Nippes/Neuehrenfeld – Dass Provisorien in Köln auch schon mal ein wenig länger halten, dürfte bekannt sein. Das gilt jedoch nicht nur für den „Musical Dome“ oder die Opern- und Schauspiel-Interimsbühnen, sondern auch bei den Kitas. Mittlerweile fast sechs Jahre steht ein Container-Kindergarten am Rande des Lis-Böhle-Parks im Inneren Grüngürtel, Ecke Niehler Straße/Auerstraße. Zwischen 2013 und 2015 diente er als Ausweichstätte für die katholische Kita St. Agnes an der Stormstraße im Agnesviertel, die damals abgebrochen und neu gebaut worden war. Als die Kita im Herbst 2015 in ihr frisch errichtetes Gebäude zurück gezogen war, nutzte die Stadt die Container als eigenes Ersatzquartier weiter.
Ihre zwei Kindergärten im Nippeser Sechzigveedel, Zonser Straße 1a und die direkt gegenüber liegende Kita Merheimer Platz 20 – zwei Altgebäude aus den 1970er-Jahren –, sollen ebenfalls abgebrochen werden. Nach den immer noch aktuellen Plänen soll auf dem Areal Zonser Straße 1a ein größeres Gebäude für beide Einrichtungen gebaut werden, erstellt von einem Investor per Erbbauvertrag und Vermietung des fertigen Gebäudes an die Stadt. Die Kinder vom Merheimer Platz zogen für die Zeit von Planung, Abbruch und Neubau in die Container am Lis-Böhle-Park ein, die Gruppen aus der Zonser Straße 1a zogen 2016 in ein weiteres Modul-Gebäude an der Hans-Wild-Straße 29 in Neuehrenfeld.
Einst sollte das Provisorium nur zwei Jahre andauern. Doch immer noch ist kein verbindlicher Termin für den Start der Arbeiten in Sicht. Während das Gebäude Merheimer Platz 20a im „Dornröschenschlaf“ liegt, dient die Zonser Straße 1a übergangsweise als Filmset; dort wird die Comedy-Serie „Andere Eltern“ über eine fiktive Eltern-Initiative gedreht, die eine Kita nach den eigenen, freilich etwas überdrehten Vorstellungen eröffnet hat.
Bei einigen derzeitigen und ehemaligen (echten) Kita-Eltern regt sich inzwischen Unmut. „Meine eigene Tochter ist mittlerweile in der Grundschule. Trotzdem ärgert es mich jedes Mal, wenn ich an der Zonser Straße vorbei fahre und sehen muss, dass noch immer kein Spatenstich getan wurde“, meint ein Vater, der im Agnesviertel nahe der Grenze zu Nippes wohnt und seinen Namen nicht in der Zeitung gedruckt sehen will.
Der Weg zur provisorischen Kita sei für ihn viel länger, das Außengelände weniger schön und schlechter ausgestattet. Außerdem komme es ihm vor, dass seit dem Umzug das Personal häufiger wechsle. „Ich finde es natürlich gut, wenn die Kita-Architektur auf modernen Stand gebracht wird. Aber wir Eltern und die Kinder waren insgesamt sehr glücklich mit und in der alten Kita.“ Er hält den Umzug für übereilt, da ja ohnehin noch nichts auf dem Areal passiert sei.
Man habe leider länger für die Gespräche mit den Interessenten gebraucht, heißt es bei der Stadt. Für Erbbau- und Mietvertrag habe es eine Ausschreibung gegeben. Inzwischen sei ein Partner gefunden. „Aktuell laufen die finalen Gespräche zwischen ihm und der Stadt Köln zum Inhalt des Miet- und des Erbbauvertrages“, so Sprecher Jürgen Müllenberg. Wann diese allerdings abgeschlossen seien, könne man noch nicht sagen – und somit noch keinen genauen Termin für Abbruch und Neubau. Jedoch: „Die Container im Lis-Böhle-Park werden abgebaut, nachdem der Neubau an der Zonser Straße bezugsfertig ist“, bestätigt er.