NachtreportageZusteller kennt Zündorfer wie vermutlich niemand sonst

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Luedigk morgens vor einem Briefkasten

Dieter Luedigk arbeitet seit Jahrzehnten als Zusteller und schätzt die morgendliche Bewegung. Er kennt in seinem Bezirk jeden Briefkasten.

Dieter Luedigk ist seit 30 Jahren morgens unterwegs – als etwas anders ist als sonst, schreitet er ein.

Drei Zimmer im Reihenhaus waren hell erleuchtet, das war ungewöhnlich, freitags um kurz nach zwei Uhr in der Frühe. Der Lichtschein fiel durch die Fenster auf die Straße. Dieter Luedigk ist jemand, dem so etwas auffällt, wenn er auf seiner Zeitungs-Zustellrunde durch nächtlich dunkle Straßen geht. Am Samstagmorgen waren dieselben Fenster hell, und als das am Montagmorgen unverändert war, ahnte der erfahrene Zusteller, dass mit dem dort alleinlebenden Hausbewohner etwas nicht in Ordnung sein könnte.

Dieter Luedigk und sein Bruder, der ihn in dieser Nacht begleitete, spähten durch ein Fenster und sahen einen reglos am Boden liegenden Menschen. Sie wählten den Notruf, Polizei und Rettungsdienst verschafften sich Zutritt ins Haus und brachten den geschwächten Bewohner ins Krankenhaus. „Wie Nachbarn berichtet haben, liegt der Mann jetzt immer noch bewusstlos in einer Spezialklinik“, sagt Luedigk mit Bedauern. Der Vorfall beschäftigt den Zeitungszusteller, fürchtet er doch, „dass wir so etwas angesichts der zunehmenden Vereinsamung in der Gesellschaft häufiger erleben werden“.

Köln-Zündorf: Zusteller kann sich Leben ohne diese Arbeit nicht vorstellen

Umso wichtiger findet Luedigk es, bei seinen allnächtlichen Touren durch zwei Zündorfer Zustellbezirke aufmerksam für Veränderungen zu sein. Dafür hat der 63-Jährige meist den Kopf frei, denn seine Zustellrunde kennt er in- und auswendig. Wo welcher Briefkasten ist, durch welche Vorgärten es zu einem überdachten Ablageplatz geht, wo die Zeitung nicht in den schmalen Briefschlitz passt, wohl aber gleich daneben zwischen Hauswand und Regen-Fallrohr, das weiß er. Der Informatiker nutzt seit seinen Studententagen die morgendliche Bewegung als Ausgleich zum Sitzen vor Computerbildschirmen.

„Ein Leben ohne dies kann ich mir nicht vorstellen“, beteuert er. 30 Jahre versicherungspflichtige Arbeit als Zusteller hat er geleistet, und auch davor war er schon phasenweise mit Zeitungstaschen unterwegs. Vieles habe sich in den Jahrzehnten geändert, berichtet Luedigk. Das gute Gefühl, das er jeden Morgen nach absolvierter Runde hat, sei aber geblieben. Dass jemand so lange diesem Job treu bleibt, ist eher selten und hat viel mit Luedigks Wesen zu tun. „Ich kann sehr gut allein sein“, sagt er, „und Zuverlässigkeit spielt in meinem Leben eine große Rolle.“ So hat sich der drahtig wirkende Mann in all den Jahren kaum Fehltage gestattet. „Manchmal bin ich mit so schlimmen Rückenschmerzen auf Tour gegangen, dass ich mich kaum aus dem Auto hieven konnte. Aber wenn ich dann laufe, dann geht’s“, sagt Luedigk mit einem kleinen Lachen.

Ein einziges Mal fiel die Tour aus

Nur einmal, während eines Druckerstreiks, sei die Samstags-Zeitung erst so spät vormittags am Abholort gewesen, dass er seine Tour nicht gegangen sei. „Ich hatte ein Wochenende mit meiner Freundin geplant und wollte nicht absagen“, erinnert er sich. Mit dem Bereichsleiter habe er das geklärt und die Zeitungen am Montag nachgeliefert. Täglich um zwei Uhr früh fährt Luedigk mit seinem kleinen Auto am Edeka-Eingang vor, wo für ihn und weitere Zusteller die in Folie gehüllten Zeitungsbündel mit der Tourennummer abgelegt sind. Er trägt die Bündel ins Auto und sortiert sie. Stadt-Anzeiger, Rundschau, Express, TAZ, Frankfurter – all diese Titel trägt er aus und weiß auswendig, welche Zeitung wohin gehört.

