Vor drei Jahren übernahm ein gelernter Einzelhandelskaufmann das traditionsreiche Lokal an der Hittorfstraße 11, wo schon 1914 eine Kneipe stand.
Kölns Kneipenkultur„Em Stüffje“ – Hans-Jürgen Kiedl hat älteste Riehler Eckkneipe wiederbelebt

Prost aufs Veedel und den Laden: „Em Stüffje“-Gastwirt Hans-Jürgen Kiedl und Jochen, einer der Stammgäste des Lokals.
Copyright: Bernd Schöneck
Wer auf ein Kölsch ins Lokal „Em Stüffje“ kommt, fühlt sich spätestens nach einer Viertelstunde heimisch. Der Gastwirt Hans-Jürgen Kiedl kennt alle seine Gäste mit Namen; drinnen herrscht ein gemütlich-gediegenes Ambiente mit bunten Fenstern, einer verglasten Theke, rustikalen Deckenleuchten und viel warmem Holz. In der Gaststube hängen Bilder vom alten Köln, eine Sammlung von Karnevalsorden sowie Bierhumpen und Fan-Schals des 1. FC Köln und der Lokalmatadoren des DJK Löwe – sowie weitere Requisiten, die sich über die Jahrzehnte angesammelt haben.
Mit zunehmender Stunde, so gegen kurz vor neun Uhr, trudeln immer mehr Gäste in der Weetschaff an der Hittorfstraße 11 ein, plaudern über die neuesten Entwicklungen beim FC, im Veedel und der Stadt, über dies und das, und prosten sich gegenseitig zu. „Hier gibt’s auf jeden Fall das leckerste Kölsch, es liegt auch an der besonderen Kühlung“, ist Stammgast Gabi überzeugt.

Nostalgisch-gemütliches Flair: die bunten Fensterscheiben des Lokals, mit Brauerei-Logo.
Copyright: Bernd Schöneck
Letzte verbliebene klassische Veedelskneipe von Riehl
Das „Stüffje“ ist die älteste Eckkneipe von Riehl, und zugleich die einzig verbliebene. Es gibt in Riehl noch den „Riehler Hof“ und „Körners Gasthaus“, die aber beide eher Gaststätten mit stärkerem Schwerpunkt auf dem Restaurant-Betrieb sind. Vor dreieinhalb Jahren hat der jetzige Inhaber das Stüffje übernommen; zu diesem Entschluss kam er relativ spontan. „Seit 1914 ist in diesen Räumen eine Kneipe überliefert, es weiß aber keiner mehr, wie sie damals hieß“, erläutert er. „Aber seit mindestens 20 Jahren heißt sie Em Stüffje. In den 1970er-Jahren wurden die Räume so umgebaut, wie sie heute sind.“
Der jetzige Betrieb sei sein dritter Laden, erzählt er, mit einem Abstand von zehn Jahren zur vorherigen Gaststätte. „Ich bin gelernter Einzelhandelskaufmann und war in den Job zurückgekehrt – aber irgendwann hat’s mich dann wieder gekribbelt“, erinnert sich der 59-Jährige. Beim Einstieg in Riehl habe er fast bei Null anfangen müssen, und den Laden aus einem Tief mühsam wieder aufgebaut. Er legt viel Wert auf Sauberkeit und eine persönliche Ansprache der Gäste. „Wenn ich die Gaststätte nicht übernommen hätte, wäre sie wohl endgültig zu gewesen.“ So bleibt aber die Tradition am Leben.
Für den kleinen Hunger gibt es hier Bockwürstchen, belegte Brötchen sowie Metthappen. Das Reissdorf-Kölsch kostet 1,90 Euro und ist für 4 Euro auch als Gedeck mit einem Kabänes oder einem Hermännche erhältlich. Letzterer hat sich einen legendären Ruf unter den Gästen erarbeitet. „Das Hermännche ist ein Quittenlikör, sozusagen unser Hausschnaps“, erläutert Kiedl – aus einer Rösrather Destillerie, die diesen Likör im Andenken an einen stadtbekannten Briefträger und lokales Original aufgesetzt hat. Zudem ist die Kneipe Stammquartier der Riehler St.-Engelbertus-Schützen sowie einer 14-tägigen Skat- und Knobel-Gruppe. Geöffnet ist ab 15 Uhr, sieben Tage die Woche.
