellt wird, dass zumindest der Schlosspark der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Claudia Pinl, Grüne
