„Den Kolonialismus aus den Köpfen kriegen“Ausstellung zum Afrikaveedel in Köln-Nippes gestartet

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Vor Aufstellwänden stehen etwa zehn Menschen. Eine Dame hält ein Mikrofon in der Hand.

Die Mitglieder des „Initiativkreis Afrikaveedel“, einschließlich Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert (Mitte), eröffnen gemeinsam die Ausstellung.

Eine Ausstellung im Bezirksrathaus schildert die Geschichten hinter den „afrikanischen“ Straßennamen im Nippeser Nordosten.

„Wir wollen erreichen, dass man sich mit der Kolonialisierung auseinandersetzt, die noch nicht vergangen ist“, betonte die Nippeser Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert. Beim Hören des „Trizonesien-Song“, Karl Berbuers Karnevalsschlager aus dem Jahr 1948, laufe es ihr wegen der Zeile „Wir sind zwar keine Menschenfresser …“ immer noch kalt den Rücken herunter – wenngleich vom Liedschreiber etwas ironisch gemeint, spiegele sie durchaus die Afrika-Klischees jener Zeit.

Bei der Eröffnung der Ausstellung „Nippes dekolonisieren“ zum Afrikaveedel und seinen Straßennamen hatte Siebert eine Doppelfunktion: Im Bezirksrathaus war sie nicht nur Gastgeberin, sondern sie ist auch Mitglied des „Initiativkreis Gedenkort Afrikaveedel“, der die Ausstellung eröffnete. Das gemeinsame Ziel: Ein „dekolonialisierendes“ Denkmal im Viertel schaffen und kritisch an die deutsche Landnahme in Afrika erinnern, etwa in Form von Führungen.

Afrikaviertel erinnert auch an Nationalsozialismus

1935 wurden die sechs Straßen der damals neuen Siedlung im Nippeser Nordosten – Tanga-, Togo-, Kamerunstraße, Gustav-Nachtigal-Straße, Namibiastraße (vormals Carl-Peters-Straße) und Usambarastraße (vormals Lüderitzstraße) benannt. Durchaus mit Hintergedanken, wie Marianne Bechhaus-Gerst, ebenfalls Mitglied im Initiativkreis, erläuterte. „Vormals endete der deutsche Kolonialismus ja 1918, aber unmittelbar danach entstand eine starke Bewegung, die Kolonien zurückzugewinnen – gerade im Rheinland und in Köln.“ Die Befürworter stützten später ihre Hoffnungen auf Adolf Hitler, der 1936 tatsächlich von einem möglichen deutschen Großreich in Afrika sprach. „In diesem Kontext ist auch die Benennung der Straßen zu sehen. So gesehen ist das Afrikaveedel ein doppelter Erinnerungsort, an Kolonialismus und Nationalsozialismus.“

Auf den Tafeln informiert die Ausstellung über die Kolonialbewegung, die Geschichte der Kolonien, die Schlacht bei Tanga 1914 sowie die Kolonialherren Peters, Lüderitz und Nachtigal, wovon heute insbesondere Peters wegen seiner bestialischen Brutalität gegenüber den Einheimischen diskreditiert ist. Bereits 1991 wurden die vormalige Carl-Peters- und die Lüderitzstraße umbenannt. In ihrem Gutachten hatte Bechhaus-Gerst jüngst die Umbenennung auch der Gustav-Nachtigal-Straße empfohlen – denn  auch dieser habe sich, entgegen des lange vorherrschenden Images des Afrikaforschers, Kolonialverbrechen schuldig gemacht. Wie Siebert ankündigte, werde es zu diesen Plänen demnächst einen Gesprächskreis mit der Nachbarschaft geben.


Die Ausstellung ist noch bis 22. Dezember, und im neuen Jahr vom 2. bis 16. Januar im Bezirksrathaus Nippes, Neusser Straße 450, zu sehen.

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