Köln – Bis zum Ende des Prozesses blieb Maciej G. dabei: „Die Polizei lügt.“ Am Montag musste sich der 39-Jährige, der vor einem Monat seine Arbeit als Maler und Lackierer verloren hat, vor dem Amtsgericht wegen Widerstands und zweifacher Beleidigung verantworten. Nur zum Teil räumte er die Strafvorwürfe ein. Doch die Richterin sah sämtliche Anklagepunkte als erwiesen an und verurteilte ihn zu 800 Euro Geldstrafe.
Was Maciej G. (Name geändert) trotz eingeschränkter Erinnerung mehr oder weniger zugab: Am 9. April dieses Jahres betrat er, eine Bierflasche in der Hand und mit fast drei Promille Alkohol im Blut, ein Modegeschäft in Rodenkirchen und fing sogleich an zu pöbeln. Mehrmals versuchte die Inhaberin, ihn hinauszukomplimentieren. Dies quittierte er unter anderem mit der Bemerkung: „Ihr seid ja die Herrenrasse.“ Nachdem die 50-jährige Ladenleiterin die Polizei verständigt hatte, gelang es ihr zusammen mit einer anderen Frau, die inzwischen erschienen war, den ungebeten Kunden auszusperren.
Weil er in Richtung Rodenkirchener Bahnhof verschwunden war, suchte die bald darauf eingetroffene Polizei dort nach ihm. In einer wartenden Straßenbahn wurde sie fündig. Maciej G. rief beim Anblick der Beamten: „Da kommt mich die Gestapo holen“ und wiederholte das Schmähwort von der „Herrenrasse“. So schilderte es zumindest ein 46 Jahre alter Polizist im Zeugenstand. Außerdem sagte er aus, man habe den Angeklagten „fixieren“ müssen, weil er versucht habe zu entwischen. Auf dem Boden liegend habe er vorbeikommenden Frauen „auf unterster Ebene“ sexuelle Anzüglichkeiten zugerufen.
Die Beamten verfrachteten ihn in den Einsatzwagen und fuhren zum Präsidium. Beim Aussteigen habe Maciej G. „gezielt“ versucht, ihm mit dem Kopf „ins Gesicht zu schlagen“, sagte der Polizist im Zeugenstand. Deshalb habe er dem gefesselten Betrunkenen „die Füße weggezogen“ und ihn „auf dem Boden abgelegt“. Der Angeklagte, neben dem eine Dolmetscherin saß, erklärte seine Widerspenstigkeit damit, die Polizisten hätten ihn mit der Behauptung getäuscht, sie würden ihn nach Hause fahren. Zum Vorwurf der Titulierung als „Gestapo“ sagte er wiederholt: „Dieser Herr lügt.“
