Weiden – Ein ohrenbetäubender Knall. Dann ein lichtloderndes Flammenmeer. Mitten in der Nacht stürzte ein „Wimpy“ ins Wirsingfeld. Den Spitznamen hatten die britischen Kampfflugzeuge des Typs Vickers Wellington nach der Zeichentrickserie Popeye, die in den 30er-Jahren populär war. „J. Wellington Wimpy“ hieß ein Freund der Hauptfigur. Der große Stahlvogel mit dem lustigen Namen gehörte zu den ersten alliierten Flugzeugen, die Anfang der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts die Bomben über Köln brachten.
Weil die Maschine noch einen Sprengkörper an Bord hatte, explodierte sie beim Absturz – und hinterließ einen riesigen Trichter. Ältere Weidener erinnern sich heute noch an das eindrucksvolle Erlebnis – darunter ein alter Mann, der damals ein kleiner Junge war. Trotz des Fliegeralarms hatte er es nicht mehr im Haus ausgehalten und war in den Garten gestürmt, um nachzusehen, was passiert. Da flog ein riesiger Schatten über das Haus und riss mit einer Tragfläche den Schornstein herunter.
Dem Jungen flogen die Steine um die Ohren. Die Maschine flog noch wenige Meter und krachte auf das Feld. Der Weidener Hobbyhistoriker und Sportwart des SV Weiden Henry Faust hat sich von dem älteren Herrn die Geschichte erzählen lassen. Sie ist Teil seines dritten Buchs über die Vergangenheit seines Heimatviertels.
Hinter dem Titel „Unser schönes Weiden“ verbirgt sich eine ganze Sammlung von Fotos, Anekdoten und Geschehnissen, die sich ganz im Kölner Westen zugetragen haben. Trotz des Titels haben natürlich auch unschöne Ereignisse ihre Daseinsberechtigung, wie der spektakuläre Flugzeugabsturz. Faust weiß, dass die Piloten der Kampflugzeuge im Krieg leicht in heikle Situationen geraten konnten, wenn sie nicht alle Bomben losgeworden waren – auch wenn sie keine Bruchlandung machte „Sie hatten keine asphaltierten Bahnen zur Verfügung“, schildert er, „sondern mussten oft auf einem Acker landen.“
Wenn sie dabei nicht vorsichtig waren, explodierte das scharfe Geschütz an Bord. Ein anderer Weidener erinnerte sich ebenfalls noch an den Flugzeugabsturz und an die gewaltige Explosion und das, was in seinen damaligen Kinderaugen noch so besonders war. In den Trümmern fand er eine leere Coladose und behielt das „Souvenir“. Die koffeinhaltige Brause war damals noch ein exotisches Getränk.
Bald nach dem Krieg zog das Vergnügen wieder nach Weiden, und zwar an die Goethestraße kurz vor der Bahntrasse. Anfang der 50er-Jahre entstand dort das Kino Central, wo Faust später auch als Platzanweiser arbeitete. Er hat ein Foto von den Bauarbeiten auftreiben können und eine Luftaufnahme von der Anlage nebst Parkplätzen, als sie fertig war. „Als Goldfinger in die Kinos kam, war jede Vorstellung ausverkauft“, erinnert er sich. „Wir mussten Stühle dazu stellen.“
Wo früher legendäre Filme auf der großen Leinwand flimmerten, verkauft die Bäckerei Voosen heute Brötchen, Brote und Kuchen. Auch die anderen zwei Kinos, die es damals in Weiden gab, haben längst dicht gemacht. Einer der Kinosäle dient mittlerweile als Lagerraum.
Illustren Persönlichkeiten und ihren Hinterlassenschaften hat Faust ebenfalls ein Kapitel gewidmet, beispielsweise dem Leben und Werk von Nicolai Bleschinger. Der Künstler lebte lange an der Goethestraße und war über die Stadtgrenzen Kölns bekannt, stellte seine Bilder beispielsweise auch in Barcelona aus. Mittlerweile lebt er in einem Seniorenheim in Königsdorf. Nicht nur wegen seiner Werke, sondern auch als besonderer Mensch ist er den Weidenern noch gut im Gedächtnis. „Er war immer so nett“, haben viele Viertelsbewohner Henry Faust erzählt.
Der Künstler hatte vor allem ein Herz für Kinder. Als Faust in seiner Funktion als Sportwart einmal in die Turnhalle der Clarenhofschule unterwegs war, stieß er im Treppenhaus der Schule auf bunte Bilder, die der Künstler für die Schule gemalt hatte. Auch eine Wand am Schulhof schmückt ein riesiges Mosaik mit Tieren, Giraffen, Löwen und Elefanten. Die bunten Spuren des Weidener Kreativen sind nun auch Farbtupfer in dem neuen Buch über sein ehemaliges Heimatviertel.
Henry Faust stellt sein Buch „Unser schönes Weiden “ am Samstag, 2. November, um 15 Uhr, im Hotel Triton, Aachener Straße 1128 vor.
Wer das Buch kaufen will, wendet sich an den Autor über die Telefonnummer 02234 – 689 46 51 oder per E-Mail.
henry.faust.koeln45@gmail.com
Henry Faust