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Sprayer sind hier erwünscht

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Einige Beteiligte bei der Vorstellung des Projekts

Bilderstöckchen/ Mauenheim/ Nippes – So ganz herumgesprochen hat sich die offizielle Neugestaltung der S- und U-Bahn-Haltestelle Geldernstraße/Parkgürtel durch Graffiti-Künstler offenbar noch nicht. Denn zum Auftakt der Aktion mit den Projektleitern, Verwaltung und Politik, an dem auch die Polizei teilnahm, wandte sich ein Passant an Michael Nohl, den Leiter des Bezirks- und Schwerpunktdienstes im Bezirk Nippes. „Ich wollte sagen, wo gerade die Polizei hier ist: Unten sind Graffitisprayer aktiv!“ meinte er, bevor er die Treppen hoch zur S-Bahn lief. Ein Schmunzeln in der Runde – denn erstmals an der 1978 eröffneten Haltestelle haben die Sprüher diesmal den offiziellen Segen für ihre Werke.

Die düstere, schmutzig-graue Tristesse an den Durchgängen der Haltestelle hat bald ein Ende, denn unter dem Motto „We build this city“ haben 20 Künstlergruppen, unter Gesamtleitung der Streetart-Crew „Mittwochs-Maler“ des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM), angefangen, die Wände zu verschönern. „Insgesamt sind rund 40 Personen an den Graffiti beteiligt“, erläutert deren künstlerischer Leiter Julian Mundt.

Angefangen haben die ersten Spray-Arbeiten bereits vorigen Samstag; in den Tagen davor wurden die Wände, als Grundierung, weiß gestrichen. Bis 27. April, dem Ende der Osterferien, soll alles fertig sein. Jede der 20 Gruppen hat dabei ihr eigenes Stück Wand reserviert; die einzelnen Abschnitte sind mit den Crew-Namen beschriftet.

Die Arbeiten in den Tunnel-Durchgängen haben an der Haltestelle haben bereits begonnen.

Beim Startschuss herrschte allgemein Erleichterung und Freude. „Wir hatten als Bezirksvertretung Nippes schon seit Jahren ein Auge darauf, dass es hier etwas schöner wird – und heute ist es endlich soweit“, so Bezirksbürgermeister Bernd Schößler. „Wir wollen diesen Knotenpunkt so gestalten, dass man sich wohl fühlt, und zugleich zeigen, dass Graffiti auch Kunst sein können.“ Er verwies auf die bereits seit 2013 etappenweise mit Graffiti neu gestalteten Hochbahnpfeiler, die bis heute unversehrt geblieben seien. „Es ist ein guter Schritt, den Bilderstöckchen passend zu seinem 50-jährigen Bestehen macht“, ergänzte sein Vize Daniel Hanna, der selbst im Stadtteil lebt. „Neben dem Bilderstock, der ebenfalls saniert wird, ist die Haltestelle schließlich ebenfalls ein Wahrzeichen des Veedels.“

Mit an Bord ist auch das Amt für Brücken und Stadtbahnbau, das die Kunstaktion mit 8000 Euro unterstützt. „Bis vor einigen Jahren waren Graffiti bei uns nur negativ besetzt; etwas, das es zu beseitigen galt“, erläuterte Amtsleiter Gerd Neweling. „Doch die Entwürfe sind tipptopp geworden, ich bin durch dieses Projekt vom Saulus zum Paulus geworden. Wir steuern gerne Mittel bei.“ Auch die Kölner Anti-Spray-Aktion (Kasa), die mit Projektpartnern gegen illegale Schmierereien im Stadtgebiet kämpft, ist vom Projekt angetan. „So etwas ist wichtig, um legale Alternativen bieten zu können. Ich bin froh, dass dieses Projekt hier als Leuchtturm steht. Graffiti sind ja nicht per se illegal, sondern nur dann, wenn es der Eigentümer nicht will“, so Sprecher Karsten Fokuhl.

Bürgeramtsleiter Ralf Mayer, der seit anderthalb Jahren die Verschönerung der Haltestelle koordiniert, kündigte an, dass auch weitere Ärgernisse beseitigt werden. „Es werden für den kompletten Durchgang neue Leuchten in Led-Technik eingesetzt; wir haben bereits die Grünpflege intensiviert, die Taubenplätze vergittert und die milchigen Glasbausteine am U-Bahn-Eingangsbau durch eine transparente Verglasung ersetzt.“ Die Künstler selbst waren derweil schwer beschäftigt und wollten noch keine Statements geben.

Mehr Geld zum 50. Geburtstag

Ein „Geburtstagsgeschenk“ für den Stadtteil Bilderstöckchen, das die soziale Entwicklung im Veedel fördern soll, fordern die Nippeser Bezirksvertreter von der Stadt: Jährlich rund 25 000 Euro für „Projekte und Maßnahmen zur Stärkung des Sozialraums“ sollen in den gleichnamigen Fonds eingestellt werden. Der entsprechende Dringlichkeitsantrag, gemeinsam eingereicht von CDU, SPD und Bündnis 90/Grünen, ging einstimmig durch. Die Politiker sehen Bilderstöckchen, das im laufenden Jahr seinen 50. Geburtstag als eigenständiger Stadtteil feiert, von der Sozialraum-Förderung benachteiligt.

Bei der jüngsten städtischen Vergaberunde gingen etwa Mittel in den Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/Seeberg-Nord, nicht aber nach Bilderstöckchen, das ebenfalls Entwicklungsbedarf hat. Verwalten könnte die Mittel, laut den Ideen der Mandatsträger, die Sozialraum-Koordination Bilderstöckchen, sie ist beim Qualifizierungsverein Netzwerk e.V. angesiedelt. Die Anträge könnten dann bei der „Bilderstöckchen-Konferenz“ beschlossen werden. Das ist eine regelmäßige Runde mit mehr als 40 beteiligten Einrichtungen, Dienste, Vereine, Initiativen, Gruppen und Personen aus dem Stadtteil. Mittel aus dem Fonds bis zu einer Grenze von 500 Euro könnte die Konferenz selbsttätig vergeben, alles darüber Hinausgehende in der Bezirksvertretung beraten und beschlossen werden. (bes)