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Sänger Hozier im Interview„Ich habe viele gute Erinnerungen an Köln“

3 min

Der irische Sänger Hozier.

KölnHozier, Sie haben jetzt Ihr offizielles Musikvideo zu „Nina Cried Power“ veröffentlicht. Ein ziemlich bewegendes Video zu ziemlich bewegenden Zeilen. Man sieht verschiedene irische Aktivisten. Was steckt hinter Song und Video?

Beides soll eine Art Dankeschön sein an Künstler aus dem 20. Jahrhundert, die über Themen, die sie wichtig fanden, gesungen oder gesprochen haben – auch in schweren Zeiten und unter schwierigen Umständen. Auch das Video soll so etwas wie eine Erinnerung sein an den Geist des Protests. Die Aktivisten im Video haben zum Beispiel für Gleichheit gekämpft, für gleiche Rechte für Schwule, Lesben und auch Frauen.

Ist es heute besonders an der Zeit, zu protestieren?

Protestieren ist immer wichtig und wird immer wichtig sein. Vielleicht jetzt noch etwas mehr, wo ein autoritärer Ruck durch die globale Politik geht. Das ist nicht gut. Das kann zu einem Zustand führen, an dem Protest nicht mehr legal ist.

Halten Sie es für die Pflicht eines Künstlers, auch über politische Angelegenheiten zu sprechen und Haltung zu zeigen?

Nein, ich denke nicht, dass es eine Pflicht ist. Auch viele meiner Songs sind nur Liebeslieder, zumindest an der Oberfläche. Künstler haben allerdings die Pflicht, ehrlich zu sein und gute Arbeit zu machen. Aber diese Pflicht haben alle Bürger.

Woher kommt die aktuelle Entwicklung hin zum Erstarken autoritärer Kräfte?

Wir sind noch immer in der Erholungsphase der schwersten Wirtschaftskrise seit den 1920ern. Darunter hat der Steuerzahler gelitten, sie haben letztendlich die Kosten gezahlt. Und jeder sucht jemanden, den er verantwortlich machen kann. Das ist einfacher mit Außenseitern, etwa Migranten oder anderen verletzlicheren Menschen. Das schürt dann Angst und Wut, was dann zum Erstarken autoritärer Kräfte führt. Sie werden dadurch sozusagen gerechtfertigt.

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie in einem Statement zum neuen Video vom „neuen Irland“, für das die gezeigten Aktivisten gekämpft haben. Was ist das neue Irland?

Das Irland, in das ich hineingeboren wurde, ist sozial und kulturell sehr unterschiedlich zum Irland heute. Es ist komplett nicht wiederzuerkennen. Vor ein paar Jahren war der Einfluss der Kirche und von religiösen Kräften sehr groß, zum Beispiel beim Thema Abtreibung. Und Homosexualität wurde erst im Jahr 1993 legalisiert. Es hat sich einiges geändert in meiner Lebenszeit, aber ganz besonders in den vergangenen 15 Jahren. Und diese Veränderungen wurden von den Bürgern bewirkt, immer wieder. Solche, wie man sie im Video sieht. Diese Veränderungen meine ich auch, wenn ich vom neuen Irland spreche, von einem freundlicheren Irland. Ein Irland, das inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen ist, und zu den liberalen Demokratien zählt.

Zu einem nicht so kontroversen Thema. Sie sind schon mehrfach in Köln gewesen, woran erinnern Sie sich gerne in der Stadt?

Ganz besonders an den Platz vor dem Dom, das ist die erste Erinnerung. Es ist wunderschön dort und einzigartig. Köln ist eine der wenigen Städte, in denen ich ein paar Tage frei hatte während meines Aufenthalts und herumlaufen konnte. Deshalb habe ich viele gute Erinnerungen an Köln.

Zur Person

Hozier, mit bürgerlichem Namen Andrew Hozier-Byrne, wurde am 17. März 1990 in Bray, einem Badeort in Irland südlich von Dublin, geboren. Der internationale Durchbruch gelang ihm 2013 mit der Single „Take Me To Church“. Ein Jahr später brachte er sein erstes Album „Hozier“ raus. Am 6. September erschien seine aktuelle EP „Nina Cried Power“, Mitte November die gleichnamige Single mit Video. Hozier kommt am Montag, 3. Dezember, nach Köln ins Palladium. Los geht es um 20 Uhr. Tickets kosten ab 44,90 Euro. (nip)