Köln – Die Schulleiter der Kölner Gymnasien fordern ihre Abiturienten auf, den so genannten Schulkrieg nicht weiter eskalieren zu lassen. „In der Kölner Direktorenkonferenz herrscht Einigkeit darüber“, sagt Almuth Roselieb, Schulleiterin des Gymnasiums Rodenkirchen. Nach Auskunft der Stadt summieren sich die Schäden wegen ausgeuferter Schülerstreiche mittlerweile auf mehr als 40 000 Euro.
Anfangs waren es nur harmlose Wasserschlachten zwischen verschiedenen Gymnasien, mittlerweile kommt es immer wieder zu Sachbeschädigungen, auch von körperlichen Auseinandersetzungen ist die Rede. In einem Video im Internet sind Schüler des Gymnasiums Rodenkirchen zu sehen, die mit Baseballschlägern und Pumpguns hantieren. Das Ganze ist wohl ironisch gemeint, jedoch: „Das Schlimme ist, dass sich die Situation immer weiter hochschaukelt“, berichtet Roselieb.
Mittlerweile nehmen sich die Schüler auch immer früher gegenseitig ins Visier. Eigentlich sollen die Streiche in der so genannten Mottowoche vor den Osterferien ablaufen. Aber: „Wir hatten schon 14 Tage vor den Ferien Unruhe“, sagt Roselieb. Nach einem Buttersäureanschlag wurde der Eingang des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums in Sülz gesperrt. Das Apostelgymnasium musste wegen Schmierereien an der Schulmauer seit letzter Woche vier Mal eine externe Reinigungsfirma beauftragen. Die Fassade wurde mehrfach mit Eiern beworfen. „Die Situation ist völlig entgleist“, sagt Schulleiter Klaus Zimmermann.
Geregelter Unterricht ist schwierig
Die Folgen: Ein geregelter Unterricht ist teilweise schwierig, dabei soll die letzte Schulwoche noch einmal zur gezielten Vorbereitung aufs Abitur dienen. Da viele Angriffe mittlerweile nachts stattfinden, muss der Rodenkirchener Hausmeister in dieser Woche drei Nachtschichten einlegen, um Übergriffe zu verhindern. Andere Schulen haben Sicherheitspersonal engagiert. Fünf Anzeigen sind mittlerweile eingegangen.
Almuth Roselieb kündigte disziplinarische Konsequenzen für Schüler an, die für Schäden an der eigenen Schule sorgen. „Die bekämen Hausverbot, dürften nur noch für die Abiklausuren das Gelände betreten.“ Gleichwohl: Da die Abiturienten es auf andere Schulen abgesehen haben, dürfte die Drohung ins Leere gehen.
Acht Schüler suspendiert
Anders hat es im vergangenen Schuljahr der Direktor des Humboldt-Gymnasiums gehandhabt. Nachdem Schüler des 2012-er-Jahrgangs ein Video ins Internet gestellt hatten, in dem sie vermummt in Straßengangstermanier aufgetreten waren, sah Harald Junge eine rote Linie überschritten und suspendierte acht Schüler vom Unterricht. Der Film, wohl als Satire gedacht, war seiner Meinung nach gewaltverherrlichend. „Solche Gruppen sind kaum mehr zu kontrollieren“, so Junge.
Es waren wohl Schüler des Humboldt-Gymnasiums, die vor zwei Jahren dafür sorgten, dass die Schulstreiche eskalieren. Abiturienten hatten das „Kölsch Kraat Kommando“ (KKK) gegründet und den „Krieg der Schulen“ ausgerufen. Bei einem Überfall auf eine andere Schule wurden Türgriffe mit Kot beschmiert. Daran hätten sich Mitglieder des KKK aber nicht beteiligt, sagt einer, der damals dabei war. Trotzdem gilt die Schule am Kartäuserwall seitdem als besonders unbeliebt.
Das KKK hat sich Anfang der Woche öffentlich von jeglicher Form von Gewalt distanziert. In diesem Jahr seien seine Schüler als Täter bislang tatsächlich nicht nicht in Erscheinung getreten, meinte Schulleiter Junge.
