Dieser Anblick verfolgte Tanja Iven: Bei der Beisetzung ihres verstorbenen Vaters war neben dem Grab ein Teil eines menschlichen Schädels zu sehen.
Nordfriedhof KölnAnblick von Schädel verstört trauernde Familie an Grabstätte

Auf dem Erdhaufen neben dem Grab ist das Schädelstück zu sehen.
Copyright: Tanja Iven
„Das Bild bekommen wir so schnell nicht mehr aus dem Kopf, gerade unsere Kinder nicht“, betont Tanja Iven. Bei der Beerdigung ihres Vaters Heinz-Peter Flecken am 9. Juli auf dem Nordfriedhof bot sich der Familie, die sich nach der Trauerandacht noch einmal am geschlossenen Grab versammelt hatte, ein gruseliger Anblick: Seitlich auf dem aufgeschütteten Erdhügel neben dem Grab lag deutlich erkennbar das Fragment eines menschlichen Schädels. „Der Anblick war für uns unfassbar. Besonders erschütternd war auch, dass meine Kinder diesen Anblick miterleben mussten“, erzählt sie.
Da Tanja Ivens Vater in der Grabstätte ihrer vor 14 Jahren verstorbenen Mutter beigesetzt worden war, glaubte die Familie zunächst, der Schädel stamme von ihr. Sie habe tagelang unter Schock gestanden, der zu der Trauer um ihren verstorbenen Vater noch hinzugekommen wäre. Als sie die Friedhofsmitarbeiter auf ihren Fund angesprochen hätte, sei sie zunächst abserviert worden. Inzwischen hat sie sich bei Oberbürgermeister Torsten Burmester über den Fall beschwert. „Ich fand es sehr enttäuschend, wie mit trauernden Angehörigen umgegangen wird.“ Zumal ihr Vater, nach dem frühen Tod seiner Frau, selbst 14 Jahre lang sehr regelmäßig auf den Friedhof gegangen sei – angesichts dessen hätte sie sich mehr Sensibilität erhofft.
Stadt: Gefundener Schädel stammte doch nicht von der Mutter
Inzwischen hat sich die städtische Friedhofsverwaltung mit dem Fall beschäftigt und um Entschuldigung gebeten. Man habe die Hintergründe des Schädelfunds geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich – entgegen des ersten Anscheins – nicht um den Schädel der verstorbenen Mutter gehandelt habe. Diese sei innerhalb der Doppelgrabstätte in Tieflage beigesetzt worden, das Grab für den verstorbenen Vater wurde jedoch nur bis zur Normallage ausgehoben. Es könne hin und wieder vorkommen, dass Gebeine von Personen, die vor langer Zeit verstorben waren, bei Beisetzungs-Vorbereitungen zutage träten. „Wird dies bemerkt, werden die Gebeine in der Regel sofort in der Grabstätte wieder beigesetzt. Leider ist dies hier versäumt worden.“
Bezüglich der Ansprache der Angehörigen habe man die Mitarbeitenden des Friedhofs sensiblisiert. Zudem wurde der Familie vor dem Gesamt-Hintergrund die Gebühr für die Trauerhallennutzung in Höhe von 198 Euro erlassen.