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Millionen-Projekt blockiertStreit um Veranstaltungshalle am Girlitzweg verschärft sich

6 min
Urban Siep steht vor der Veranstaltungshalle am Girlitzweg.

Urban Siep vor der Halle am Girlitzweg. Diese möchte er als multifunktionale Veranstaltungshalle nutzen. Doch seit Jahren tobt ein Streit um Baugenehmigungen.

Seit Jahren steht eine Millionen-Halle in Köln-Vogelsang leer. Nun verschärft sich der Streit zwischen dem Eigentümer und der Stadt.

In Köln-Vogelsang steht eine für mehrere Millionen Euro erneuerte Halle seit Jahren leer. Die Realisierung eines fast 20 Jahre alten Plans scheitert an einem Konflikt.

Ein Vorhaben im Kölner Westen entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Die Idee, am Girlitzweg eine vielseitig nutzbare Eventlocation zu errichten, existiert seit beinahe 20 Jahren. Trotz mehrfach vorgestellter Konzepte und Visualisierungen bleibt das Areal in Vogelsang bis zum heutigen Tag ungenutzt.

Für den Unternehmer Urban Siep (74) ist die Geduld am Ende. „Die Lage hat sich sehr verschärft. Ich werde hängen gelassen, obwohl ich mehrfach Gespräche angeboten habe. Ich bin doch an einer Lösung interessiert“, äußert der Eigentümer der Areale. Schwierige Besitzverhältnisse bei den umliegenden Grundstücken der „Halle Tor 2“ behindern die Umsetzung der Pläne maßgeblich.

Historie der Wassermannhalle: VIVA-Comet und Basketball

Die Wassermannhalle war in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren ein bekannter Veranstaltungsort, unter anderem für die Preisverleihung des VIVA Comets. Auch die Kölner Basketball-Mannschaft war für insgesamt acht Jahre im sogenannten Energy Dome beheimatet. Anschließend verfiel der Bau und für lange Zeit war nur noch die Grundstruktur des Gebäudes sichtbar.

Schon 2007 hatten Siep gemeinsam mit dem Kölner Bauunternehmer und Investor Anton Bausinger das Ziel, das ausgedehnte Industrieareal zum Veranstaltungs- und Sportpark „Bois de Cologne“ umzugestalten. Drei Jahre später, 2010, legten sie Entwürfe für die „Halle Tor 1“ vor, die 5000 Stehplätze bieten sollte. Die für Herbst 2012 geplante Eröffnung des 15-Millionen-Euro-Vorhabens wurde jedoch nicht verwirklicht.

Eine darauffolgende Prüfung, ob der Standort als Interimsspielstätte für die Oper genutzt werden könnte, endete ebenfalls ergebnislos. Eine kurze Belebung erfuhr das Areal im Sommer 2018, als an der Wassermannhalle Open-Air-Auftritte von Amy Macdonald, Santiano und Adel Tawil stattfanden.

Danach gaben Siep und Bausinger in ihrer Funktion als Grundstückseigentümer die Absicht für eine neue Konzerthalle bekannt. Auf einer Fläche von etwa 3300 Quadratmetern war eine Kapazität für bis zu 5000 Besucher vorgesehen, vergleichbar mit der Größe der früheren Sporthalle. Das Duo argumentierte, dass der Bebauungsplan für das Industriegebiet aufgrund der Errichtung einer benachbarten Gesamtschule ohnehin angepasst werden müsse. Das anvisierte Eröffnungsdatum war 2021.

Blick in die Halle am Girlitzweg.

Blick in den früheren Energy Dome. Die Halle am Girlitzweg ist schon aufwendig hergestellt worden. Nur kann diese noch nicht wie gewünscht für Konzerte genutzt werden.

Mittlerweile wurde eine Halle errichtet, welche die frühere Gebäudestruktur integriert. Dennoch können dort weiterhin keine Events stattfinden. Der Grund ist ein Konflikt über den Bebauungsplan, der nun Gegenstand eines Normenkontrollverfahrens vor dem Oberverwaltungsgericht Münster ist. Die mündliche Verhandlung dazu ist für Januar 2027 in Münster terminiert.

Als großes Problem erweisen sich die vier neu erbauten Schulen im Vogelsanger Triotop-Park neben dem Gelände. Die Erschließung dieser Schulen soll über den Teichrohrsängerweg erfolgen, der mitten durch Sieps Grundstück verläuft. „Diese Fläche habe ich 2007 an Anton Bausinger übertragen. Er wiederum hat diese an die Stadt weiterverkauft. Jetzt soll der Weg verbreitert werden und es heißt, dass Veranstaltungen im Schulzeitraum zu einer Verkehrsgefährdung führen“, erklärt Siep.

„Ich hätte den Weg nie verkaufen dürfen. Gutmütigkeit ist aber keine Doofheit.“ Er führt weiter aus, dass bei der damaligen Übertragung im Jahr 2007 Einigkeit zwischen den Parteien bestanden habe, das Areal nur als private Straße zu verwenden, die zusätzlich für die damals geplante Schule nutzbar sein sollte.

Blick auf die Wassermannhalle und die neue Veranstaltungshalle.