Ein paar Straßen weiter parkt er das Auto, packt für seine erste Runde Zeitungen und Zeitschriften in seine Zusteller-Tasche und schließt leise die Fahrertür. „Einen Zusteller soll man nicht sehen und nicht hören“, sagt Luedigk. Die Tour durch zwei Zündorfer Zustellbezirke, bei der er 120 Abonnenten bedient, ist nicht immer so angenehm wie in dieser mondhellen Aprilnacht. Wenn im Winter Kälte und Nässe durch die Kleidung kriechen, die Finger klamm sind und die Zeitungen schon auf dem Weg in den Briefkasten nass werden, kostet das Überwindung. Man gewöhne sich aber daran, versichert er, Erkältungen hole er sich so gut wie nie.

Zusteller traf schon Tatverdächtigen direkt nach Gespräch mit der Polizei

Seinen Tagesablauf stimmt der Informatiker auf den frühen Arbeitsbeginn ab. Nach Ende der Runde arbeitet er zu Hause eine Weile am Computer, dann folgt die Schlafphase, bevor er am späten Nachmittag wieder in den Tag einsteigt. Zwar schätzt Luedigk das Alleinsein bei seinen Gängen mit der schweren Zeitungstasche. Schön sei es aber auch, wenn ihn seinen Bruder begleite, sagt er. Der kommt oft von der Nachtschicht, wenn Luedigk mit der Arbeit beginnt, und geht dann eine Runde mit ihm. Dabei haben die beiden schon allerlei erlebt. Luedigk erinnert sich an einen Polizeieinsatz, bei dem sie nach einer verdächtigen Person befragt worden seien.

Kaum war die Polizei verschwunden, begegnete ihnen just der beschriebene Mann, der nicht so ausgesehen habe, als sei mit ihm gut Kirschen essen. Eher unterhaltsam fand Luedigk es, als während einer Baustellensperrung einmal ein Gelenkbusfahrer glaubte, in einer Anliegerstraße eine Abkürzung gefunden zu haben. Leider handelte es sich um eine Sackgasse. Das gab ein schwieriges Manövrieren. Den digitalen Wandel hat Dieter Luedigk über die Jahrzehnte deutlich gespürt. „Immer mehr Menschen holen sich ihre Informationen online“, sagt er und denkt zurück an Zeiten, als er in einem Zustellbezirk morgens mehr als 380 Zeitungen in die Kästen gesteckt hat.

Menschen dankbar für gebrachte Zeitung aus Papier

Eine Zeitung aus Papier ist für ihn aber unvergleichlich, und seine Kunden sehen das ebenso. Wie froh sie darüber sind, dass die Tageszeitung sechsmal in der Woche verlässlich da ist, lassen manche Abonnenten ihren Zusteller auch spüren. Am Ende der heutigen Runde ist Luedigks Zeitungstasche leer, dafür baumelt am Arm eine kleine Geschenktüte mit einem österlichen Dankeschön.


So werden Sie Zustellerin oder Zusteller

Dass Sie diese Zeilen in den Händen halten, daran haben ganz viele Personen ihren Anteil. Ein besonders wichtiges Rad im Getriebe der Medienbranche sind die Zustellerinnen und Zusteller, die an sechs Tagen in der Woche bei Wind und Wetter dafür sorgen, dass Sie den „Kölner Stadt-Anzeiger“, die Kölnische Rundschau oder den EXPRESS früh am Morgen in Ihrem Briefkasten finden.

Doch der Arbeitskräftemangel geht auch nicht an unserer Branche vorbei, in vielen Bezirken des Verbreitungsgebiets fehlen Menschen, die die Zeitungen zu unseren Kunden, zu Ihnen bringen. Vielleicht haben Sie Lust ein Teil unseres Teams zu werden? Oder Sie kennen jemanden, der gerne früh aufsteht und ebenso gerne an der frischen Luft unterwegs ist? Wir bieten unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle, 28 Tage bezahlter Urlaub (auch für Minijobber), Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bis zu 25 Prozent steuerfreien Nachtzuschlag. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, Mindestalter ist 18 Jahre.

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