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Gastronomie in KölnSchnelle Sterneküche vom 200-PS-Truck

3 min

Sternekoch Saloum Raphael Doucouré (l.) berät Raphael Rütt bei seinen Barbecue-Spezialitäten.

Köln – Mit den altbekannten Imbisswagen haben die heutigen „Food-Trucks“ nur noch wenig zu tun. Denn das Angebot geht längst weit über Currywurst, Reibekuchen, Hotdogs oder Brathähnchen hinaus. Das beweist zum Beispiel „Raph’s BBQ“, der 200 PS starke Freightliner-Lastwagen, in dem der Kölner Raphael Rütt so außergewöhnliche Kombinationen wie gezupfte Schweineschulter mit einer Kirsch-Bier-Cola-Soße und Butter-Apfel-Marinade oder Erdnussbutter-Burger frisch zubereitet. Wie er auf so etwas kommt? Rütt hat nicht nur in einem Sternerestaurant gelernt, er wird auch vom Rotonda-Chefkoch Saloum Raphael Doucouré, einem Sternekoch, unterstützt. „Ich wollte eine Alternative zu Currywurst und Co bieten“, erzählt Rütt, der seit einem halben Jahr fast täglich mit seinem Truck in Köln und der Umgebung unterwegs ist und auch Caterings anbietet. Am kommenden Freitag wird er seine Barbecue-Spezialitäten von 17.30 Uhr bis 22.30 Uhr in Widdersdorf servieren (Rath-Mengenicher Weg 3). Unterstützt wird er dabei von seiner Familie: „Von meiner Oma habe ich die Leidenschaft zum Kochen, meine Eltern und meine Schwester helfen im Truck aus.“ Viel Wert legt der 24-Jährige bei seiner Arbeit auf das Stichwort „selbst gemacht“. So sind etwa die Pommes Frites hausgemacht und auch das Fleisch wird von ihm selbst durch den Fleischwolf gedreht, mariniert und geräuchert. Bei seinen Zutaten greift er, soweit es eben möglich ist, zu regionalen Produkten von bekannten Zulieferern. Nachhaltigkeit ist ihm wichtig. Und wenn er doch mal zum Großmarkt muss, geht er sicher, dass „keine der Zutaten aus Massentierhaltung, Übersee, oder anonymen Quellen stammen“.

Eigenes Restaurant als Lebensziel

Die Gerichte spricht Rütt, der nach seiner Koch-Ausbildung bei Doucouré im mittlerweile geschlossenen „Le Patron“ weiter lernte, mit seinem Berater ab. „Ich bin Gas und Bremse“, erzählt Doucouré, der sich seinen Michelin-Stern 2013 erkochte. Einerseits müsse er Rütt ermutigen, sich mehr zu trauen, andererseits ihn davor bewahren, zu viel zu wollen. Denn Doucouré kennt sich aus: Er verbrachte viel Zeit in Amerika, wo Streetfood längst Alltag ist: „Die Leute wollen einfaches, ehrliches Essen“, sagt er. Mahlzeiten auf der Straße seien zeitgemäß, Fünf-Gänge-Menüs für 150 Euro nicht. Und auch, wenn einen Michelin-Stern zu erhalten sein Lebensziel war, als er vor 15 Jahren mit dem Kochen begann, findet er heute: „Wir müssen weg vom Fine Dining“, also hin zur feinen Küche auch in zwangloser Atmosphäre.

Privat ernähren sich die beiden übrigens sehr unterschiedlich. Für Doucouré muss es gesund sein. Für Rütt darf es auch mal die Currywurst sein. Wenn alles gut läuft, wollen die beiden Gastronomen expandieren: Zwei, drei weitere Trucks und vielleicht ein eigenes Restaurant. Denn das bleibt trotz des Truck-Trends Rütts Lebensziel. (lwe)