Abo

Solidarität fängt auf dem Sofa an

7 min

Sülz – Zwei Kinder toben auf dem Sofa, wo Alexandra Jahnz mit dem Laptop sitzt. Sie bleibt entspannt und widmet sich ihrer Arbeit. Das Wohnzimmer an der Remigiusstraße ist die Schaltzentrale, von der aus sie der Panik entgegenwirkt, die Meldungen von steigenden Zahlen an Infizierten und Toten verbreiten. Gerade hat die Medizinstudentin, Stillberaterin und Bloggerin die Facebook-Gruppe „Corona – wir helfen“ gegründet, in der die 30-Jährige über Covid 19 aufklärt und Menschen vernetzt: diejenigen, die andere unterstützen möchten, und die, die Hilfe benötigen.

Angefangen hat alles mit ihrem Blog „Unterm Dreck ist es sauber“. Dort gibt Jahnz eigentlich Tipps zum Stillen von Babys. Doch seitdem das Coronavirus unterwegs ist, kamen immer mehr Fragen zu der neuen Krankheit. Um sie möglichst gut beantworten zu können, setzte Jahnz sich hin und begann, zu recherchieren. Was sie fand, genügte ihr nicht: „Bisher war die Berichterstattung ziemlich dürftig“, findet sie. „Es kursierten sehr viele unterschiedliche Informationen. Daher habe ich dann sämtliche Artikel zum Thema gelesen, die seriösen und die Panikartikel, weil ich genau das herausfiltern wollte, was stimmt.“ Danach verfasste sie einen eigenen Beitrag, „die Coronavirus FAQs“.

Die „Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)„ beantwortete sie sachlich, informierte darüber, wie krank das Virus wirklich macht, und für wen es gefährlich werden kann, wie man sich vor einer Ansteckung schützt und wie Menschen vorgehen sollten, die glauben infiziert zu sein. Mit Zahlen bekämpft sie die Hysterie: „In 80 Prozent der Fälle erscheint die Infektion ähnlich wie eine Erkältung“, ist in dem Beitrag zu lesen. Selten hätten Menschen keine Symptome – noch seltener würden schwere Verläufe auftreten, meist bei alten Menschen und solchen mit Vorerkrankungen oder mit geschwächtem Immunsystem.

Sie bekam viele Rückfragen. „Ich war täglich mehrere Stunden damit beschäftigt, zu antworten. Ich habe gemerkt, dass die Menschen sehr viel Unsicherheit verspüren und der Bedarf, sich auszutauschen enorm hoch ist.“ Damit sie das möglichst gut können, kam Jahnz auf die Idee, die Facebook-Gruppe zu gründen. „Es ist gut, wenn Betroffene von ihren Erfahrungen berichten“, weiß sie „aus der Quarantäne heraus, wenn sie schildern, dass das Schlimmste die Langeweile ist. Das ist beruhigend.“

Weil man nun auf die älteren und kranken Menschen achten müsse, gäbe die Gruppe die Möglichkeit, Hilfsangebote und -gesuche zu vernetzen. Sie mauserte sich im Nu zum Dreh- und Angelpunkt in der Corona-Krise. „Corona – wir helfen“ ist wenige Tage alt und hat über 200 Mitglieder. Eigentlich für Sülz gedacht, ist die Facebook-Gruppe mittlerweile eine Plattform, auf der sich Menschen über die Stadtgrenzen hinweg vernetzen und beraten – bundesweit. Postings mit dem Inhalt „Biete Hilfe/Unterstützung bei Einkaufen und/oder Hund spazieren gehen“ finden sich dort, von Mitgliedern aus Sülz, aber auch aus Erfurt, Wolfsburg und Dortmund.

Die Solidarität macht Mut und vermittelt das Gefühl, die Krise bewältigen zu können.

Jahnz selbst ist sehr optimistisch: Viele Menschen fürchteten, dass es bei uns genauso kommen wird wie in Italien, wo die Sterblichkeitsrate sehr hoch sei. „Man nimmt mittlerweile an, dass die Durchseuchung dort viel früher begonnen hat, als man bislang dachte, Anfang Januar. Sie haben zwei Monate ins Land gehen lassen und testen jetzt nur die Spitze des Eisbergs, die Fälle, die wirklich schwer sind. Italien hat Zeit verloren, die wir jetzt haben und nutzen“.

Im Großen und Ganzen sei sie dieses Mal sehr zufrieden mit dem Krisen-Management derPolitik. Ihrer Meinung nach, sei man in Deutschland auf einem sehr guten Weg. Das Virus sei auch letztendlich nicht so sehr das Problem, wie das Gesundheitssystem. Es sei zu ökonomisch ausgerichtet. „Die Kliniken verdienen nur, indem sie ihre Auslastungen maximal ausreizen. Für Fälle wie den aktuellen, sind sie gar nicht ausgerichtet“, kritisiert sie. Das sei auch der Grund, warum sie nicht mehr Ärztin werden wolle. „Die Arbeit passt nicht mehr zu mir. Mir ist es wichtig, Zeit für die Menschen zu haben und das ist an der Klinik nicht möglich.“ Insoweit ist sie, die Optimistin, mittlerweile desillusioniert.