Die Wassermannhalle und die links danebenliegende Veranstaltungshalle. Zwischen den Gebäuden und der Halle Tor 2 verläuft der Teichrohrsängerweg.

Eine Baugenehmigung für die Wassermannhalle wurde Siep Ende Juni erteilt. Sie gestattet die Austragung von Basketballspielen an Sonn- und Feiertagen vor maximal 1940 Zuschauern.

Zuvor war der umfassende Bauantrag, den Siep mit seiner Architektin bei der Stadt eingereicht hatte, zurückgezogen worden. Laut städtischer Darstellung sollte dies eine zügige Genehmigung für die Basketball-Nutzung der Wassermannhalle ermöglichen. Die Verwaltung hatte damals den expliziten Wunsch geäußert, den Basketballern eine neue Heimat zu bieten. Nach Darstellung von Siep hat die Stadt die Ausstellung dieser Genehmigung jedoch extrem verzögert.

Siep führt weiter aus: „Zwischenzeitlich wollten Mitarbeitende der Stadt Köln, dass ich eine eidesstattliche Versicherung abgebe, dass nach Erteilung der Genehmigung für die Basketballspiele an Sonntagen es keinerlei Veranstaltungen innerhalb der Schulzeiten geben soll. Nachdem ich dieses Verlangen deutlich zurückgewiesen habe, wurde die Genehmigung erteilt, allerdings mit der Auflage versehen, dass Veranstaltungen im Schulzeitraum Montag bis Freitag zu einer Verkehrsgefährdung führen und deshalb unzulässig seien“.

Auf Nachfrage erläutert die Stadt Köln die Gründe für die fehlende Grundbaugenehmigung. „Für die Nutzung der Veranstaltungshalle als Sportstätte für Basketballspiele an Sonntagen liegt der Stadt Köln eine verkehrliche Bewertung vor. Diese hat sie geprüft und daraufhin eine Genehmigung erteilt. Für eine Ausweitung der Nutzung als Multifunktionshalle unter der Woche ist eine erneute verkehrliche Bewertung insbesondere wegen der Schulnutzung erforderlich. Erst wenn diese vorliegt, kann die Stadt Köln erneut prüfen, ob auch dafür eine Genehmigung erteilt werden kann“, so die Verwaltung.

Petra Lenz-Voß, die anwaltliche Vertretung von Siep, erwidert, dass ein entsprechendes Verkehrsgutachten erstellt werde. „Aber die Umsetzung kann nicht nur zulasten meines Mandanten gehen. Die Stadt Köln hat sich im Vorfeld schlicht zu wenig Gedanken um die Erschließung der Schulen gemacht. Ursprünglich war nur eine Schule mit 1300 Schülern geplant, jetzt sind es vier. Deshalb möchte die Stadt den Teichrohrsängerweg verbreitern und blockiert so die Nutzung der Multifunktionshalle.“

Blick in das Foyer der Wassermannhalle.

Das Foyer der Wassermannhalle ist eine beliebte Location für Veranstaltungen.

Siep verweist auf ein Gegenbeispiel: „Bei der EM 2024 hat die Stadt auf dem Gelände das Public Viewing zum Spiel der Ungarn mit über 10.000 Menschen veranstaltet. Im Anschluss zeigte sich die Verkehrsgutachterin mit der Verkehrsregelung sehr zufrieden.“ Er betont zudem: „Allen Gremien ist seit Jahren klar, dass diese Halle als Kulturstätte und nicht nur für Basketballspiele geplant ist.“

Streit um Zaunbau verschärft die Lage

Nach wiederholtem Vandalismus und Polizeieinsätzen wegen Schülergruppen auf dem Grundstück der „Halle Tor 2“ errichtete Siep einen Zaun zur Abgrenzung des Durchgangswegs. Dagegen erließ die Stadt eine Ordnungsverfügung. „Für den Bau des Zauns wurde öffentliches Straßenland in Anspruch genommen und beschädigt. Es fehlte die erforderliche Erlaubnis zur Nutzung des öffentlichen Straßenlandes“, teilt die Stadt mit.

Siep widerspricht und gibt an, die Stadt habe bisher keinen Nachweis erbracht, dass der Zaun auf städtischem Grund stehe. Gegen die Verfügung wurde Klage eingereicht. Seine Anwältin Lenz-Voß kritisiert, dass die Notwendigkeit der Sicherung von Sieps Betriebsabläufen und seine Investitionen im zweistelligen Millionenbereich nicht berücksichtigt würden. Zudem vergesse die Stadt offenbar, dass die Schulbauten erst möglich wurden, weil Siep den Pachtvertrag einer früheren Fertigbetonanlage nicht verlängerte.

„Die von Seiten von Urban Siep mehrfach gewünschten Gespräche mit dem Oberbürgermeister und dem Dezernenten Ascan Egerer blieben unbeantwortet.“ Die Situation am Girlitzweg scheint festgefahren. „Es soll Druck und Zwang auf Herrn Siep ausgeübt werden“, schätzt die Juristin die Lage ein. Damit findet die endlose Auseinandersetzung im Westen von Köln vorerst keine Lösung.