Das Refugium an der Herthastraße öffnet wieder. Simon Rohde übernimmt die Kneipe und will Bewährtes erhalten.
Kultkneipe öffnet wiederDas Refugium in Zollstock hat einen neuen Wirt

Mehr als vier Monate war das Refugium geschlossen, jetzt öffnet die Zollstocker Kultkneipe wieder.
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So mancher Zollstocker dürfte sich in den vergangenen Wochen gewundert haben: Vor der Kneipe „Refugium“ waren plötzlich die Schilder verschwunden, die Fassade wirkte ganz nackt. Dabei ist das Lokal an der Ecke Vorgebirgstraße/Herthastraße seit Ende Mai geschlossen. Eigentlich sollte es schon im Juli wieder öffnen, dann im August. Auch im September blieb die Tür zu. Sollte das Refugium etwa ganz verschwinden? Nein, beruhigt der neue Wirt Simon Rohde. „Wir haben jetzt nur neue Schilder, auf Wunsch der Kneipenverpächterin Zunftkölschbrauerei nun in Zunftkölschgrün“, berichtet er.
Heute, 9. Oktober, öffnet das Refugium nun tatsächlich wieder. Rohde hat die Kneipe von den langjährigen Wirten Karl Scholten und Uli Schönefeld übernommen, die sie 1997 eröffneten. Bevor er selbst loslegen konnte, stand allerdings eine umfassende Renovierung an: Elektrik und Wasserleitungen wurden erneuert, der Sanitärbereich saniert, die Küche bekam einen neuen Boden und neue Geräte, im Keller entstand ein neues Bierkühlhaus.

Simon Rohde ist der neue Wirt im Refugium. Die spezielle Deko im Refugium bleibt größtenteils erhalten.
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Auch im Gastraum wurde einiges gemacht. „Wir haben den Vorderraum, der noch in feinstem Nikotingelb glänzte, gestrichen, die Holzvertäfelung ausgebessert, Theke und Möbel abgeschliffen und neue Beleuchtung und Ventilatoren angebracht“, erzählt Rohde. Die Arbeiten dauerten länger als gedacht. „Wir haben gleich am 1. Juni angefangen, und ich wollte schon im Juli öffnen. Das war sehr ambitioniert und hat nicht ganz geklappt“, sagt der 47-Jährige.
Charakter der Kneipe bleibt erhalten
Dabei sollte der Charakter der Kneipe erhalten bleiben. Auch die eigenwillige Dekoration mit alten Werbetafeln, internationalen Autokennzeichen, Büchern und allerlei Nippes bleibt. Ein wenig ausgedünnt hat Rohde die Sammlung allerdings. Das alte Klavier ist einem Sofa gewichen. „Es war nicht mehr spielbar und ließ sich auch nicht mehr stimmen“, schildert Rode.
Auch am Konzept will der neue Wirt wenig ändern. Die entspannte Atmosphäre soll bleiben, ebenso Billard, Dart, Schocken und Doko-Runden. Musikalisch setzt Rohde auf Rock, Hardrock, Folk und Blues. „Techno und Rap wird es eher nicht geben“, sagt er. Der hintere Raum kann weiterhin für Feiern reserviert werden. Auch Veranstaltungen kann er sich vorstellen, etwa Musik, Lesungen oder ein Kneipenquiz. „Wir werden uns da erst einmal herantasten“, so Rohde.
Beim Getränkeangebot bleibt es klassisch: fünf Biere vom Fass, darunter Zunftkölsch, Erzquell Pils, Guinness und Kilkenny, dazu Whiskey. Pizza, Flammkuchen und Nachos gibt es gegen den kleinen Hunger.
Für Rohde ist die Übernahme der Schritt in die Selbstständigkeit. Er ist in Zollstock aufgewachsen und hat fast sein ganzes Leben hier verbracht. Schon als Schüler kellnerte er in einer Kneipe. Nach einem begonnenen Jurastudium entschied er sich für eine Kochausbildung und arbeitete viele Jahre als Koch, lange Zeit im Domhotel. „Den Wunsch, einen eigenen Laden zu haben, habe ich schon lange“, sagt Rohde.
Das Refugium kennt er seit vielen Jahren, die früheren Wirte ebenfalls. Seit einigen Jahren arbeitete er regelmäßig selbst hinter der Theke, meist am Wochenende. „Ich kenne die Gäste daher sehr gut“, erzählt der Zollstocker. Besonders schätzt er die Mischung der Generationen. „Wir haben hier junge Gäste, das werden immer mehr, weil immer mehr Studenten in Zollstock wohnen, aber auch sehr viele ältere Stammgäste“, sagt Rohde.
Den Namen „Refugium“ wollte Rohde unbedingt behalten. „Der Name ist bekannt, es ist ein guter Name und er passt. Wir bleiben ein Wohnzimmer mit Zapfhahn“, erklärt der neue Wirt.
In Zukunft auch Karneval im Refugium
Auch Uli Schönefeld bleibt den Gästen erhalten. An ein bis zwei Abenden pro Woche wird er weiterhin hinter der Theke stehen. Eine Neuerung gibt es allerdings: Die bisherige karnevalsfreie Zone ist Geschichte. „Es wird bei uns Karneval geben. In welcher Form wissen wir noch nicht. Aber wir werden Karnevalsmusik spielen, und die Leute können gerne im Kostüm kommen und feiern“, sagt Rohde.
Für die Eröffnung hofft er auf einen netten Abend mit vielen Gästen. „Es kommt kein Zauberer, ich springe nicht aus der Torte. Aber ich bin sehr froh, dass es jetzt endlich losgeht“, sagt Rohde lachend.
Refugium, Herthastraße 1. Geöffnet von Montag bis Samstag von 18 bis 1 Uhr, Sonntag von 18 bis 0 Uhr. Telefon: 0221-45 31 7777, Website im Aufbau.
