Abo

Stadtplaner Jan Gehl über KölnMenschenfreundliche Stadt

2 min

Stadtplaner Jan Gehl wirbt für menschenfreundliche Straßen.

Köln – Auf den ersten Blick mag ein Vergleich zwischen New York und Köln vermessen wirken. Der dänische Stadtplaner Jan Gehl hat am Montagabend im Rautenstrauch-Joest-Museum jedoch genau den richtigen Dreh gefunden, indem er den Frank-Sinatra-Song „New York, New York“ zitierte. „Wenn ich es dort schaffen kann, dann schaffe ich es überall – auch in Köln“, sagte Gehl bei seinem lebendigen Vortrag zur Reihe „Kölner Perspektiven für den öffentlichen Raum“.

Tatsächlich hat Gehl es 2009 geschafft, den maßgeblichen Hauptverkehrsknotenpunkt der US-Metropole, den Broadway im Bereich des Times Square, mit bunten Pflastersteinen zu versehen und in eine Fußgängerzone zu verwandeln. „Jeder hat vorher gesagt, die New Yorker seien anders als alle anderen Menschen und benötigen deshalb keine Flächen, um sich aufzuhalten“, erinnerte sich Gehl. „Die New Yorker sind aber doch wie alle anderen Menschen auf der Welt. Sie lieben es jetzt, auf dem Times Square in einem Liegestuhl zu sitzen und entspannt dort herumlaufen zu können.“ Gehl nutzte seinen Vortrag, um seine Vision einer menschenfreundlichen Stadt zu präsentieren. „Wir sind dazu gedacht, zu laufen“, sagte er. Sitzende und gehende Menschen seien ein Zeichen für eine gute Stadt.

Nach 1960 hätten Stadtplaner jedoch das Gegenteil propagiert. Nahezu alle Entwürfe seien aus der Vogelperspektive entstanden; die Räume zwischen den Gebäuden hätten kaum eine Rolle gespielt. „Als gute Städte wurden diejenigen betrachtet, in denen man beim Herumlaufen nicht von Autos getötet wurde“, sagte Gehl. Mit dem Modernismus und der Motorisierung hätten damals zwei Paradigmen geherrscht, die sich mittlerweile im Wandel befänden. „Die Menschen wollen jetzt eine lebendige Stadt“, so Gehl.

Musterbeispiel Kopenhagen

Als Musterbeispiel dient ihm die dänische Hauptstadt Kopenhagen, die regelmäßig als Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität ausgezeichnet und seit 1962 konsequent umgestaltet wird. Die Bürgersteige verlaufen quer über die Kreuzungen, so dass die Fußgänger im geschützten Bereich laufen können, während die Autos langsam über die Bordsteinkante fahren müssen. Für Radfahrer stehen breite und zur Fahrbahn hin geschützte Radwege zur Verfügung.

Baudezernent Franz-Josef Höing lobte Gehl als einen der weltweit klügsten Köpfe in Bezug auf die Gestaltung von Straßen und Plätzen. „Wir brauchen in Köln jemanden, der uns bei der Umgestaltung begleitet und da könnte man auch einen Jan Gehl fragen“, sagte er. Es gehe nicht darum, Autofahrer und Fußgänger gegeneinander auszuspielen, sondern darum, die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. „Man kann das alles unterschreiben, was Jan Gehl gesagt hat“, lobte Stadtplaner Albert Speer seinen Kollegen.