Leerstand in RodenkirchenDiesen drei Läden in Köln droht wegen Insolvenz die Schließung

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Ein Ladenlokal mit Schaufenster.

Die Aida-Läden locken mit bis zu 70 Prozent Rabatt.

Es steht schlecht um die Geschäfte des Rodenkirchener Geschäftsmanns Oliver Kehrl. Er nennt verschiedene Gründe.

Es trifft nicht nur die großen Konzerne wie Galeria Kaufhof, die 52 von 129 Warenhäusern schließt, und die deutsche Bekleidungskette Peek und Cloppenburg, die ein Schutzschirmverfahren beantragt hat. Auch der Mittelstand hat stark zu kämpfen.

In Rodenkirchen sind gerade alle drei Geschäfte des ehemaligen Aida Textilvertriebs GmbH ins Schleudern geraten. Im Sommershof könnten bis Ende Juni die Läden des Geschäftsmanns Oliver Kehrl schließen. „Wir haben im Dezember das vorläufige Insolvenzverfahren angemeldet, wir stehen aber mit allen Eigentümern im Austausch“, bestätigt Oliver Kehrl.

Kölner Geschäftsmann Oliver Kehrl räumt Fehler ein

Der Unternehmer, der seit 2018 auch CDU-Vorsitzender im Stadtbezirk Rodenkirchen ist, spricht eher von „Sanierung“ und „Restrukturierung“. Für die ehemalige Aida Textilvertriebs GmbH wurde Mitte Dezember ein Insolvenzverwalter bestellt. Seit dem 1. März wurde eine neue Gesellschaft, die Corner Mode GmbH eingetragen, bei der seine Frau Sandra Kehrl die Geschäftsführung übernommen hat.

Ein Mann im schwarzen Anzug.

Die Geschäfte von Oliver Kehrl laufen nicht gut.

Die Geschäfte in Lindenthal – das Corner an der Dürener Straße 212 und Marco Polo an der Dürener Straße 189 – bleiben auf jeden Fall erhalten. Neben Rodenkirchen könnten aber auch weitere Geschäfte der Modegesellschaft in Aachen, Düren und Bergisch Gladbach betroffen sein. „Es ist derzeit allerdings auch nicht ausgeschlossen, andere Geschäfte weiter zu betreiben“, so Kehrl.

Neben eigenen Fehlern, die der Geschäftsmann durchaus einräumt, ist die Lage für den stationären Einzelhandel nicht nur in letzter Zeit schwierig geworden. Bislang konnte sich Kehrl stets auf seine Stammkundschaft verlassen. Doch die Corona-Pandemie hat selbst Kunden am Standort Rodenkirchen in den Onlinehandel getrieben. „Die Schließungen während der Corona-Phase haben unserem Geschäftsmodell nachhaltig geschadet. Man sieht jetzt immer deutlicher, dass es in der Debatte um die Corona-Maßnahmen nie bloß um kurzfristige Umsatzeinbußen gegangen ist. Selbst wenn die Kunden zurückkehren sollten, sehe ich die Gefahr, dass der stationäre Handel Schäden erlitten hat, die nicht mehr reparabel sind“, sagt Kehrl.

Lage im Sommershof und steigende Kosten erschweren Betrieb

Hinzugekommen sei allerdings, dass manche Kollektion zuletzt nicht glückte – dennoch musste der Handel sie wegen vertraglicher Verpflichtungen abnehmen. Zudem machen dem Unternehmer massive Kostensteigerungen zu schaffen. Die Stromkosten etwa haben sich verdoppelt.

In Rodenkirchen kommt die Lage der Geschäfte im Sommershof hinzu. Zwar liegt das Einkaufszentrum zentral in der Stadtteilmitte an der Hauptstraße. Doch die Eigentümerin kümmere sich kaum, so Kehrl. Seit rund zehn Jahren ist das die Grand City Property. Eine Immobiliengesellschaft mit Hauptniederlassung in Larnaka auf Zypern. „Tatsächlich hat sich hier in den letzten mindestens fünf Jahren am Standort gar nichts getan“, bestätigt Immobilienfachfrau Anja Senff, die als Beiratsmitglied des Wohnturms Sommershof, der sich über dem Center befindet, die Lage gut einschätzen kann.

Sommershof in Köln-Rodenkirchen war einst beliebtes Einkaufszentrum

Der Sommershof war einst ein florierendes Einkaufscenter mit vielen unterschiedlichen Geschäften. Seit vielen Jahren sieht man gerade in der unteren Etage verlassene Geschäfte. Großflächige Plakate verdecken die trostlosen Leerstände. Die Tiefgarage ist schmutzig und dunkel. Die Decken im Einkaufscenter zeigen offen liegende Leitungen. „Da muss eine Menge passieren. Die Notwendigkeit wurde aber jetzt erkannt. Die Verwaltung hat über Jahre kein glückliches Händchen in der Vermietung gezeigt“, sagt Senff. Die Immobiliengesellschaft selbst verwies auf Anfrage an das Center-Management, das für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war.

Interessenten für Anmietungen gab es in der Vergangenheit reichlich, scheiterten laut Senff und Kehrl aber an Vertragsgesprächen. So seien die Nebenkosten schwierig zu benennen. Ein kleiner Kindermodeladen, der Anfang des Jahres eröffnete, musste fast eineinhalb Jahre auf einen Mietvertrag warten. „Das schreckt natürlich ab“, weiß Senff. Die Immobilienexpertin möchte das Problem nicht am Sommershof alleine festmachen.

Köln: 500 Quadratmeter im Rodenkirchener Sommershof stehen leer

„Einige langfristige Mieter wären geblieben, wenn die Kosten tragbar wären. Bei immer steigenden Nebenkosten müssen Vermieter eventuell auch einmal die Miete nach unten anpassen und langfristig mit Weitblick planen“, so Senff. Gerade im Gewerbebereich hätten viele Vermieter die Kostenschraube aber immer höher gedreht. „Ist erst einmal die Abwärtsschraube angedreht, geht sie immer weiter nach unten“, meint die Immobilienexpertin, die auf eine zügige Umstrukturierung hofft, weil die Eigentümerin die „Lage endlich verstanden habe“.

Derzeit stehen auf der unteren Etage rund 500 Quadratmeter der insgesamt 6000 Quadratmeter auf zwei Ebenen leer. Mit dem Fortgang drei weiterer Geschäfte käme noch einmal ein Leerstand von knapp 300 Quadratmetern hinzu. Damit wäre dann fast die gesamte Fensterfront zur Hauptstraße betroffen. Den Leerstand können auch weitere Plakate nicht verdecken. Die Modegeschäfte von Kehrl gehen zunächst einmal normal weiter.

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