Nippes – Sophie Yukiko ist eine Poetry-Slammerin – eine Schriftstellerin, bei der das Gedichtete stark von Tonlage und Rhythmus lebt. „Beim Slam wird das Wort zum Klang“, sagt die Dichterin. Geschrieben habe sie schon immer, „aber vor meinem ersten Auftritt auf der Bühne musste ich stark an meiner Betonung arbeiten, meiner Art zu reden – an der ganzen Performance. Das war die nächste Ebene.“
Fulminant verknüpft
Sophie Yukiko ist gebürtige Kölnerin mit afroamerikanischen Wurzeln, eine „Herzblut-Nippeserin“, wie sie sagt. Sie studiert und verdient ihr „täglich Brot“ nebenher als Künstlerin – als freie Unternehmerin tanzt und modelt die 27-Jährige für verschiedene Auftraggeber. Daneben interessiert sich Yukiko vor allem für zwei Dinge: schwarze Musik und deutsche Sprache. Und diese beiden Leidenschaften verknüpft sie fulminant in ihren Gedichten und den dazugehörigen Auftritten auf den Poetry Slam-Bühnen der Stadt. „Ich bin ein 80er-Jahre-Kind, eine Tochter der amerikanischen Hip-Hop-Kultur“, sagt die 27-Jährige, „und Poetry Slam ist davon nicht weit von entfernt.“ Sie habe die Art zu dichten auch erstmals bei amerikanischen schwarzen Künstlern kennengelernt. „Alles steht und fällt mit dem Rhythmus und der Betonung“, sagt die Künstlerin – eine Parallele zu der Kunst vieler Musiker. So fühlt sich Yukiko heute, wo sie nicht mehr „nur ihre Notizbücher mit Gedichten vollschreibt“, sondern diese auch gekonnt live vertont, gleichermaßen als Schreiberin wie auch als Performerin: „Das sind zwei verschiedene Sachen, und ich würde keine Wertung abgeben wollen, was davon die anspruchsvollere ist.“ Die Slams hätten ihren Ursprung in amerikanischen Gospel-Songs: „Es ist ein Sprechgesang – die Reden von Martin Luther King etwa, da hört man es sogar auch raus.“ Es gehe jedoch nicht ausschließlich um amerikanischen Klang, sondern auch um die Texte – Bei Yukiko sind das deutsche – und die sind nicht unbedingt leichte Kost. Ein Eindruck, den die fröhliche Dame, die sich selbst als „Quatschnudel“ bezeichnet, nicht vermittelt.
So verarbeitet die Studentin in ihren gedichteten Texte auch persönliche Erlebnisse: „Meinen letzten klaren Gedanken/meinen letzten Funken Scharfsinn/ für dich gehe ich überall hin/bis in den Wahnsinn/Bis in den Irrsinn/bis ich nicht mehr da bin.“
„Manche Texte sind eins zu eins meine eigene Story – ich will das ungefiltert erzählen“, sagt Yukiko. „Vor meinem ersten Slam hatte ich eine schwierige Zeit, da waren die Texte besonders hart und direkt.“ Aber immerhin habe sie sich durch die Gedichte einen „Raum für die Wahrheit geschaffen“, so die 27-Jährige weiter. „Es hat etwas Khatarsis-artiges: Themen suche ich mir nicht aus, es passiert einfach.“ Aber sie habe oft das Gefühl, nicht nur ihre eigene, sondern die Geschichten vieler Frauen zu erzählen. „Es geht um Frauen – wann eine verletzt wird oder sich treubleibt“, sagt die Künstlerin. Comedy könne sie eben nicht. Auch, wenn ihre Texte nicht lustig sind – die Performances von Sophie Yukiko sind die einer modernen Frau, die sich selbstverwirklicht hat.
