Köln – Im Krankenhaus im Flur liegen zu müssen ist eine unerträgliche Situation. Aber immer häufiger gibt es für Patienten der psychiatrischen Klinik in Merheim keine andere Möglichkeit. „Wir sind an unseren Grenzen angelangt“, sagt Jörg Schürmanns, kaufmännischer Direktor und Vorstandsvorsitzender der LVR-Klinik Köln. Doch nicht nur für mehr Betten setzt sich die Klinik ein. Ihre Unzufriedenheit mit der neuen, ab 2015 verpflichtenden Vergütungsart für psychiatrische und psychosomatische Kliniken („Pepp“), die vom Bundesgesundheitsministerium erlassen wurde, ist für sie Anlass, ihr bisheriges Behandlungssystem infrage zu stellen und neue Wege zu finden.
„Es ist unmöglich, dass Patienten häufiger mit ihrem Bett nur noch Platz auf dem Flur finden können, besonders bei Akut-Aufnahmen“, sagt Professorin Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Ärztliche Direktorin der LVR-Klinik. Seit Eröffnung der Tagesklinik in Chorweiler vor zwei Jahren kämen immer mehr Kranke, die eine stationäre Behandlung benötigten, nach Merheim. Überbelegung und Mehrarbeit für das Personal sind die Folge. Die Klinik werde demnächst um eine Aufstockung der Bettenzahl verhandeln. „Die Krankenkassen haben unsere Notlage anerkannt und schon signalisiert, dass sie mehr Plätze und mehr Personal akzeptieren.“
Erweiterungen geplant
Damit sei das Bettenproblem in den Fluren noch nicht gelöst. Das werde der Klinik erst im Herbst gelingen. Weil derzeit das Hauptgebäude etagenweise saniert wird, ist eine Station in ein anderes Gebäude ausgelagert worden. Diese Räume werden nach der Sanierung frei und bieten Platz für weitere 20 Betten. Schürmanns glaubt nicht, dass die Zahl ausreicht. Der Zustrom von Patienten aus dem Kölner Norden zeige sich erst seit einem Jahr, er werde wohl noch zunehmen. Daher plant die Klinik bauliche Erweiterungen. Ohnehin weist die Statistik in Deutschland von Jahr zu Jahr mehr Menschen aus, die eine psychiatrische Behandlung in Krankenhäusern in Anspruch nehmen. „Vor allem die Zahl von Patienten mit Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen und Traumata nimmt zu“, sagt Gouzoulis-Mayfrank. Die Zahl der Fälle schwerer chronischer Erkrankungen sei dagegen seit Jahren auf demselben Niveau.
Konzept des LVR sei es, Erkrankte jederzeit umfassend stationär und ambulant versorgen und sie bei ihrer Rückkehr in den Alltag begleiten zu können. Dieses Ziel sieht der Verband durch Pepp, das neue Entgeltsystem in Gefahr. Bislang galt, dass die Kliniken tagesgleiche Pflegesätze für die Patienten erhalten. Nach dem Pepp-System nimmt die Höhe der Tagesvergütung jedoch mit zunehmender Verweildauer ab – ein Paradigmenwechsel mit schweren Webfehlern, sagt Jörg Schürmanns: „Das neue System bevorzugt leichte Fälle, die schnell entlassen werden können. Es geht zulasten von Schwerkranken.“ Man könne in der Psychiatrie nicht davon ausgehen, dass eine Erkrankung wie bei einem Beinbruch in einem bestimmten Zeitraum geheilt ist, so Gouzoulis-Mayfrank: „Jeder Mensch reagiert anders.“
Eine weitere gravierende Änderung betrifft das Personal. Bislang ist ein Schlüssel gesetzlich vorgegeben. Diese Vorgabe fällt durch Pepp weg. „Es wird einen Abbau von Personal und Leistungen geben“, sehen die Direktoren voraus. Eine weitere Möglichkeit allerdings habe man aufgegriffen: Die Klinik kann Vorschläge für ein alternatives Entgeltsystem entwickeln. „Da gibt es Chancen zum Umdenken“, sagt Klinikdirektor Schürmanns. Wir wollen auf jeden Fall den ambulanten Bereich stärker ausweiten.“
