Köln – Unterschiedlicher können Zeugenaussagen nicht sein als jene, die am Donnerstag im Totschlagsprozess vor dem Landgericht für irritierte Mienen im Saal sorgten.
Eine Arbeitskollegin und seine Ex-Freundin beschrieben den Charakter des 35 Jahre alten Angeklagten, der bereits gestanden hat, im November 2016 seinen drei Jahre jüngeren Bruder erwürgt zu haben, als ob er zwei Gesichter hätte. „Absolut zuverlässig, kollegial, freundlich, stets hilfsbereit und nett“, stimmte seine ehemalige Vorgesetzte das Loblied auf ihren früheren Mitarbeiter im Call-Center an.
„Wir vermissen ihn sehr“, sagt die mütterlich wirkende 43-Jährige, die es sich nicht nehmen lässt, dem Angeklagten beim Verlassen des Saals herzlich „alles Gute“ zuzuraunen. Brian S. (alle Namen geändert) habe insbesondere zu schwierigen Kunden „einen wunderbaren Draht gehabt“ und dabei „deeskalierend Einfluss genommen“. Er sei stets „ruhig und freundlich geblieben“.
Kollegen schätzten den Angeklagten sehr
Auch im Kollegenkreis gab es offensichtlich nie Beanstandungen: „Ich kann nur positives berichten. Wir konnten immer auf ihn zählen.“ Gerade mal ein Jahr gehörte Brian S. zum Team, da sollte er bereits aufgrund seiner Qualifikation befördert werden: „Er war so gut, machte keine Fehler.“ Als sie ihn beschreiben sollte, fielen der Ex-Vorgesetzten ebenfalls nur positive Eigenschaften auf: „Er war absolut lustig, offen, wir haben ihn als Mitarbeiter und Kollegen sehr geschätzt.“
Ganz anders hingegen äußerte sich Tina S. (35), die Jugendliebe des Angeklagten, die beiden haben einen inzwischen 15 Jahre alten Sohn. Eher scheu und zurückhaltend beschrieb die gelernte Hebamme ihre gemeinsame Zeit mit Brian S., die sie „On/Off-Beziehung“ nannte. Immer wieder habe er sich nach der Geburt des Sohnes von ihr getrennt, ohne einen Grund zu nennen. Streit zwischen dem Paar – beide hatten wegen unterschiedlicher psychischer Probleme Therapie-Erfahrung – habe es zwar hin und wieder gegeben, allerdings sei dieser „verbal-sachlich“ und nie körperlich-aggressiv gewesen.
Todesdrohungen an die Ex-Freundin per E-Mail
Nur als es nach der endgültigen Trennung um das Umgangsrecht des Sohnes ging, habe Brian S. deutliche Worte gesprochen: „Ich bring dich um, wenn Du mir das Kind wegnimmst“, habe er ihr gedroht, als es zum Gerichtsverfahren um das Sorgerecht ging. Tina S. bescheinigte ihrem Ex-Partner Verhaltensauffälligkeiten: „Er brauchte keinen Grund, um sauer zu sein“. Nach einem Streit habe er drei Wochen nicht mit ihr gesprochen. „Er gab immer anderen die Schuld – egal, ob für eine gescheiterte Beziehung oder irgendeinen Misserfolg. Verantwortung für sein Handeln hat er jedenfalls nicht übernommen.“
Weil der Angeklagte Tina B. wiederholt mit dem Tod gedroht haben soll und das auch schriftlich tat, will das Gericht jetzt den gesamten E-Mail-Verkehr der beiden einsehen, um sich ein Bild zu machen, wie diese Drohungen einzuordnen sind.
