Studie der SporthochschuleWelchen Wert die Lanxess-Arena für die Stadt Köln hat

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Fans des FC Nantes beim EHF Final Four im April 2025.

Viele von ihnen blieben über Nacht: Fans des FC Nantes beim EHF Final Four im April 2025.

Nur einer von zehn Arena-Besuchern kommt aus Köln. Alle anderen reisen zwar für das Event an, lassen ihr Geld aber auch außerhalb der Arena.

Dass die Lanxess-Arena eine große Bedeutung für Köln hat, das dürfte den Verantwortlichen in der Arena genauso wie vielen Kölnerinnen und Kölnern bereits klar gewesen sein. Genauso, dass die Arena Menschen nach Köln lockt und in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Standortfaktor ist. 208 Veranstaltungen mit über 2,5 Millionen Besuchern zählte die Arena etwa im vergangenen Jahr.

Wie groß das Ausmaß der touristischen und sozialen Effekte der Arena aber wirklich ist, war bislang kaum untersucht. Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) haben nun eine Studie vorgelegt, die den Wert der Arena für die Stadt gemessen hat. „Wir waren überrascht, dass es dazu kaum Studien gab, erst recht keine groß angelegten“, sagt Christoph Bertling vom Institut für Kommunikations- und Medienforschung an der DSHS. „Bestehende Studien haben nur die harten wirtschaftlichen Daten in den Fokus gerückt.“ Dem Team der Sporthochschule ging es auch um Image-Werte. Das Fazit: Die Studie attestiert der Arena in dieser Hinsicht eine Leuchtturm-Wirkung für Köln. 

Stefan Löcher (v.l.) Dr. Inga Oelrichs und Wirtschaftsdezernent Andree Haack präsentierten die Ergebnisse der Studie.

Stefan Löcher (v.l.) Dr. Inga Oelrichs und Wirtschaftsdezernent Andree Haack präsentierten die Ergebnisse der Studie.

Für die Studie hat das Team der Sporthochschule einen Fragebogen entwickelt, den Besucher bei 14 ausgewählten Veranstaltungen in der Arena per QR-Code online beantworten konnten. Über 5200 Menschen nahmen an der Befragung teil.

Nur einer von zehn Arena-Besuchern kommt laut Studie aus Köln, 60 Prozent reisen aus Nordrhein-Westfalen an. Fünf Prozent aller Besucher kommen aus dem Ausland. Besonders hoch ist der Ausländer-Anteil bei internationalen Sportevents wie dem EHF Final 4 (27,4 Prozent). Eine zentrale Erkenntnis der Studie, die die Arena-Verantwortlichen in ihrer Größenordnung überrascht hat. „Nahezu alle Befragten, die nicht aus Köln kommen, sind aufgrund der Veranstaltung in der Arena in der Stadt“, sagt Inga Oelrichs von der Sporthochschule. Bei 98,7 Prozent der auswärtigen Besucher ist das der Fall.

Arena-Touristen bleiben oft länger als der Durchschnitts-Tourist

Obwohl der Arena-Besuch für so gut wie alle Besucher von außerhalb der Hauptgrund ist, geben sie auch anderswo in der Stadt Geld aus. Rund ein Drittel der Gäste übernachtet in Köln, im Schnitt 2,2 Tage. Ein Wert, der über dem des Durchschnittstouristen liegt, der in Köln durchschnittlich 1,7 Mal übernachtet. Hochgerechnet auf das vergangene Veranstaltungsjahr generiert die Arena damit rund 1,5 Millionen Übernachtungen. „Eine Hausnummer, auf die man stolz sein kann“, findet Arena-Kommunikationschef Tomasz Grenke.

Tagestouristen, die aufgrund eines Arena-Besuchs nach Köln kommen, geben im Schnitt rund 52 Euro aus, Übernachtungsgäste rund 370 Euro. Das Geld fließt vor allem in Unterkünfte und die Gastronomie, aber auch in den Einzelhandel und andere Kultur- und Freizeitangebote. Am höchsten sind die Ausgaben bei Besuchern der zweitägigen Handball-Veranstaltungen. Hochgerechnet bringen einzelne Events zwischen 700.000 Euro (Torsten Sträter) und zehn Millionen Euro (EHF Final Four) an direkten Besucherausgaben in die Stadt. Aufs ganze Jahr gesehen kommt die Studie auf 341 Millionen Euro, die Arenabesucher zusammengerechnet in Köln ausgeben.

Neben dem Geld, das die Touristen in Köln lassen, blickt die Studie auch auf die Image-Wirkung der Arena. Die große Mehrheit der Besucher gibt an, Köln erneut besuchen und den Besuch der Stadt weiterempfehlen zu wollen. „Das Event ist der Einstieg in die Destination, animiert aber dazu, in der Gastronomie zu konsumieren, shoppen zu gehen oder im besten Fall noch einmal wiederzukommen“, sagt Köln-Tourismus-Geschäftsführerin Stephanie Kleine Klausing.

Kölner sehen in der Arena ein Wahrzeichen der Stadt

Für die befragten Arena-Besucher aus Köln stellt das Veranstaltungsprogramm der Arena einen Mehrwert für die Stadt Köln dar, mehr als zwei Drittel der Befragten hält die Arena für ein Wahrzeichen der Stadt, sieht positive Einflüsse auf die Lebensqualität in Köln und attestiert der Arena eine große Bedeutung für die Brauchtumspflege – Stichwort: Lachende Kölnarena.

Besondere Auswirkungen haben die vielfältigen Sportveranstaltungen in der Arena. Neben den Heimspielen der Kölner Haie hat sich die Studie intensiv mit den zweitägigen Handball-Veranstaltungen beschäftigt. Bei den Sportgroßveranstaltungen ist das Publikum noch einmal einkommensstärker als beim typischen Arena-Konzert, beim internationalen EHF Final 4 kommen mehr als ein Viertel der Besucher aus dem Ausland. 92 Prozent der Besucher bleiben zu den Finalspielen der Handball-Champions-League über Nacht und erleben die Stadt auch außerhalb der Arena. Die Mehrheit der auswärtigen Besucher hält es für sehr wahrscheinlich, Köln erneut zu besuchen, und stimmt der Aussage zu, dass der Besuch der Arena das persönliche Bild von der Stadt positiv beeinflusst hat.

Für Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher sind die Studienergebnisse neue Argumente für alte Diskussionen. „Wir tragen erheblich dazu bei, die Stadt Köln zu einer Event- und Sportstadt zu machen“, sagt Löcher. Die privatwirtschaftlich betriebene Arena stehe dabei aber in Konkurrenz zu „erheblich städtisch subventionierten“ Wettbewerbern. Von der Stadt wünsche er sich bessere Rahmenbedingungen und eine noch engere Zusammenarbeit, um auch in Zukunft Sportgroßveranstaltungen nach Köln zu holen. „Köln muss – so wie beim Olympia-Bewerbungsprozess – noch häufiger groß und visionär denken“, wünscht sich Löcher.