- Jetzt wurde nach einer Anfrage im NRW-Landtag bekannt, dass die SEK-Beamten, die Stadt Köln absichtlich über den wahren Hintergrund der Aktion getäuscht haben könnten.
Köln – Im August 2014 hatten mehrere Personen oben auf dem Pylon der Kölner Severinsbrücke für aufsehen gesorgt. Ein Polizeihubschrauber beobachtete die Szene. Zunächst wurde spekuliert, ob es sich zum lebensmüde Kletterer oder um Dreharbeiten für einen Actionfilm handeln könnte. Die Polizei erklärte später, es habe sich um ein Training gegen Höhenangst gehandelt.
Im vergangenen Juni stellte sich schließlich heraus, dass dort SEK-Beamte ein privates Abschiedsfoto für ihren Chef aufgenommen hatten.
Nach der als Höhenübung deklarierten Klettertour von fünf Führungskräften eines Kölner Spezialeinsatzkommandos (SEK) auf der Severinsbrücke sind weitere Details bekanntgeworden. Ein Mitarbeiter der Stadt war am 22. August 2014 mit den SEK-Beamten auf der Brücke, um ihnen den Zugang zu dem Pylon zu ermöglichen. Er führte außerdem eine Sicherheitseinweisung mit den Beamten durch, die protokolliert wurde. Vorausgegangen waren Telefonate und E-Mails, in denen die Führungsstelle der Kölner Spezialeinheiten das Amt für Brücken und Stadtbahnbau um Unterstützung gebeten hatte – man wolle eine „Fortbildungsveranstaltung“ durchführen. Tatsächlich soll der Ausflug auf den Pylon dazu gedient haben, ein spektakuläres Abschiedsfoto für den damaligen Leiter der Kölner Eliteeinheiten aufzunehmen.
„Die Stadt wurde von den Beamten absichtlich getäuscht und hat unwissentlich das private Fotoshooting auf Kosten der Steuerzahler unterstützt“, sagt Gregor Golland, Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion. Seitens der Stadt heißt es: „Uns wurde die Aktion als Übung gemeldet – das ist nicht unüblich.“ Alles weitere müssten die Ermittlungen zeigen.
Ungesichert in 80 Metern Höhe
Der Brühler Abgeordnete Golland hatte eine Anfrage zu den Hintergründen der SEK-Aktion gestellt, auf die Innenminister Ralf Jäger (SPD) nun geantwortet hat. Golland wollte unter anderem wissen, warum die Beamten völlig ungesichert auf dem Pylon in etwa 80 Metern Höhe standen. Nach Angaben von Jäger wurde auf eine besondere Sicherung verzichtet, weil nur fünf Polizisten an dem Training teilnahmen und das Wetter an jenem Sommertag gut war. Offen bleibe die Frage, so Jäger, ob die Fotos der Beamten von einem Polizeihubschrauber aus lediglich „im Vorbeiflug“ geschossen wurden. Das Präsidium hatte angegeben, vom Helikopter aus sollten Übersichtsaufnahmen von „einsatzrelevanten Örtlichkeiten im Stadtgebiet“ gefertigt werden. Geprüft werden muss laut Jäger, ob die Aussage nur vorgeschoben war, „um das eigentliche Ziel, Privataufnahmen von der Übung zu fertigen, zu verdecken“.
Die Ermittlungen in der Sache laufen noch, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen am Mittwoch mitteilte. Insgesamt stehen 15 Beamte der Kölner Eliteeinheiten im Fokus der Ermittlungen. Wenige Tage nach Beginn der Ermittlungen wurden zudem Mobbing- und Misshandlungsvorwürfe innerhalb eines Kölner Kommandos bekannt.
