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Gute Fahrt trotz Trennung der Linie 7

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Ensen-Westhoven/Poll – Die KVB haben damit begonnen, die Schieneninfrastruktur der Linie 7 zwischen den Haltestellen „Baumschulenweg“ und „Gilgaustraße“ zu erneuern. Die umfangreichen Arbeiten kosten rund 1,6 Millionen Euro und machen eine Trennung der Stadtbahn und einen Ersatzbus-Verkehr über fünf Wochen notwendig. Wie das klappt? Wir haben es getestet.

Von der Haltestelle „Porz Markt“ geht es los in Richtung Poll. Es ist 11.42 Uhr. Laut Plan kommt die Linie 7 aus Zündorf in einer Minute. Auf der digitalen Anzeige ein identisches Bild. Die Fahrgäste bringen sich in Position. Ist ihnen der Ticker auf der Anzeige aufgefallen? Die geänderten Fahrpläne in gelber Farbe in den Schaukästen?

Ein paar Minuten später wird es sich zeigen. Viel länger dauert die Fahrt nämlich nicht. „Steinstraße“, „Ensen Kloster“ – an der Gilgaustraße ist Schluss. Eine Stimme ertönt aus den Lautsprecherboxen: „Wir möchten Sie bitten, auszusteigen.“ Zuvor lief eine Fahrgastinformation vom Band. Die Buslinie 107 wird ab „Gilgaustraße“ übernehmen.

Die meisten Stadtbahnreisenden scheinen informiert, manch einer weiß von der Änderung aus der Zeitung, dem Internet oder eben vom Ticker der Digitalanzeige.

Ein junger Mann scheint von dem Prozedere, das die kommenden fünf Wochen gilt, nichts mitbekommen zu haben. Er war bis dato auch zu sehr damit beschäftigt, Hund, Smartphone, eine Getränkedose und seinen Mund-Nasen-Schutz unter einen Hut zu bekommen. Ein anderer Fahrgast macht ihn darauf aufmerksam, dass er aussteigen müsse. Ein kurzer Dank und schon trottet er den anderen hinterher. An der Haltestelle sind Infoschilder aufgestellt. Pfeile weisen den Weg und zwei Mitarbeiter der KVB stehen parat, wenn Hilfe nötig ist. Zur Betreuung der Kunden setzen die KVB insgesamt 14 Service-Mitarbeiter in drei Schichten ein.

Die Bus-Station ist nur wenige Meter entfernt. Die Linie 107 fährt die Kölner Straße und Siegburger Straße entlang bis zur Haltestelle „Poll Salmstraße“. Dort können die Fahrgäste wieder in die Linie 7 steigen und ihre Fahrt fortsetzen. Fünf Minuten dauert es, bis der Bus kommt und die Fahrgäste einsteigen. 15 Minuten haben die KVB eigentlich für die Strecke von rund 4,5 Kilometer eingeplant. Doch der Verkehr läuft flüssig, die Fahrt geht schnell voran. An den Haltestellen entlang des Weges steigen nur wenige Menschen aus oder ein.

An der Siegburger Straße kurz vor der Haltestelle Salmstraße, dort, wo die Linie 7 auf die Fahrbahn der Siegburger Straße wechselt, heißt es wieder aussteigen. Während der Bus seine Fahrt in die entgegengesetzte Richtung über die Straßen Am Schnellert und Poller Kirchweg fortsetzt, setzen die Gäste nach ein paar Metern Fußweg und etwas Wartezeit ihre Fahrt von der Salmstraße mit der Linie 7 normal fort. Sicherlich hat das ein paar Minuten länger als sonst gedauert, aber dennoch recht reibungslos funktioniert.

Bis 10. August erneuern die KVB die Schieneninfrastruktur zwischen Westhoven und Ensen. Auf einer Strecke von etwas mehr als einem Kilometer werden die Schienen, Schwellen und der Schotter ausgetauscht und der Gleisunterbau teilweise erneuert. Im Rahmen der Arbeiten werden auf einem Abschnitt von 500 Metern eine Kabeltrasse und auf etwa 300 Metern ein Trog zur Ableitung des Regenwassers ergänzt. Zudem werden die Gleisüberwege der André-Citroën-Straße und der Gilgaustraße saniert.

In Westhoven steht zudem eine Kampfmittelsondierung auf dem Plan – inklusive Entschärfung eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg, falls nötig. Dafür steht im Umfeld der Kölner Straße ein Zelt bereit – für bis zu 350 evakuierte Menschen. In Richtung Westhoven und Ensen soll es nun auch wieder mit der KVB gehen, von der Haltestelle „Raiffeisenstraße“ in Poll aus zunächst wieder mit der „7“. Der Bahnfahrer empfiehlt den Reisenden in Richtung Porz, an der Salmstraße in den Ersatzbus 107 umzusteigen, der hier auch ganz in der Nähe hält. Eigentlich fährt die „7“ während der fünf Wochen in Richtung Süden noch einen Halt weiter, bis sie getrennt wird, doch von dort, vom Baumschulenweg, sind es fünf Minuten Fußweg zur Ersatzhaltestelle der „107“ auf der Siegburger Straße.

Den guten Tipp des Fahrers nehmen viele an. Eine ältere Dame zeigt sich erleichtert. „Das ist schön. Ich bin ja nicht mehr so gut zu Fuß“, sagt sie lächelnd zu einer jüngeren Frau. Vier Personen bleiben in der Bahn sitzen. Ihre Fahrt wird an der nächsten Station enden. Vom Halt „Baumschulenweg“ aus geht es für den Bahnfahrer wieder zurück in Richtung Deutz und Kölner Innenstadt.

Alle anderen warten nun auf den Bus. Minuten später kommt er angebraust. Die Fahrt geht zurück nach Porz. An der Ersatzhaltestelle „Berliner Straße“ hilft der Busfahrer einem Mann im Rollstuhl aus dem Bus. Über eine Klappe kann er den Bus auf dem extra neu geteerten Boden der provisorischen Haltestelle problemlos verlassen. Ein anderer Mann blickt hinter seiner Maske versteckt, demonstrativ auf die Uhr, als wolle er sagen: „Ich muss den Anschluss bekommen.“ Doch für ihn wie auch für alle anderen besteht keine Hektik. Nur elf Minuten hat der Bus von Poll bis zur Gilgaustraße gebraucht.

Hier sind einige der Fahrgäste irritiert. Zu welcher Haltestelle müssen sie gehen? Für manche ist es direkt klar. Die anderen werden schnell von einer netten KVB-Mitarbeiterin in orangener Weste aufgeklärt und überqueren an der Ampel die Kölner Straße, um dort in die Linie 7 einzusteigen. Die fährt nun wieder rückwärts nach Süden, Richtung Porz Markt und bis zur Endhaltestelle Zündorf. www.kvb.koeln

Eine ältere Dame freut sich über den guten Rat des KVB-Fahrers