Köln – Vieles an diesem Fall ist rätselhaft, möglicherweise werden die Umstände nie geklärt. Denn auch viereinhalb Monate nach dem Fund einer Babyleiche in den Kölner Messehallen sind die wichtigsten Fragen offen. Ungewiss ist vor allem, wann und wie der Säugling gestorben ist, wer seine Eltern sind und warum der Junge auf der Deckenverkleidung einer Toilettenkabine abgelegt worden war. Beendet sind die Ermittlungen aber noch nicht.
Köln: Säugling wurde auf dem Nordfriedhof beigesetzt
„Es stehen noch die Ergebnisse einer rechtsmedizinischen Untersuchung aus“, sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Konkret geht es um eine „feingewebliche Untersuchung“ des Leichnams. Denn das Ergebnis der Obduktion hatte zwar die Vermutung nahegelegt, dass das Kind nach der Geburt gelebt haben muss, sicher ist das aber nicht. Nun soll eine chemische Untersuchung unter anderem bestimmter Organe näheren Aufschluss bringen. Eine Reinigungskraft hatte das Baby am Morgen des 9. Mai auf einer Abdeckplatte der Toilettendecke gefunden. Es war schon seit mehreren Tagen tot, was die Untersuchungen erschwert. „Die Verwesung war bereits fortgeschritten“, sagt Bremer.
Beschäftigte der Stadt haben dem toten Jungen posthum den Namen Borys gegeben. Er wurde vor einigen Wochen in einem Kindergrab auf dem Nordfriedhof beigesetzt,
Die Messehallen dienten im Mai Geflüchteten aus der Ukraine als Erstanlaufstelle und Notunterkunft. Es herrschte eine hohe Fluktuation. Auf Schwangere war die Einrichtung allerdings nicht ausgelegt. Die Ermittler gehen daher davon aus, dass die Mutter ihre Schwangerschaft verheimlicht hat – oder dass das Kind von einer externen Person in die Halle gebracht und dort versteckt wurde. Aber weder die Befragung von Zeugen und Angestellten noch die Auswertung von Videomaterial hat der Polizei bislang den entscheidenden Hinweis auf die Mutter oder den Vater erbracht.
