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Abrissarbeiten gestartetDechant-Scheben-Haus in Porz wird Stück für Stück abgetragen

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Abbruch Dechant-Scheben-Haus Porz

In der obersten Etage, wo früher das sogenannte Teehaus eingerichtet war, haben die Abbrucharbeiten begonnen.

Eine komplizierte Logistik und ein alter Mietvertrag verzögerten jahrelang den Abriss, der Platz für eine Umgestaltung der Bahnhofstraße macht.

Ein Gebäude inmitten weiterer Bebauung abzubrechen, kann durchaus komplizierter sein als ein Neubau. Bei der Niederlegung des Dechant-Scheben-Hauses (DSH) in Porz-Mitte stehen die Fachleute jedenfalls vor erheblichen planerischen und praktischen Herausforderungen. Das an die Pfarrkirche Sankt Josef angebaute und 1976 eingeweihte Gemeindezentrum ist seit Wochen umzäunt. Ein riesiger Kran mit 45 Meter Ausleger wurde aufgestellt und von oben her wird das massive Bauwerk jetzt zersägt und Stück für Stück abgetragen.

Wenn der über Jahrzehnte beliebte Treffpunkt für gemeindliche Aktivitäten, aber auch für Karnevalsveranstaltungen, Kulturabende und vielerlei weitere Nutzungen verschwunden ist, soll dort ein Freiraum entstehen, der in die Neugestaltung der Bahnhofstraße einbezogen wird. Der künftige Platz ist als Verbindung hin zur Neuen Porz Mitte gedacht, deren Bauwerke bereits in den vergangenen Jahren fertiggestellt worden sind.

Mietvertrag bremste Abriss jahrelang

Bis die Fachleute vom Abbruchunternehmen AVR aus Leverkusen mit architektonischer Begleitung des Büros Brück-Dürkopp aus Köln die ersten Stücke aus dem klotzigen Bau entfernen konnten, hatte die katholische Gemeinde Porz als Erbauerin und langjährige Besitzerin des Dechant-Scheben-Hauses einen weiten Weg zurückzulegen. Schon 2018 war der Verkauf an die Stadt Köln erfolgt, damit die Pläne zur kompletten Umgestaltung des ehemaligen Marktplatzes und dessen Umgebung umgesetzt werden konnten. Während die Wohn- und Geschäftsgebäude sowie das neue Gemeindezentrum „mittendrin“ aber schon wuchsen und bezugsfertig wurden, konnte das DSH jahrelang nicht abgebrochen werden. Die Deutsche Bank als Mieterin von Erdgeschoss-Räumlichkeiten beharrte auf ihrem bis 2026 laufenden Mietvertrag. Nach dem Auszug dieser und weiterer Mieter im Frühsommer wurden Haus und Umfeld auf die Abbrucharbeiten vorbereitet, berichtet Verwaltungsleiter Andreas Kondziella von der Katholischen Gemeinde.

Hauptanstrengung dabei war die Tatsache, dass nahe des Hauses kaum mit großem, schwerem Gerät gearbeitet werden kann. Zur Neubebauung der Porzer Mitte hin ist das wegen der darunter liegenden Tiefgarage nicht möglich, zur Bahnhofstraße hin steht eine mächtige alte Platane, die nicht beschädigt werden darf. So blieb für den riesigen Baukran nur eine abgezirkelte, neun mal neun Meter große Fläche. Von dort muss der Kran mit dem Ausleger jedes zerlegte Stück abtransportieren.

Komplizierter Abriss mitten in der Stadt

„Die Rückbaustatik inmitten der Stadt ist enorm kompliziert“, sagt Kondziella. Er verweist auf die Notwendigkeit, während der Arbeiten jeweils einzelne Elemente des Abbruchhauses gut abzustützen und anschließend die unterschiedlichen Materialien sachgerecht einer getrennten Entsorgung zuzuführen.

Die Arbeiten haben im obersten Stockwerk beim sogenannten Teehaus begonnen und liegen dem Verwaltungsleiter zufolge gut im Zeitplan. Mit dem kompletten Abschluss der Niederlegung werde Anfang kommenden Jahres gerechnet. Dann will die Gemeinde das Grundstück provisorisch geglättet der Stadt übergeben, damit die Pläne zur Umgestaltung der neuen Bahnhofstraße realisiert werden können. Zum Vertrag mit der Stadt gehört, dass die Gemeinde die Abbrucharbeiten beauftragt, die Stadt aber die Kosten dafür trägt.

Wenn das Haus verschwunden ist, braucht die Gemeinde eine neue Sakristei für die Pfarrkirche Sankt Josef, denn die bisherige Sakristei war in den Betonbau integriert. Der neue Anbau an die Pfarrkirche soll im Frühjahr beginnen und optisch eine Verbindung zwischen dem Kirchgebäude und den neuen Häusern darstellen.

Rund um die Kirche wird im Zuge der Bahnhofstraßen-Umgestaltung auch das einstige Straßenniveau wiederhergestellt. Mit der geplanten Absenkung des Kirchenumfeldes zur Bahnhofstraße hin werde ein barrierefreier Zugang zur Kirche ermöglicht, sagt Kondziella. Das Porzer Fastelovends-Plätzchen, auf dem bisher eine Bronzefigur der lokalen Karnevalsgröße „Strandbads Marie“ von Plaketten zahlreicher Porzer Karnevalsgesellschaften umringt wurde, ist schon abgebaut. Wo die eingelagerten Gegenstände später einmal einen Platz finden, stehe noch nicht fest.

An das Dechant-Scheben-Haus, unter dessen Dach fast ein halbes Jahrhundert lang Feste gefeiert, Diskussionen geführt, Kultur angeboten und ein vielfältiges gemeindliches Leben ermöglicht wurde, haben viele Menschen in Porz gute und sehr persönliche Erinnerungen. Das hat der Verwaltungsleiter bei vielen Gesprächen erfahren. Doch die durch den Abriss ermöglichte Umgestaltung der Porzer Fußgängerzone in Ergänzung der Neuen Mitte werde für die Bevölkerung „ein Riesengewinn“ sein, erwartet er.