Die Große Porzer KG Rot-Weiß, gegründet 1926 aus einer Gesangsgruppe, feierte ihr 100-jähriges Bestehen mit einer Jubiläums-Matinee.
JubiläumErste Karnevalsgesellschaft in Köln-Porz wird 100 Jahre alt

Einen alten Tanz mit Paddeln geben das Kinder- und Jugendtanzcorps der Großen Porzer KG Rot-Weiß zum Besten.
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Mit goldenen Pompons bilden die Mini-Mäuschen die Zahl 100. Die jüngsten Tänzerinnen der Großen Porzer KG Rot-Weiß stehen zusammen mit dem Kinder- und Jugendtanzkorps auf der Bühne des Wahner Eltzhofs. Der ist festlich geschmückt, denn schließlich gibt es Großes zu feiern: 100 Jahre Große Porzer. Die erste dreistellige Karnevalsgesellschaft in Porz. Entsprechend stolz und auch ein bisschen nervös ist denn auch Bettina Reischl-Miskulin. Schließlich „mach ich ja nicht so oft hundert Jahre“, sagt die Präsidentin der KG bei der Jubiläums-Matinee.
Bei der gibt es eine Premiere. Die Tänzerinnen des Kinder- und Jugendtanzkorps der Großen Porzer KG Rut-Wieß tanzen mit Paddel auf der Bühne. Eine Premiere ist es aber nur für die Tänzerinnen von heute. „Mit dem Paddel haben wir auch schon getanzt“, sagt Hannelore Leusink. Sie ist seit 62 Jahren Mitglied der Gesellschaft.

Seit 60 und 62 Jahren sind Ilse Schaeling (l.) und Hennelore Leusink Mitglied bei der KG.
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100. Jubiläum: Wie die Rot‑Weißen einst entstanden
Hannelore Leusink ist nach eigener Aussage da hinein gewachsen. „Mein Opa war einer der Gründer“, sagt die 76-Jährige. Er war mit dabei, als sich aus der Gesangsgruppe „Schoonsreemer“ im August 1926 die Porzer Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß gründete.
Die Gründung fiel zusammen mit der Aufhebung des Verbots von kulturellen Veranstaltungen durch die alliierte Rheinlandbesetzung nach dem Ersten Weltkrieg. Bereits ein halbes Jahr nach der Gründung gab es im Januar 1927 die erste Sitzung unter der Leitung des damaligen Präsidenten Franz Brehm. Der Erfolg der Sitzung sei so überwältigend gewesen, dass sich die jge KG dazu entschloss, den Karnevalssonntag ganz groß herauszustellen. So wurde der erste öffentliche Karnevalszug in Porz in Form einer Prinzen-Kappenfahrt gestartet.

Ein Foto der KG aus alten Tagen.
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Ein Männertanzkorps wurde gegründet und am Elften im Elften 1928 gab es eine Fahnenweihe. Diese Fahne habe damals 400 Reichsmark gekostet, sagt Henk van Benthem. Der ehemalige Porzer Bezirksbürgermeister führte durch das Programm der Matinee und stellte ein paar historische Ereignisse der Gesellschaft heraus.
Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs hätten 1948 eine kleine Schar verbliebener Mitglieder „bei Dünnbier, Knollenschnaps und Erbsensuppe“ den Versuch unternommen, Rot-Weiß wieder ins Leben zu rufen, sagte van Benthem. Das gelang. Genauso wie die Neugründung eines Männertanzkorps. Das hatte mit der Einführung der Wehrpflicht das Problem, dass der Nachwuchs ausblieb. So wurde 1965 zunächst ein gemischtes, fünf Jahre später dann ein reines Mädchentanzcorps gegründet.
Dem gehörte auch Ilse Schaeling an. Der 86-Jährigen juckte es denn auch in den Füßen, als sie den Tanz mit dem Paddel bei der Matinee gesehen hat. „Da hätte ich am liebsten mitgetanzt“, sagt Schaeling, die seit 60 Jahren bei der Großen Porzer KG dabei ist. Durch ihren Mann ist sie zu der Gesellschaft gekommen.
Mit der haben Hannelore Leusink und Ilse Schaeling so Einiges erlebt. Die Fahrten nach Kelmis in Belgien zum Beispiel, wo sie selbst mit dem Tanzkorps aufgetreten sind. Mittlerweile haben sich die beiden aber aus der Vereinsarbeit zurückgezogen und den Kindern oder Enkelkindern das Feld überlassen, die Tradition und das Brauchtum fortzuführen.

