- Jan T. verfolgte die Frauen bis in den Hausflur und bedrängte sie massiv.
- Als Erklärung für seine Taten führte er Drogenkonsum an.
- Der Angeklagte betrachtet sich selbst als „Softie“. Einen Hang zu gewalttätiger Sexualität verneinte er.
Köln – „Ich wollte sie nur ein bisschen begrapschen, mehr wollte ich nicht“, sagte Jan T. am Donnerstag zum ersten Anklagevorwurf in dem Prozess, der ihm vor dem Landgericht wegen sexueller Straftaten, Körperverletzung und kleinerer Drogendelikte gemacht wird.
Am frühen Morgen des 14. Juli 2019 sprach er im Vorhof eines Hauses in Sülz, in dem psychisch kranke Frauen leben, eine Bewohnerin an, drängte sich mit ihr in den Hausflur und stieß sie im Tumult, den ihre Gegenwehr auslöste, die Treppe zum Keller hinunter. Mehrmals umarmte und küsste er sie. Als die Bewohnerin schließlich auf dem Boden lag, zog Jan T. (Name geändert) ihr die Leggins hinunter. Neben der Frau kniend, habe Jan T. ihr an den Busen gegriffen, sagte die Verteidigerin.
Die Leiterin der Einrichtung, die durch den Lärm aufmerksam geworden war, erschien ihm Keller. Sie will gesehen haben, dass Jan T. der Frau auch den Slip heruntergestreift hatte und auf ihr lag, mit dem Kopf in Richtung ihrer Füße. Kaum war die Zeugin aufgetaucht, suchte er das Weite.
Zum zweiten Vorwurf der Anklage sagte der 37-Jährige ähnlich wie zum ersten, er habe „Aufmerksamkeit“ gesucht. „Es war ein blöder Ansatz.“ Er hätte sich denken können, dass es sehr unwahrscheinlich sei, auf solche Art bei Frauen etwas zu „erreichen“. Am 5. April dieses Jahres folgte er einer Frau, die er in einer Bäckerei in Weidenpesch beobachtet hatte, zu einem Mehrfamilienhaus. Er gab sich als Bewohner aus und ging mit ihr hinein. Sein Ziel sei gewesen, die Frau „notfalls“ gewaltsam zum Sex zu zwingen, heißt es in der Anklage.
Drogenkonsum durchzieht sein Leben
Vor dem Fahrstuhl habe er ihr ans Gesäß gefasst. Dann habe er ihren Oberkörper umklammert, sie zu Fall gebracht und ihren Kopf, am Pferdeschwanz ziehend, zwei oder drei Mal gegen die Aufzugstüre geschlagen. Als die Frau hinter der gläsernen Eingangstür jemanden vorbeigehen sah, rief sie um Hilfe. Jan T. flüchtete auf dem Fahrrad.
Seine Anwältin stellte das Geschehen etwas anders dar: Erst als die Frau versucht habe, Jan T. „in die Weichteile zu treten“, habe er sie in den Schwitzkasten genommen; im Gerangel seien sie zwei Mal „gegen die Wand geknallt“ und hingefallen. „Ich war ein paar Tage auf Speed“, sagte der Angeklagte zum zweiten Vorwurf. Und vor dem ersten Übergriff habe er „die Nacht durchgemacht“.
Drogenkonsum durchzieht sein Leben, vor allem der Konsum von Amphetamin und Ecstasy. Allerdings hat er es nach seinen Angaben geschafft, knapp vier Jahre clean zu bleiben – bis er Anfang 2019 rückfällig wurde. Zum Schluss hatte der gelernte Industriemechaniker weder Arbeit noch Wohnung.
Jan T. sieht sich als „Softie“
Ob er einen Hang zu gewalttätiger Sexualität habe, fragte ihn Benjamin Roellenbleck, Vorsitzender der 13. Großen Strafkammer. „Ich bin eher der Softie“, antwortete Jan W. Zur Sprache kamen in dem Zusammenhang länger zurückliegende Straftaten mit sexuellem Hintergrund, für die er verurteilt worden ist. „Daran kann ich mich nicht erinnern“, sagte er.
Welche Rolle spielte bei allem die enthemmende Wirkung von Drogen? Jan W. sagte, er sei bereit, in einer Entziehungsanstalt untergebracht zu werden. Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage vorgesehen.
