KostendruckKölnerin muss Spielwarengeschäft nach 15 Jahren schließen

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Die Geschäftsinhaberin steht an der Kasse. Hinter ihr Regale mit Spielzeug.

Angelika Henscheid schließt ihr Spielwarengeschäft an der Markusstraße in Köln-Raderthal.

Wirtschaftliche Gründe zwingen Angelika Henscheid dazu, ihren Spielwarenladen in Raderthal aufzugeben. Zum Ausverkauf sind Rabattaktionen geplant.

Schafe, Teddys, Maulwürfe, Bauklötzchen, Puppen, Kindergeschirr, Kita-Rucksäcke, Schleich-Figuren und vieles mehr warten in den Regalen im „Spielraum“ an der Markusstraße auf kleine Besitzer. Ein paar Lücken zeigen sich in den Regalen, aber die werden auch nicht mehr aufgefüllt. Denn Geschäftsinhaberin Angelika Henscheid schließt ihren Spielwarenladen.

Wirtschaftlich ist der kleine Laden in Raderthal laut Inhaberin nicht mehr zu halten

„Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen, aber es geht nicht anders, aus wirtschaftlichen Gründen“, sagt die 66-Jährige. „Seit geraumer Zeit gibt es die Sachen von Schleich, Lego und weiteren Markenherstellern auch in großen Ketten wie Saturn und in Discountern zu kaufen. Die können das zu anderen Preisen anbieten als ich, da kann ich einfach nicht mithalten“, erklärt sie. Und natürlich fände man viele Sachen auch oft günstig im Internet.

„Ich verstehe es, dass man woanders kauft, wenn man Geld sparen kann. Meinen Kunden mache ich überhaupt keinen Vorwurf“, sagt Henscheid. Enttäuscht ist sie über die Verkaufspolitik der großen Firmen. „Früher konnte ich Ware, auch wenn ich kleinere Mengen gekauft habe, zu einem guten Preis bei ihnen bekommen, aber das ist auch vorbei“, berichtet sie. Vorbei sei es auch mit dem Service, den sie immer ihren Kunden anbieten konnte. „Ging früher zum Beispiel eine Schleich-Figur nicht allzu lange nach dem Kauf kaputt, konnte ich dem Kunden problemlos eine neue herausgeben. Das geht heute nicht mehr und das ist kein guter Service“, kritisiert die freundliche Noch-Ladeninhaberin.

Meine Stammkunden habe ich schon informiert, dass ich schließen werde. Viele finden das traurig, aber sie verstehen es
Geschäftsinhaberin Angelika Henscheid

15 Jahre verkaufte Henscheid Spielsachen und Bastelmaterial an Kinder, Eltern und Großeltern. Über Mund-zu-Mund-Propaganda hatte sie sich einen guten Kundenkreis aufgebaut, der die Ruhe in dem kleinen Geschäft und die freundliche Beratung zu schätzen wusste. „Meine Stammkunden habe ich schon informiert, dass ich schließen werde. Viele finden das traurig, aber sie verstehen es“, erzählt die Raderthalerin. Bis Anfang Mai soll der Verkaufsraum leer sein, es folgen der Bastelraum und die Küche. Dann möchte der Nachmieter mit seinem Büro in die insgesamt 50 Quadratmeter großen Räume.

Spielraum: Rabattaktionen an zwei Samstagen geplant

Um den Laden freizumachen, startete Henscheid den Ausverkauf mit besonderen Rabattaktionen und an zwei Samstagen – am 25. März und am 1. April – öffnet sie den „Spielraum“ zu Sonderverkaufstagen von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr. Bastel- und Näharbeiten, wie unter anderem Knisterkissen für Babys und Schultüten, kann man weiterhin bei ihr bestellen. „Ich hoffe, dass mich einige meiner Stammkunden weiterhin begleiten werden“, meint Henscheid. Auch wenn ihr der Abschied vom „Spielraum“ schwerfällt, bleibt Henscheid positiv.

„Ich habe hier so viele schöne Geschichten erlebt, junge Menschen, die ins Geschäft kamen und sagten ‚Ich wollte noch mal den Laden meiner Kindheit‘ oder die Kinder, die alle den großen Stoffbären liebten, den ich seit Beginn als Maskottchen im Geschäft habe. Oder die älteren Paare, die sich auf der Bank vor meinem Laden immer ausgeruht haben und dafür dankbar waren – das bleibt“, sagt Angelika Henscheid.

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