Der Nippeser Fotograf Jürgen Lindemann hat eine Fotoserie den Monobloc-Stühlen gewidmet – und schafft es damit in ein australisches Magazin.
Bildserie über weiße PlastikstühleNippeser Fotograf ist auch in Australien bekannt

Ein Bild aus der Monobloc-Fotoserie im australischen Magazin.
Copyright: Jürgen Lindemann
„Der Monobloc-Stuhl ist ein heimlicher Rockstar“, meint der Fotograf Jürgen Lindemann schmunzelnd. „Er wird gering geschätzt, aber er ist überall verbreitet – ob in Amerika, Asien oder Australien.“ Im Alltag ist man vom einfachen Stuhl umgeben, ohne groß Notiz von ihm zu nehmen. „Man kennt den Gegenstand einfach und nimmt ihn nicht mehr wahr. Aber achtet man einmal gezielt darauf, fallen sie einem überall auf.“
Mit seiner Bilderserie über den Billig-Designklassiker, einen Plastikstuhl aus einem Guss, hat es der 62-jährige Lindemann, der in Nippes lebt, ins renommierte, vierteljährlich erscheinende australische Kunst- und Design-Magazin „Never Too Small“ geschafft. Als er Bilder von seinen Urlauben und Geschäftsreisen gesichtet hatte, etwa von Straßenszenen, Landschaftsimpressionen und Stränden, fiel ihm plötzlich auf, dass überall die Plastikstühle stehen. Er beschloss, sich diesem Objekt speziell zu widmen und es in den Blick zu nehmen.

Jürgen Lindemann in seiner Nippeser Wohnung.
Copyright: Bernd Schöneck
Die ersten Monoblocs wurden 1972 in Frankreich produziert. Der Gedanke: Ein günstiges, leicht herzustellendes, robustes und stapelbares Sitzmöbel sollte es sein. Genau diese Eigenschaften machten ihn über die Jahrzehnte zum globalen Phänomen. Geschätzt wurden bislang rund eine Milliarde der nicht patentgeschützten und frei produzierbaren Plastikstühle verkauft – im Schnitt wird ein solcher Stuhl also nur von acht Menschen auf der Welt geteilt (inzwischen ausrangierte Stühle sind hier natürlich mit eingerechnet).
Auch auf Pariser Modenschauen unterwegs
Schon seit er 16 ist, widmet sich Lindemann leidenschaftlich der Fotografie. Eine Bildstrecke über Saxofone, erschienen im niederländischen Kunstverlag Verkerke, wurde 1989 zu seiner ersten Auftragsarbeit. „Dann dachte ich, jetzt bin ich wohl Fotograf.“ Es folgten Engagements bei der Hamburger Agentur Focus, unter anderem für den „Stern“ und den „Spiegel“, sowie die jahrzehntelange fotografische Begleitung der Pariser Modeszene. Und seine eigenständigen Fotografie-Kunstprojekte, wie neben den Plastikstühlen eine über geschlossene Läden („Fermé“), über ungenutzte Billboards – die USA-typischen großformatigen Werbetafeln auf Pfeilern – oder „Photographers“, wo er die Linse auf selbst fotografierende Menschen oder Menschenmassen setzt.
Lindemann selbst empfindet, ganz bescheiden, Fotografie jedoch nicht als Kunst, sondern als Handwerk. „Man muss es einfach können und lernen, die Basics beherrschen.“ Das australische Magazin wurde selbst auf seine Arbeit aufmerksam: „Sie fanden meine Plastikstuhl-Fotos einfach toll und boten mir an, einen Artikel mit Bilderserie von mir zu machen.“ Sogar ein Dokumentarfilm wurde 2021 zu den Monoblocs gedreht, der in den Feuilletons gefeiert wurde. „Vielleicht ist das Thema deshalb so erfolgreich, weil man gegenüber Plastikstühlen keine Hemmungen oder Berührungsängste hat. Man kennt den Gegenstand einfach.“ Derzeit arbeitet er mit seinem Projekt „Eingriff“ mit der Düsseldorfer Klinik am Rhein zusammen, für eine Bildserie über Schönheitsoperationen.
