Köln – Mit vier Minuten Verspätung fährt ein Thalys aus Paris am Samstag um 15.19 Uhr in den Kölner Hauptbahnhof ein. Drei Bundespolizisten stehen an Gleis 4 bereit, sie gehen den Zug einmal ab, führen „selektive Kontrollen“ durch, wie es heißt, stichprobenartig werden Fahrgäste kontrolliert, nicht nur in Köln, sondern an vielen großen Bahnhöfen Deutschlands, wo Züge aus Frankreich ankommen. „Nach den Anschlägen in Paris sind zwar nicht mehr Beamte in den Bahnhöfen zu sehen, wir haben sie aber anders ausgestattet“, sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Das heißt: Die Beamten tragen schusssichere Westen und Maschinenpistolen.
Aus dem hinteren Teil des Thalys steigen Simone und Jan Holleschek, sie werden von einer Freundin erwartet, die beide erst einmal lange in den Arm nimmt. Die Hollescheks haben erst seit ein paar Tagen denselben Nachnamen. Paris, die Stadt der Liebe, war das Ziel ihrer Hochzeitsreise. Freitagnacht wurde sie zur Stadt des Terrors. „Wir haben zuerst einmal gemerkt, dass sehr viel Polizei unterwegs war“, erzählt Simone Holleschek. Es gab irgendeine Durchsage in der Metro, das Paar achtete nicht darauf, war gegen 23.30 Uhr in seiner Unterkunft, einer Privatwohnung.
„Geht es Euch gut?“
Nach und nach kamen SMS von Freunden: „Geht es Euch gut?“ Im Fernsehen sahen sie dann die ersten Bilder, wie aus einem anderen, fernen Land. „Es ist einfach unfassbar“, sagt Jan Holleschek. „Wir haben nur wenig geschlafen, ich hab dauernd die Nachrichten verfolgt, Live-Ticker gelesen.“ Am Samstagmorgen will er was zu Essen kaufen, eine Frau, die im selben Haus lebt, läuft ihm auf der Straße nach. „Warten Sie!“ ruft sie. „Sie wollte wissen, ob ich die Nachrichten gesehen hätte und sichergehen, dass ich nicht unbedarft herumlaufe“, sagt der 39-Jährige. „Das war sehr fürsorglich, wir haben in einem riesigen Block gewohnt, sehr anonym eigentlich.“ Schon früh gehen die beiden zum Bahnhof. „Überall war Polizei und Militär.“ Bis Brüssel begleiten Polizisten den Zug, kontrollieren alles. „Das war schon sehr bedrückend“, sagt die 42-Jährige. Zurück in Köln ist ihnen die Erleichterung anzusehen. „Wir hatten Angst, dass wir nicht nach Hause kommen.“
Vor dem Institut Francais am Sachsenring liegen Blumen, Kerzen brennen. „Je suis Charlie“, steht auf einem Pappschild. Eine junge Frau legt weiße Nelken ab. „Man fühlt sich so hilflos“, sagt sie. „Was kann man schon tun?“ Dann zündet auch sie eine Kerze an.
