In Köln hat ein Prozess gegen vier junge Männer begonnen. Ihnen wird vorgeworfen, mittels Schockanrufen eine halbe Million Euro von Senioren erlangt zu haben.
Prozess um SchockanrufeBande soll Senioren um halbe Million Euro betrogen haben

Immer wieder werden Senioren Opfer von Schockanrufen. (Symbolbild)
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Vor dem Landgericht in Köln müssen sich seit Mittwoch vier Männer im Alter von 22 bis 27 Jahren verantworten. Der Vorwurf lautet auf gewerbsmäßigen Bandenbetrug in 16 Fällen, bei dem sie rund 500.000 Euro erbeutet haben sollen. Zum Start des Verfahrens ließen zwei der Beschuldigten (23 und 26 Jahre) durch ihre Anwälte verkünden, dass sie vollumfängliche Geständnisse ablegen werden. Die übrigen zwei Angeklagten entschieden sich vorerst, keine Aussagen zu machen.
Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die Männer, das erbeutete Geld und die Wertsachen bei den Geschädigten eingesammelt zu haben. Zuvor hatten unbekannte Komplizen die Senioren durch Anrufe emotional stark unter Druck gesetzt. In einem der Fälle wird den Angeklagten zudem Raub zur Last gelegt, da einem Opfer die Wertgegenstände gewaltsam entrissen worden sein sollen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldet. Die Straftaten sollen sich laut Anklage zwischen September 2024 und April 2025 in Köln, Trier, Gerolstein und anderen deutschen Städten ereignet haben.
Klare Hierarchie innerhalb der Gruppe
Gemäß der Anklageschrift gab es eine definierte Aufgabenverteilung. Die beiden jüngeren Angeklagten im Alter von 22 und 27 Jahren sollen als Abholer agiert haben. Den 23- und 26-jährigen Männern wird eine übergeordnete Rolle zugewiesen. Sie sollen für die Kommunikation mit den Anrufern, den sogenannten „Keilern“, verantwortlich gewesen sein und die Einsätze der Abholer koordiniert, überwacht und diese zu den Übergabeorten gefahren haben.
Darüber hinaus wird ihnen vorgeworfen, die Abholer mit imitierten Dienstausweisen der Polizei ausgestattet zu haben. Die zwei Männer mit der höheren Stellung sollen Teil einer Großfamilie sein, deren Angehörige schon früher durch Betrugsdelikte zum Nachteil von Senioren in Erscheinung getreten sein sollen.
Die Betrugsmasche mit falschen Beamten
Die Drahtzieher hinter den Taten gaben sich bei den Anrufen den Geschädigten gegenüber unrechtmäßig als Polizisten, Staatsanwälte oder Richter aus. Sie schilderten eine erfundene Geschichte, wonach ein Familienmitglied einen Unfall mit tödlichem Ausgang verursacht habe. Eine Inhaftierung könne nur durch die Zahlung einer hohen Kautionssumme abgewendet werden.
Exemplarisch wird ein Fall eines 90-jährigen Mannes aus Lohmar aufgeführt. Diesem wurde am Telefon mitgeteilt, seine Tochter habe einen Verkehrsunfall mit Todesfolge verschuldet, bei dem eine Mutter von drei Kindern ums Leben gekommen sei. Die Täter erklärten, die Tochter sei in polizeilichem Gewahrsam und eine Freilassung sei nur gegen eine Sicherheitsleistung von 250.000 Euro möglich.
Zur Verstärkung des psychischen Drucks sprach eine weinende Frau, die sich als Tochter des Seniors ausgab, die Worte: „Papa, Papa, bitte hilf mir.“ In der Folge übergab der Mann Gold mit einem geschätzten Wert von circa 50.000 Euro. (red)
Für das Gerichtsverfahren sind bis Ende Juni 18 zusätzliche Verhandlungstage am Kölner Landgericht angesetzt. Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
