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Erinnerung an NS-OpferNeue Stolpersteine für die Familie Neugarten und Otto Richter in Köln

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Der Allgemeine Bürgerverein Zollstock – hier Patrick Mittler, Ingrid Appel und Serena Vogt vom Vorstand – übernahm die Patenschaft für die vier neuen Stolpersteine im Veedel.

Der Allgemeine Bürgerverein Zollstock – hier Patrick Mittler, Ingrid Appel und Serena Vogt vom Vorstand – übernahm die Patenschaft für die vier neuen Stolpersteine im Veedel.

Neue Stolpersteine in Zollstock erinnern an die jüdische Familie Neugarten und den Widerstandskämpfer Otto Richter.

Vor dem Haus Fischenicher Straße 58 glänzen seit Mitte Juni drei neue Stolpersteine. Sie erinnern an Albert Isaac Neugarten, seine Frau Wilhelmine und ihren Sohn Carl. Die jüdische Familie lebte hier seit den 1930er Jahren – bis die nationalsozialistische Verfolgung ihr Leben zerstörte.

„Sie waren einst Teil unseres Veedels. Menschen, die hier gelebt, gearbeitet, gelacht, gehofft und ihre Zukunft geplant haben. Menschen, die Nachbarn waren, Kollegen, Freunde oder Familienangehörige. Menschen, deren Leben durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zerstört wurde“, sagte Patrick Mittler, Vorsitzender des Allgemeinen Bürgervereins Zollstock, bei der Verlegung der Steine. Der Bürgerverein übernahm die Patenschaft für die neuen Stolpersteine im Veedel.

Jüdische Familie starb in Theresienstadt

Albert Isaac Neugarten wurde 1855 in Witten geboren und arbeitete als Metzger. Sein Sohn Carl, Jahrgang 1885, war Kaufmann. Wilhelmine, geboren 1861, stammte ursprünglich aus Krefeld. Unter dem Druck des NS-Regimes musste die Familie ihre Wohnung in der Fischenicher Straße, in der auch Carls Frau lebte, verlassen und in ein sogenanntes Ghettohaus in der Eifelstraße ziehen. Von dort deportierten die Nationalsozialisten Albert und Wilhelmine im Juni 1942 in das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt.

Albert starb dort am 12. August 1942, Wilhelmine am 16. Mai 1943. Carl blieb zunächst wegen seiner Ehe mit einer nichtjüdischen Frau vor der Deportation verschont. Doch auch er wurde im Oktober 1944 nach Theresienstadt verschleppt, wo er wenige Wochen später, am 11. Dezember, starb.

Widerstandskämpfer zu Tode gefoltert

Ein weiterer Stolperstein wurde vor dem Haus im Kalscheurer Weg 29 für Otto Richter verlegt. Der in Schlesien geborene Holzhandwerker lebte seit 1924 in Köln und engagierte sich in der linken Arbeiterbewegung. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde er verhaftet und für acht Monate in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Einen Teil dieser Zeit musste er im berüchtigten Konzentrationslager Esterwegen im Emsland verbringen.

Trotz Verfolgung und Haft setzte Richter seinen Widerstand gegen das Regime fort. Im Januar 1936 nahm ihn die Gestapo erneut fest. Wenige Monate später wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.

Auch diese Strafe brach seinen Widerstandswillen nicht. 1943 gehörte Richter zu den führenden Köpfen einer neu gegründeten kommunistischen Widerstandsgruppe in Köln. Die Mitglieder unterstützten Zwangsarbeiter, verbreiteten Flugblätter und organisierten über politische Lagergrenzen hinweg Widerstand gegen Krieg und NS-Diktatur.

Im November 1944 wurde die Gruppe verraten. Die Gestapo nahm zahlreiche Mitglieder fest, darunter Otto Richter, und brachte sie in die Arbeitsanstalt Brauweiler. Dort wurden die Gefangenen verhört und misshandelt. Otto Richter wurde als einer der führenden Köpfe der Gruppe schwer gefoltert. Am 20. Dezember 1944 starb er an einer unbehandelten Blutvergiftung – eine Folge der Folter – in einer Gestapozelle in Brauweiler.

Mit den Stolpersteinen kehrten die Namen der Opfer symbolisch an die Orte zurück, an denen sie gelebt hatten, sagte Patrick Mittler bei der Gedenkveranstaltung, an der zahlreiche Anwohner, Bezirksbürgermeisterin Sabine Müller sowie weitere Lokalpolitiker teilnahmen.

„Wir machen sichtbar, was die Täter auslöschen wollten. Wir erinnern daran, dass hinter jedem Namen ein Mensch stand. Ein Mensch mit Hoffnungen, Beziehungen und einer Geschichte“, sagte Mittler. Die Erinnerung an die Opfer sei zugleich ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft.

Angeregt wurden die vier neuen Stolpersteine von der Zollstockerin Monika Becker-Volkening. Nun finden sich 14 dieser Gedenksteine im Veedel. Im gesamten Kölner Stadtgebiet erinnern inzwischen rund 3000 der kleinen Messingtafeln an Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.