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Freude über Baupläne – Angst vor Verkehr

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Auf einem Grundstück an der Siegburger Straße plant die GAG den Bau von 91 neuen Wohnungen und einer Tiefgarage.

Poll – Der Rat der Stadt hat ein Grundstück zwischen Siegburger Straße und Poller Damm an die GAG Immobilien AG verkauft. Das Unternehmen plant dort, direkt an der Siegburger Straße, den Bau von 91 geförderten Wohnungen und einer Tiefgarage. Damit scheint die seit über 20 Jahren geplante Bebauung auf dem Gebiet in greifbare Nähe zu rücken.

Schon 1994 hatte der Rat beschlossen, auf dem insgesamt rund sieben Hektar großen Gelände am Rande von Poll bis zu 250 neue Wohneinheiten zu bauen. Die Fläche, die in etwa so groß ist wie zehn Fußballfelder, ist in weiten Teilen bis heute freies Ackerland. Neben den Mehrfamilienhäusern der GAG sollen dort in den kommenden Jahren auch rund 120 Ein- und Zweifamilienhäuser und eine neue Kindertagesstätte errichtet werden.

Zuvor gelte es aber, noch einige Probleme zu lösen, sagt die Poller Bezirksvertreterin Marlies Meurer. „Wir haben von der Stadt immer noch keine vernünftige Verkehrsregelung aufgezeigt bekommen“, kritisiert die CDU-Politikerin. Schon heute sei die Siegburger Straße zu den Hauptverkehrszeiten oft völlig verstopft. Dann würden viele Pkw-Fahrer sogar über Schleichwege durch die Wohnstraßen von Alt-Poll ausweichen. „Die Verwaltung muss jetzt in Sachen Verkehr ihre Hausaufgaben machen “, sagt auch Simon Bujanowski. Denn wenn die Häuser erst mal stehen und noch mehr Bürger in das Viertel ziehen, sei es zu spät, so der SPD-Fraktionschef.

Politiker und Bürgervereine klagen, dass es für die vielbefahrene Siegburger Straße kein schlüssiges Verkehrskonzept gibt.

Davon ist auch Ute Ahn überzeugt. „Wenn da nichts gemacht wird, kommt es zu einem Kollaps“, prophezeit die Vorsitzende des Poller Bürgervereins. Denn auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind keine wirkliche Alternative. Die Bahnen der KVB-Linie 7 seien morgens schon jetzt häufig total überfüllt. „Ich erlebe oft, dass Schulkinder gar nicht in die Wagen einsteigen können“, berichtet Ahn. Viele Poller Kinder würden im benachbarten Deutz auf die weiterführende Schule gehen und seien auf die Bahn angewiesen.

Entlastung könnte da eine Buslinie über die Autobahnbrücke zwischen Poll und Rodenkirchen bringen. Einem entsprechenden Bürgerantrag, eingebracht von der Vernetzung der Porzer Bürgervereine, ist der Beschwerdeausschuss vor kurzem gefolgt. Darin wird die Verwaltung aufgefordert, eine solche Busverbindung bis zum Fahrplanwechsel 2020 einzurichten.

Für den Autoverkehr fordert Meurer eine Umgehungsstraße für Poll, etwa über die Porzer Ringstraße. Dazu gibt es aber noch keine konkreten Pläne oder gar Beschlüsse. Das Baugebiet am Poller Damm ist aber nicht das einzige, das in Zukunft für noch mehr Autos im Rechtsrheinischen sorgen wird. Nur wenige Kilometer weiter nördlich, im Deutzer Hafen, sollen sogar rund 3000 neue Wohnungen gebaut werden. „Da kommt viel Verkehr auf uns zu, denn der kürzeste Weg vom Deutzer Hafen auf die Autobahn 4 ist durch Poll“, sagt Simon Bujanowski, SPD-Fraktionschef. Und auch für diese zusätzlichen Autoströme gibt es keine zusätzlichen Wege.

Deshalb haben CDU, SPD, Grüne und FDP im April 2018 einen gemeinsamen Antrag verabschiedet, in dem sie eine ganze Reihe an zusätzlichen Verkehrsprojekten fordern. Viele davon stehen schon lange auf dem Wunschzettel der Politiker. So gibt es die Idee, um die Siegburger Straße als Stauquelle auch für den Stadtbahnverkehr zu umgehen, die für den Güterverkehr genutzte Hafentrasse für die Straßenbahnnutzung umzurüsten. Zwischen dem Deutzer Hafen und der Salmstraße teilt sich die Straßenbahn zurzeit die Fahrbahn mit den Autos und steckt bei Stau genau so fest wie die Pkw-Fahrer.

Trotz der ungelösten Verkehrsprobleme begrüßen aber sowohl die Politiker als auch die Bürgervereinsvorsitzende Ahn die geplanten neuen Wohnungen. „Die Art der Bebauung mit geförderten Wohnungen und Einfamilienhäusern ist gut und richtig“, so Ahn. Neben der Wohnfläche ist außerdem ein Gewerbegebiet für kleine und mittlere Unternehmen vorgesehen. Dort am südlichen Rand des Baugebietes in unmittelbarer Nähe zur Autobahn 4 sind unter anderem bereits ein Autohandel und ein Gartenbaubetrieb. Weitere Unternehmen sollen folgen.

Simon Bujanowski, SPD

Ute Ahn,

Bürgerverein Poll