Meschenich – „Den Kurs habe ich gern gemacht“, erzählt Maria Tamas über die Qualifikation zur Stadtteilmutter in Meschenich, „nun will ich mein Zertifikat auch nutzen!“ Ähnlich enthusiastisch klingen alle neuen Stadtteilmütter bei der Zertifikatsverleihung in der Meschenicher Thomaskirche. Ein Jahr lang haben zehn Frauen aus Rumänien einmal wöchentlich den VHS-Kurs bei Maria Zens besucht und weit mehr erlernt als eine verbesserte Sprachkompetenz.
Gewaltfreie Erziehung, Frauengesundheit und Sprachförderung bei Kindern waren die Kernthemen des von der Caritas koordinierten Kurses.
Unter die Oberbegriffe Bildung, Soziales und Gesundheit fielen aber auch geografische und naturwissenschaftliche Inhalte. Europa und das Sonnensystem brachte Maria Zens den Kursteilnehmerinnen mit ansprechendem Anschauungsmaterial näher. „Ich arbeite viel mit Bildern, Puzzlen und Fahnen“, kommentiert sie ihr Unterrichtskonzept.
Für die Frauen, die am Schulunterricht in ihrem Heimatland nur kurz oder gar nicht teilnehmen durften, eröffnete sich eine Welt voller Perspektiven. „Obwohl sie sich schwertun, sind sie hochmotiviert, weil sie erkannt haben, dass sie Bildung nachholen können. Das ist ein regelrechter Nachreifungsprozess, der da stattfindet“, so die Kursleiterin.
Bei der Übergabe der Zertifikate durch den VHS-Vertreter Helmut Bergweiler ist der Stolz deutlich zu spüren. Teils in landestypischer Tracht gekleidet, überstrahlt die Freude der Stadtteilmütter den Raum. Natürlich gebührt ihr Dank ihrer Kursleiterin Maria Zens – aber auch Mihaly Lakatos von der Caritas, der ihr den Kurs empfahl. Seine Vorstellung von Integration fasst er in klare Worte: „Die Arbeit mit Rumänen, Bulgaren, insbesondere Roma liegt mir am Herzen. Die Integration dieser Menschen ist mir sehr wichtig. Dazu gehört, Differenzen zwischen Einheimischen und Roma zu überwinden und sich gegenseitig kennenzulernen, um Vorurteile abzubauen.“
Als Brückenbauerinnen werden die Stadtteilmütter ihren frisch zugewanderten Landsleuten unter die Arme greifen, ihnen die Ankunft und Eingewöhnung erleichtern, Behördengänge und Arztbesuche begleiten und gemeinsam bürokratische Hürden bewältigen. Kindergärten, Wohnheime und Grundschulen profitieren von ihrer Unterstützung. Der Bedarf an Rumänisch sprechenden Frauen sei groß, erklärt die Projektverantwortliche Katja Hendrichs vom Caritasverband Köln. Den Grund für die Auswanderung sieht sie in den schwierigen Lebensumständen im Heimatland. Man wünsche sich bessere Perspektiven für die Kinder. Erstmals erleben sich die Frauen auch ihren eigenen Kindern gegenüber in einer bisher ungewohnten Position. Durch ihre neu erworbene Bildung verstehen sie, was ihre Kinder in der Schule lernen. Das stärke Kinder und Mütter. Mit gewachsenem Selbstbewusstsein und wertvollem Wissen erfüllen sie die Voraussetzungen für den Einsatz im Ort ideal.
Alle am Projekt „Stadtteilmütter und –väter in Meschenich“ Beteiligten hoffen, den Kurs bis Ende des Jahres weiter führen zu können, obwohl das „Klassenziel“ bereits erreicht ist. In ihrem Enthusiasmus sind diese Ladys kaum zu schlagen und, wie Maria Zens den Zusammenhalt der Roma-Frauen untereinander beschreibt, „ein Phänomen“!
Maria Zens Kursleiterin
WAS IST EINE STADTTEIL-MUTTER?
Die Idee, Frauen mit Migrationshintergrund zu Stadtteilmüttern auszubilden, stammt aus Berlin und wurde dort erstmals 2006 vom Diakonischen Werk Neukölln umgesetzt. Im Kern geht es um Integration. In Köln qualifizieren verschiedene Träger „Stadtteilmütter und –väter“ in elf Sozialräumen. Seit 2009 findet das Projekt in Meschenich statt, federführend ist hier der Caritasverband für die Stadt Köln. Der Qualifikationskurs richtet sich an Menschen mit Migrationshintergrund und findet alle zwei Jahre statt. Für ein Jahr kommen die Kursteilnehmer einmal wöchentlich zusammen. Die Stadt Köln selbst führt unabhängig davon das Projekt „Stadtteileltern“ durch, bei dem die berufliche Weiterbildung im Focus steht.
Wer sich für eine Qualifikation als Stadtteilmutter oder –vater in Meschenich interessiert, kann sich bei der Projektverantwortlichen Katja Hendrichs telefonisch (02232 41718 10) oder per E-Mail informieren. (cm)
katja.hendrichs@caritas- koeln.de