Abo

Schandfleck beseitigtEin Streetart-Wandgemälde ziert das Entree von Alt-Niehl

2 min
Ein Wandgemälde zeigt markante Ansichten aus Niehl.

Das Künstler-Duo Good Lack hat die Wände der Unterführung an der Industriestraße bemalt.

Die Tristesse am Alt-Niehler Ortseingang ist passé: Ab sofort schmückt Straßenkunst die Wände der Unterführung Industriestraße. Treibende Kraft: der Niehler Bürgerverein.

Das doppelseitige Wandgemälde im Tunnel der Sebastianstraße unter der Industriestraße versetzt den Betrachter in die Perspektive eines Schiffspassagiers, der vom Fluss aus zum Niehler Ufer schaut. In künstlerischer Freiheit hat das Künstlerduo „Goodlack Art“, bestehend aus John Iven und Ron Voigt, die prägenden Niehler Gebäude, darunter St. Katharina, das „Niehler Dömchen“ Alt St. Katharina, die denkmalgeschützte Ford-Hauptverwaltung, das St.-Agatha-Krankenhaus, die Hafenbrücke und die Schule Halfengasse, am Ufer entlang drapiert.

Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander

„Normalerweise sieht man vom Rhein aus ja hauptsächlich Bäume“, so die zwei. Und auch, dass auf beiden „Rheinseiten“, also Tunnelwänden, Niehl zu sehen ist, gehört zur Komposition. Je zur Hälfte sind die Wandgemälde in Schwarz-Weiß und bunt gehalten und ineinander überblendet, was für Vergangenheit und Gegenwart des Veedels steht: Einmal sieht man Passanten in klassischer Sonntagskleidung aufs Ufer schauen, einmal Paare und Familien von heute in legerem Outfit.

Die eine Seite einer Tunnelunterführung ist mit einem Rheinpanorama verziert. Gebäude aus Niehl sind zu sehen, Schiffe und eine Familie, die auf den Rhein blickt.

Die eine Seite des großformatigen Gemäldes ist in Schwarz-Weiß gehalten.

Nach rund zweimonatiger Umsetzung übergab der Niehler Bürgerverein als Initiator bei einem Platzfest das rund fünf Meter hohe und zweimal 35 Meter lange Kunstwerk symbolisch an die Bevölkerung. Vor rund 80 Gästen spielte die MC-Kapelle kölsche Lieder; die benachbarte Bäckerei Schmitz & Nittenwilm spendierte Laugenbrezeln für alle. Mit den Streetart-Motiven ist zugleich das schmutzig-triste Ambiente der Unterführung Geschichte.

Künstler-Duo begeistert von Unterstützung und Zuspruch

„Der Zustand hat uns seit Jahrzehnten gestört“, so der erste Vorsitzende Ulrich Thome. „Von der Idee bis zur Ausführung waren es rund zehn Jahre“, bilanzierte sein Vorgänger Bernd Valjeur, der das Projekt maßgeblich vorantrieb und heute Beisitzer im Vorstand ist. „Wir hatten gemerkt, dass es für uns als kleinen Bürgerverein zu teuer wird – aber vor drei Jahren stießen wir auf das ‚Heimatzeugnis‘-Förderprogramm des Landes.“ Dank der Unterstützung aus dieser Quelle wurde das Projekt Wirklichkeit. Die Nippeser Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert hoffte, dass das Kunstwerk nicht übermalt werde, sondern zum Überlegen anrege, welche Gebäude darauf zu sehen sind.

„Wir fanden es richtig geil, hier etwas fürs Veedel zu machen“, blickte Künstler Voigt zurück. Dem ersten Treffen vor anderthalb Jahren folgten eine acht- bis neunmonatige Konzeption und Motivauswahl. „Als die Leute merkten, was wir hier machen, wurden wir mit viel Liebe unterstützt und verpflegt; auch die Jüngeren waren begeistert.“ Dass man Alt und Jung zugleich mit einem Werk anspreche, sei sehr besonders. Die Motive der beiden sind in ganz Deutschland verteilt. In Köln sind es unter ganz vielen weiteren Werken die Bahnbögen am Ehrenfeldgürtel und das Hochhaus Ecke Friedrich-Karl-Straße/Niehler Kirchweg.