Der Zollstocker Schlemmermarkt ist beliebt. Doch zwei Absagen zeigen: Hinter dem Treffpunkt fürs Veedel steckt ein Geschäft mit Risiken.
Schlemmermarkt in ZollstockWenn Hitze zum Geschäftsrisiko werden kann

Den Schlemmermarkt gibt es in Zollstock seit 2023. Er wird im Veedel sehr gut angenommen.
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Ein lauer Sommerabend, Essen aus aller Welt und Gespräche mit Nachbarn: Der Schlemmer- und Abendmarkt auf dem Zollstocker Marktplatz hat sich seit seiner Premiere im Mai 2023 zu einem beliebten Treffpunkt im Veedel entwickelt. Von Mai bis September findet er am letzten Donnerstag im Monat von 16 bis 22 Uhr statt.
Doch in diesem Sommer machte das Wetter den Veranstaltern zweimal einen Strich durch die Rechnung: Ende Juni wurde der Markt wegen der Hitze und eines zeitgleichen WM-Spiels abgesagt, Ende Juli wegen angekündigter Hitze und Unwetter. Für die Besucher ist das vor allem schade. Für die Menschen hinter den Ständen kann ein Ausfall dagegen schnell zu einer wirtschaftlichen Frage werden.

Umberto Mazza, Wolfgang Kaus und Beate Braun sind mit dem Schlemmermarkt zufrieden – sorgen sich aber wegen zunehmender Sommerhitze.
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Der Allgemeine Bürgerverein Zollstock (ABZ) ist Veranstalter. Organisiert und durchgeführt wird der Markt vom AVA‑Veranstaltungsservice aus Brühl. Gemeinsam entscheiden Bürgerverein und Agentur über eine Absage. „Das machen wir rechtzeitig, fünf Tage vorher. Wir haben eine Verantwortung für die Gäste, aber auch für die Händler. Wenn keiner wegen des Wetters kommt, lohnt es sich für sie nicht. Und wir möchten ja, dass sie auch in Zukunft nach Zollstock kommen“, sagt ABZ-Vorsitzender Patrick Mittler. „Bei über 30 Grad wird es für uns kritisch. Bei 35 Grad und mehr ist eine Absage klar“, sagt AVA-Inhaber Wolfgang Kaus.
Wirtschaftliches Risiko liegt bei Agentur
Das wirtschaftliche Risiko liegt vor allem bei AVA. Der Bürgerverein beantragt die Genehmigung für den Markt bei der Stadt und zahlt seit diesem Jahr für die Absperrung des als Parkplatz genutzten Marktplatzes rund 2000 Euro im Jahr. „Wir verdienen nichts an dem Markt. Wir veranstalten ihn, um das Veedel zu beleben und die Menschen auf unkomplizierte Weise zusammenzubringen“, sagt Mittler.
AVA akquiriert die Händler und schließt die Verträge. Die Agentur zahlt die Nutzungsgebühr für den Platz, den WC-Wagen, Abfallentsorgung und Reinigung sowie Strom und Wasser. Die Händler zahlen eine Standgebühr an Kaus und beteiligen sich an Strom und Wasser. „Die Nutzungsgebühr ist in diesem Jahr um mehrere Hundert Prozent gestiegen. Früher zahlten wir für jeden belegten Quadratmeter, jetzt für die gesamte Fläche“, sagt Kaus. Die Gebühr für Zollstock beträgt 600 Euro, insgesamt kostet ihn die Veranstaltung dort 1500 bis 1600 Euro.
Bei einer Absage von AVA zahlen die Händler nichts. Liegt eine offizielle Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes vor, entfällt zudem die Nutzungsgebühr für die Stadt: „Das ist dann höhere Gewalt“, erklärt Kaus. Muss die Veranstaltung aus einem anderen wetterbedingten Grund abgesagt werden, hat er die Gebühr grundsätzlich zu zahlen. „Ich bin durch die Zollstockabsagen auf Kosten sitzen geblieben, aber unter 1000 Euro“, sagt er.
Inzwischen organisiert Kaus neun Schlemmermärkte in Köln und Umgebung. Zollstock ist mit zehn bis zwölf Ständen und 300 bis 400 Besuchern der kleinste, Sülz mit 30 Ständen und 800 Besuchern der größte der von Kaus organisierten Schlemmermärkte. „Zollstock ist damit wirtschaftlich der schwächste Markt. Wenn hier einmal drei Stände fehlen, wird es schon kritisch“, sagt Kaus. Auf der Kippe stehe der Markt deshalb aber nicht, betont er.
Ausfall für Händler
Auch für die Händler bedeutet eine Absage ein Ausfallgeschäft. „Die Absagen bei Wolfgang Kaus kommen immer früh genug, so dass wir keinen Schaden haben durch zu viel gekaufte Lebensmittel oder Ähnliches. Aber es fehlt natürlich ein Umsatz, mit dem wir gerechnet haben“, sagt Umberto Mazza von Gourmet ItalyClub. Er ist seit Beginn der Schlemmermärkte dabei und hat in Zollstock inzwischen Stammkunden. „Wir sind mit dem Zollstocker Markt sehr zufrieden“, freut er sich.
Das Konzept der Schlemmermärkte ist erfolgreich. Inzwischen gibt es weitere Veranstalter; Kaus zufolge gibt es in Köln insgesamt etwa 15 Märkte dieser Art. „Das ist für mich in Ordnung, ich kann ja nicht auf allen Plätzen sein“, sagt er.
Hitze wird zur Herausforderung
Das Wetter könnte aber zur Herausforderung werden. „Wenn jetzt jeder Sommer so heiß wird, muss man reagieren“, sagt Kaus. Er kann sich vorstellen, die Märkte stärker an südeuropäische Gewohnheiten anzupassen: später anfangen und dafür länger bleiben. „In Spanien und Italien geht es ab 18 oder 19 Uhr los und dann bis Mitternacht“, berichtet er.
In Köln ist das nicht so einfach. Die Märkte enden um 22 Uhr, eine Verlängerung kollidiert mit dem Lärmschutz. „Wenn sich ein Bürger beschwert, kommt die Polizei, dann gibt es Probleme“, sagt Kaus. Beginnt der Markt wegen der Hitze später und endet trotzdem um 22 Uhr, wird es für die Händler schwierig: „Sie müssen dann in drei Stunden den Umsatz machen, den sie brauchen“, erläutert Kaus. Eine Zwickmühle: Was für die Besucher bei großer Hitze angenehmer wäre, kann für die Anbieter wirtschaftlich schwieriger werden.
In Zollstock soll es wegen der beiden ausgefallenen Termine wahrscheinlich einen zusätzlichen Markt im Oktober geben. „Den haben wir beantragt. Wenn es feststeht, geben wir den Termin bekannt“, sagt Mittler. Der nächste Schlemmermarkt in Zollstock findet am 24. September statt.
