„Schwerer Rückschlag”Warum sich die neue Porzer Mitte deutlich verzögern könnte

Das Dechant-Scheben-Haus (M.) grenzt direkt an die Kirche St. Josef und soll abgerissen werden.
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- Die neue Porzer Mitte könnte sich deutlich verzögern. Die Großbaustelle im Herzen des Stadtbezirks würde dann noch deutlich länger bestehen. Die Lokalpolitiker sind verärgert darüber.
- Lesen Sie hier die Hintergründe.
Porz – Bei der neuen Mitte in Porz könnte es zu einer unerwarteten, langen Verzögerung kommen.
Denn möglicherweise wird das Dechant-Scheben-Haus erst im Jahr 2027 abgebrochen, das teilte die Verwaltung auf Anfrage schriftlich mit. Der Abbruch des Gebäudes könne erst nach Beendigung eines noch bestehenden Mietvertrages erfolgen, heißt es in der Antwort des zuständigen Amtes für Gebäudewirtschaft. „Der Mietvertrag beinhaltet eine Verlängerungsoption bis 2027“, lautet es wörtlich in dem Schreiben. Alle Beteiligten bemühten sich aber um alternative Räumlichkeiten, damit eine frühere Räumung und damit auch der Abbruch des Gebäudes ermöglicht werden könne. Wer der Mieter ist, teilte die Verwaltung nicht mit.
Bis jetzt hatte die Verwaltung stets einen Abbruch des Hauses 2022/23 in Aussicht gestellt. Dann nämlich, wenn die Bauarbeiten am letzten der drei neuen Häuser am Friedrich-Ebert-Platz abgeschlossen sein sollen. „Das grenzt an Wortbruch“, sagt SPD-Fraktionschef Simon Bujanowski und fordert die Verwaltung auf, die Zusagen einzuhalten. Auch der Fraktionsvorsitzende der CDU, Werner Marx, beruft sich auf die Aussagen der Verwaltung: „Ich gehe davon aus, dass die Option nicht gezogen wird und die Verwaltung alles dafür tut, dass der Abbruch des Gebäudes nicht erst in sieben Jahren erfolgt.“ Man werde den Prozess in jedem Fall genau beobachten und gegebenenfalls eingreifen, so der CDU-Politiker. „Wenn sich der Abbruch tatsächlich um Jahre verzögert, wäre das ein schwerer Rückschlag für die Revitalisierung der Porzer Mitte,“ mahnt SPD-Mann Bujanowski.
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Im Porzer Zentrum plant und baut die städtische Tochtergesellschaft Moderne Stadt die sogenannte Neue Porzer Mitte. Dafür hat die Stadt das ehemalige Hertie-Kaufhaus am Friedrich-Ebert-Platz 2014 erworben und 2018 abgebrochen. Zuvor stand das riesige mehrstöckige Gebäude jahrelang leer und war zum Schandfleck in der Porzer Innenstadt verkommen.
An gleicher Stelle entstehen nun drei neue Gebäude. Haus 1 baut die Moderne Stadt selber, der Bau soll 2021 fertig sein. Die Häuser 2 und 3 bauen das Unternehmen Sahle Wohnen und die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft. Zurzeit werden die Bauanträge für die beiden Häuser von der Verwaltung geprüft. Die Bauarbeiten sollen aber noch in diesem Jahr beginnen und ungefähr zwei Jahre dauern. Im Anschluss sollte dann das Dechant-Scheben-Haus fallen.
Ziel war und ist es die Kirche St. Josef freizustellen und eine Art zentralen Marktplatz an dem Gotteshaus in der Porzer Innenstadt zu schaffen. Das Dechant-Scheben-Haus schließt direkt an die Kirche an und dient unter anderem der katholischen Gemeinde als Versammlungsort. Lange hatte die Stadt mit der Gemeinde St. Josef, vormalige Eigentümerin des Gebäudes, über den Verkauf der Immobilie verhandelt. Streitpunkt zwischen den Parteien waren vor allem Kaufpreis und Ablauf des Abbruches. Ende 2018 wurde man sich schließlich einig. Das alte Gebäude soll erst abgebrochen werden, wenn das letzte der drei neuen Häuser fertig ist. Der Grund: Die Kirchengemeinde wird ihre neuen Versammlungsräume in dem sogenannten Haus 3 bekommen. Zurzeit sind diese im Dechant-Scheben-Haus. Ein früher Abbruch des Gebäudes hätte ein Ausweichquartier für die Gläubigen nötig gemacht. Dieses wollte oder konnte aber niemand finanzieren. Nun sieht es so aus, als könnte das ungeliebte Gebäude noch viele Jahre länger erhalten bleiben.



