- Für Stadtförster Jörn Anlauf sind die 75 Hektar Grün das schönste Fleckchen im Veedel
Jörn Anlauf ist Förster aus Leidenschaft und Tradition. Über mehrere Generationen übten die Männer in seiner Familie diesen Beruf aus. Als Stadtförster ist Anlauf für 2000 Hektar Wald im Rechtsrheinischen zuständig. Dazu zählt mit dem Gremberger Wäldchen auch der letzte natürlich gewachsene Wald auf Kölner Boden. Von seiner dunklen Vergangenheit als Stätte eines NS-Krankenlagers für Zwangsarbeiter zeugt eine Gedenktafel vor Ort. Heute dient der mächtige alte Baumbestand der Naherholung und leistet zudem wichtige Aufgaben im Emissionsschutz für das angrenzende Veedel. Zukünftig soll der Hain wieder ursprünglicher werden. Dafür setzen Anlauf und sein Team in Gremberg ein Naturwald-Konzept um.
Was macht das Gremberger Wäldchen besonders?
Es bildet den letzten autochthonen Baumbestand im Kölner Stadtgebiet. Das bedeutet, es ist natürlich gewachsen und nicht angepflanzt worden. Zudem ist das Gremberger Wäldchen deutlich älter als der übrige Wald in der Stadt, der durch Aufforstung größtenteils in den 1960er Jahren entstanden ist. Dominierend ist hier die Buche. Sie pflanzt sich selbstständig fort – ein Zeichen, dass sie sich heimisch fühlt.
Es ist Teil des Naturwald-Entwicklungskonzeptes. Was bedeutet das?
500 Hektar Kölner Wald sollen in den nächsten Jahrzehnten ursprünglicher werden. Dort stellen wir unsere forstliche Bewirtschaftung ein und wollen beobachten, wie sich die Natur entwickelt, wenn der Mensch nicht eingreift. Der Bestand wird alle fünf bis zehn Jahre durchforstet. Das dient der Stabilität und dem Wachstum. Wir wollen die Bäume ihrer Entwicklung überlassen, abgesehen von der Verkehrssicherheitspflicht, die die Stadt als Eigentümer gewährleisten muss. Das bedeutet, dass auf größeren Wegen oder etwa rund um Sitzbänke tote Äste und dergleichen entfernt werden müssen.
Es gibt auch eine NS-Gedenkstätte. Woran erinnert sie?
Von den frühen 1940er Jahren an befand sich dort ein Krankenlager für in Köln tätige Zwangsarbeiter. Viele Patienten starben an ihren Erkrankungen oder Verletzungen, andere bei Bombenangriffen während des Krieges. Die Gedenkstätte befindet sich an der Stelle eines Massengrabes. Bei der Räumung des Lagers im April 1945 fielen zahlreiche Schüsse, es wurden Baracken in Brand gesetzt. Die Inschrift des Gedenksteins lautet: „Hier sind 74 sowjetische Bürger begraben, die während ihrer Gefangenschaft unter dem Faschismus in den Jahren 1941 bis 1945 ermordet wurden.“
Wie wichtig sind öffentliche Wald- und Grünflächen für dicht besiedelte Veedel wie Humboldt/Gremberg?
Extrem wichtig. Gerade im Sommer herrscht im Wald ein gemäßigtes Klima. Viele Menschen aus der Umgebung gehen hier spazieren und genießen die Natur mitten in der Stadt. Zudem trägt der Wald dazu bei, dass es sauberes Trinkwasser gibt. In Gremberg dient er außerdem der Lärmemission. Man hört die Autobahn, aber es wäre deutlich lauter ohne die Bäume mit ihrem dichten Blattwerk. Übrigens hat Köln mit 6000 Hektar Fläche den größten Waldbesitz aller Großstädte in Nordrhein-Westfalen. Im Vergleich: Düsseldorf kommt nur auf 2500 Hektar.
Was verbinden Sie persönlich mit Gremberg?
Durch den Job bin ich häufig im Veedel und fühle mich gut aufgenommen. Schön finde ich, dass im Rahmen des integrierten Stadtentwicklungskonzepts „Starke Veedel – Starkes Köln“ einige Flächen in Gremberg entsiegelt werden sollen. Zudem sind neue Wegeverbindungen in den Äußeren Grüngürtel geplant. Diese Maßnahmen werden das Veedel weiter aufwerten und als Lebensumfeld attraktiver machen.
STECKBRIEF
Das mag ich an Humboldt/Gremberg: Das Gremberger Wäldchen, weil es ein Stück Natur bietet, das mitten in der Großstadt nicht unbedingt zu erwarten ist. 75 Hektar – das ist viel Raum zum Entspannen und Verweilen im Grünen. Das ist verbesserungswürdig: Ich wünsche mir eine intensivere Aufklärung der Bürger, wie man sich im Wald verhalten darf. Das machen wir in unserer täglichen Arbeit, aber da sehe ich Verbesserungsbedarf. Lieblingsort in Humboldt/Gremberg: Ganz klar: das Wäldchen.
Zur Person
Jörn Anlauf, Jahrgang 1970, kam im Landkreis Wernigerode im Harz zur Welt. Nach dem Studium der Forstwirtschaft zog er 1999 nach Köln und arbeitet seitdem bei der Stadtforstverwaltung. Seit Dezember 2017 leitet er den Forstbetriebsbezirk rechtsrheinisch.