Abo

Insolvenz drohtKrankenhaus in Köln-Porz benötigt sofort zehn Millionen Euro – Gespräche mit der Stadt

Lesezeit 3 Minuten
Das Krankenhaus Porz am Rhein.

Das Krankenhaus Porz am Rhein benötigt dringend finanzielle Unterstützung.

Das Krankenhaus in Porz benötigt dringend Geld, um eine Insolvenz abzuwenden. Auswirkungen auf die Patienten sind „nicht auszuschließen“.

Das Krankenhaus in Porz steht kurz vor der Insolvenz. Um das Schlimmste zu verhindern, arbeitet die Stadt daran, ein Darlehen zur Verfügung zu stellen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist womöglich eine Überweisung in Höhe von rund zehn Millionen Euro notwendig, um die Insolvenz abzuwenden.

Schon länger steckt das Krankenhaus in einer tiefen Krise. Ende März hatte das Kuratorium des Krankenhauses den bisherigen Geschäftsführer Arist Hartjes abberufen. Grund seien keine finanziellen Probleme, kommentierte der neue Interims-Geschäftsführer Marc Horlitz die Trennung damals. Es gebe unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung des Krankenhauses, sagte Horlitz.

Köln: Darlehen soll „Weichen für die Zukunftsfähigkeit stellen“

Inzwischen ist bekannt, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen der Personalie und der finanziellen Schieflage gibt. „Die wirtschaftliche Situation des Krankenhauses Porz am Rhein ist angespannt“, teilte die Geschäftsführung des Krankenhauses dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Dienstag mit. Zudem würden es die sich abzeichnenden Krankenhausreformen notwendig machen, „neue Perspektiven“ für das Krankenhaus zu entwickeln. „Dies waren auch die Hintergründe für die Änderungen in der Geschäftsführung“, räumte man nun, vier Wochen nach der Entscheidung, ein.

Aktuell laufen Abstimmungen zwischen dem Krankenhaus und der Verwaltung. Das Ziel: Kurzfristig soll die Zahlungsfähigkeit gesichert werden, gleichzeitig gelte es, „die Weichen für eine Zukunftsfähigkeit zu stellen“, heißt es von der Geschäftsführung. Konkret muss zunächst ein Darlehen durch die Stadt ermöglicht werden, sodass das Krankenhaus weiterhin arbeitsfähig ist. Um dieses zu ermöglichen, soll der Stadtrat in den kommenden Tagen einen entsprechenden Dringlichkeitsbeschluss fassen.

Kölner Gesundheitsdezernent: „Kann nichts ausschließen“ 

Einen Fragenkatalog des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zum Thema ließ die Geschäftsführung weitgehend unbeantwortet. Die verbleibende Zeit bis zur Zahlungsunfähigkeit teilte die Geschäftsführung ebenso wie die Höhe des Darlehens nicht mit. Auch die Frage, ob sich durch die finanziellen Schieflagen unmittelbare Auswirkungen für die Behandlung oder Aufnahme von Patientinnen und Patienten ergeben, ließ die Geschäftsführung unbeantwortet.

Der Kölner Gesundheitsdezernent Harald Rau, der für die Verwaltung an den Krisensitzungen teilnimmt, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit Blick auf mögliche Auswirkungen auf die Patienten: „Ausschließen kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts.“ Es sei jedoch „eher unwahrscheinlich“, dass die Behandlungen von der aktuellen Situation beeinflusst werden. Rau sitzt im Kuratorium des Krankenhauses und hat die Trennung von Arist Hartjes mitentschieden.

Köln-Porz: Geschichte des Krankenhauses spielt eine Rolle

Auch Ralf Unna (Grüne), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, ist Teil des Kuratoriums. Er hält ein Darlehen der Stadt für notwendig. „Das Porzer Krankenhaus ist für die Versorgung der Patienten im Rechtsrheinischen unersetzlich“, sagte Unna. „Es steckt in akuten Schwierigkeiten, die Situation ist angespannt. Wir brauchen die Stadt, um diese Schwierigkeiten zu lösen. Und wir werden hier zeitnah eine gute Lösung finden“, so sein Versprechen. Einen Zuschuss durch die Stadt schloss er aus. Geplant ist ein Darlehen zu marktüblichen Konditionen.

Dass die Stadt offenbar kurz davor steht, dem Krankenhaus kurzfristig rund zehn Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, hängt auch mit der Geschichte des Hauses zusammen. Das Haus wurde ab 1963 gebaut, Träger war von Anfang an die Stiftung, in der Porzer Politiker vertreten waren. Durch die Eingemeindung von Porz nach Köln im Jahr 1975 übernahmen Kölner Politiker und Verwaltungsangestellte die Aufgaben, weshalb Rau und Unna auch heute Einfluss auf das Krankenhaus haben. Ob es sich jedoch juristisch um eine kommunale Stiftung handelt, ist umstritten. Sollte dies der Fall sein, wäre die Stadt Köln durch den Eingemeindungsvertrag verpflichtet, das Krankenhaus im Notfall finanziell zu unterstützen.

Das Haus bietet nach eigenen Angaben eine „gehobene Regelversorgung“ mit 420 Betten. Diese sind im Bedarfsplan des Landes Nordrhein-Westfalen hinterlegt. Außerdem fungiert es als Lehrkrankenhaus der Uni Köln. Das Krankenhaus deckt ein Einzugsgebiet von rund 12.0000 Personen ab, angestellt sind dort rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Pro Jahr werden in dem Porzer Krankenhaus rund 22.500 stationäre Patienten und 34.000 ambulante Patienten versorgt.

KStA abonnieren