Alexandra Jahnz gründete die Facebook-Gruppe „Corona - Wir helfen“ – Schon 200 Mitglieder

Zwei Kinder toben auf dem Sofa, wo Alexandra Jahnz mit dem Laptop sitzt. Sie bleibt entspannt und widmet sich ihrer Arbeit. Das Wohnzimmer an der Remigiusstraße ist die Schaltzentrale, von der aus sie der Panik entgegenwirkt, die Meldungen von steigenden Zahlen an Infizierten und Toten verbreiten. Gerade hat die Medizinstudentin, Stillberaterin und Bloggerin die Facebook-Gruppe „Corona – wir helfen“ gegründet, in der die 30-Jährige über Covid 19 aufklärt und Menschen vernetzt: diejenigen, die andere unterstützen möchten, und die, die Hilfe benötigen.

Angefangen hat alles mit ihrem Blog „Unterm Dreck ist es sauber“. Dort gibt Jahnz eigentlich Tipps zum Stillen von Babys. Doch seitdem das Coronavirus unterwegs ist, kamen immer mehr Fragen zu der neuen Krankheit. Um sie möglichst gut beantworten zu können, setzte Jahnz sich hin und begann, zu recherchieren. Was sie fand, genügte ihr nicht: „Bisher war die Berichterstattung ziemlich dürftig“, findet sie. „Es kursierten sehr viele unterschiedliche Informationen. Daher habe ich dann sämtliche Artikel zum Thema gelesen, die seriösen und die Panikartikel, weil ich genau das herausfiltern wollte, was stimmt.“ Danach verfasste sie einen eigenen Beitrag, „die Coronavirus FAQs“.

Die „Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)„ beantwortete sie sachlich, informierte darüber, wie krank das Virus wirklich macht, und für wen es gefährlich werden kann, wie man sich vor einer Ansteckung schützt und wie Menschen vorgehen sollten, die glauben infiziert zu sein. Mit Zahlen bekämpft sie die Hysterie: „In 80 Prozent der Fälle erscheint die Infektion ähnlich wie eine Erkältung“, ist in dem Beitrag zu lesen. Selten hätten Menschen keine Symptome – noch seltener würden schwere Verläufe auftreten, meist bei alten Menschen und solchen mit Vorerkrankungen oder mit geschwächtem Immunsystem.

Sie bekam viele Rückfragen. „Ich war täglich mehrere Stunden damit beschäftigt, zu antworten. Ich habe gemerkt, dass die Menschen sehr viel Unsicherheit verspüren und der Bedarf, sich auszutauschen enorm hoch ist.“ Damit sie das möglichst gut können, kam Jahnz auf die Idee, die Facebook-Gruppe zu gründen. „Es ist gut, wenn Betroffene von ihren Erfahrungen berichten“, weiß sie „aus der Quarantäne heraus, wenn sie schildern, dass das Schlimmste die Langeweile ist. Das ist beruhigend.“

Weil man nun auf die älteren und kranken Menschen achten müsse, gäbe die Gruppe die Möglichkeit, Hilfsangebote und -gesuche zu vernetzen. Sie mauserte sich im Nu zum Dreh- und Angelpunkt in der Corona-Krise. „Corona – wir helfen“ ist wenige Tage alt und hat über 200 Mitglieder. Eigentlich für Sülz gedacht, ist die Facebook-Gruppe mittlerweile eine Plattform, auf der sich Menschen über die Stadtgrenzen hinweg vernetzen und beraten – bundesweit. Postings mit dem Inhalt „Biete Hilfe/Unterstützung bei Einkaufen und/oder Hund spazieren gehen“ finden sich dort, von Mitgliedern aus Sülz, aber auch aus Erfurt, Wolfsburg und Dortmund.

Die Solidarität macht Mut und vermittelt das Gefühl, die Krise bewältigen zu können.

Jahnz selbst ist sehr optimistisch: Viele Menschen fürchteten, dass es bei uns genauso kommen wird wie in Italien, wo die Sterblichkeitsrate sehr hoch sei. „Man nimmt mittlerweile an, dass die Durchseuchung dort viel früher begonnen hat, als man bislang dachte, Anfang Januar. Sie haben zwei Monate ins Land gehen lassen und testen jetzt nur die Spitze des Eisbergs, die Fälle, die wirklich schwer sind. Italien hat Zeit verloren, die wir jetzt haben und nutzen“.

Im Großen und Ganzen sei sie dieses Mal sehr zufrieden mit dem Krisen-Management derPolitik. Ihrer Meinung nach, sei man in Deutschland auf einem sehr guten Weg. Das Virus sei auch letztendlich nicht so sehr das Problem, wie das Gesundheitssystem. Es sei zu ökonomisch ausgerichtet. „Die Kliniken verdienen nur, indem sie ihre Auslastungen maximal ausreizen. Für Fälle wie den aktuellen, sind sie gar nicht ausgerichtet“, kritisiert sie. Das sei auch der Grund, warum sie nicht mehr Ärztin werden wolle. „Die Arbeit passt nicht mehr zu mir. Mir ist es wichtig, Zeit für die Menschen zu haben und das ist an der Klinik nicht möglich.“ Insoweit ist sie, die Optimistin, mittlerweile desillusioniert.

Alexandra Jahnz, Bloggerin

Alexandra Jahnz, Medizinstudentin