Abo

Prominenz ist kein Kriterium

3 min

Klettenberg – . Wenn Kurt Gerhardt und Karl-Heinz Paulus sich unterhalten, dann rauschen Geschichten aus fast zehn Jahren durch durch das Gespräch. „Deine Liste kann nicht stimmen, Karl-Heinz. Das Interview mit der Buchhändlerin Nora Ruland kann doch nicht schon sechs Jahre her sein“, starrt Gerhardt verblüfft auf die Übersicht, die Paulus ihm gegeben hat.

Seit 2009 ist Kurt Gerhardt, ehemals Moderator des WDR-Mittagsmagazins, in ähnlicher Funktion im Brunosaal in Klettenberg tätig. Mit dem Unterschied, dass er inzwischen 75 Jahre alt und in Pension ist. Und aus jahrelanger Berufserfahrung weiß: „Es gibt drei Arten, sich auf Interviews vorzubereiten: „Null zum einen, Lesen zum anderen, mit Leuten telefonieren, die den Interviewpartner kennen, zum dritten.“

Beim Format „Sülz-Klettenberger Köpfe“ können die Menschen im Brunosaal Bewohner ihres Veedels kennenlernen. Durchschnittlich dreimal pro Jahr lädt der entsprechende Arbeitskreis der katholischen Kirchengemeinde St. Bruno einen Gast ein, der von Gerhardt befragt wird. Das Publikum hört in entspannter Café-Atmosphäre zu. „Das haben wir uns ein bisschen von den Talkshow-Formaten aus dem Fernsehen abgeschaut“, lacht Karl-Heinz-Paulus, der Teil des Teams ist, das die Veranstaltungen organisiert, „nur dass es bei uns eher eine Bildungsveranstaltung im gemütlichen Rahmen ist.“

Weiterer Unterschied: Statt fünf Gästen, die hitzig diskutieren, liegt der Fokus auf einem Gesprächspartner – zu Besuch waren bislang unter anderem Dr. Klaus Hardering als Leiter des Dombauarchivs, Daniel „Dän“ Dickopf von den „Wise Guys“ sowie Jost Mazuch, evangelischer Pfarrer von Klettenberg. Während des zweistündigen Formats mit anschließender Fragerunde kann es auch schon mal sehr privat werden.

Eine Absprache mit dem Interviewpartner vorher will Kurt Gerhardt nicht. „Ich komme immer ganz knapp vorher und will ohne Publikum möglichst nicht mit dem Gast reden – sonst ist für die eigentliche Veranstaltung schon die Luft raus.“ Mit Ausnahme von heiklen Gesprächsthemen. „Da frage ich dann, ob ich sie darauf ansprechen darf.“

Dass man sich gegenseitig besser kennt und der Zusammenhalt im Veedel durch die „Sülz-Klettenberger-Köpfe“ gestärkt wird, das war 2009 die Intention, als das Projekt ins Leben gerufen wurde. „Ob dieser Zweck erreicht wird, vermag ich nicht zu sagen“, so Paulus, „aber man ist doch nach jedem Gespräch überrascht, was für Geschichten hinter den Menschen stecken.“ Gerhardt ergänzt: „Darin liegt der Reiz, das aus ihnen heraus zu kitzeln.“

Ob bekannte Seelen des Veedels oder doch eher Menschen, die niemand zu kennen scheint – den Veranstaltern geht es um Abwechslung. Oft haben die Gäste, die auf den schwarzen Sesseln neben Kurt Gerhardt Platz nehmen, einen kirchlichen Bezug, sind beispielsweise Mitglieder des Seelsorgebereichs. „Es geht aber ebenso um gesellschaftliche Felder, wie Gesundheits- und Sozialwesen, die Wissenschaft und Kultur.“

Im Sülz-Klettenberger Viertel – laut Gerhardt und Paulus wegen der naheliegenden Universität ohnehin stark akademisch geprägt – stoße man mit dem Format auf Zuspruch, „zur Hälfte besteht der Besucherkreis aus Stammgästen“. Freuen würden sie sich trotzdem über Neugierige aus anderen Stadtteilen: „Kriterium ist nur eins bei unseren Interviewgästen, dass sie in Klettenberg oder Sülz wohnen sollen“, sind sich Kurt Gerhardt und Karl-Heinz Paulus einig.

Karl-Heinz Paulus

Moderator