Abo

Versteckte Kinder zu Besuch in Bayenthal

2 min

Enfants cachés zu Besuch in Bayenthal: Marcel Frydman, Henri Roanne Rosenblatt, Adolphe Nysenholc, Renée Grabiner (v.l.)

Bayenthal/Deutz – Vier jüdische Holocaust-Überlebende waren am Freitag zu Gast im Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasium. Sie sprachen dort mit den Schülern über ihre außergewöhnlichen Lebenswege: Alle vier sind sogenannte Enfants cachés, versteckte Kinder. Damit sind jüdische Kinder gemeint, die während der Nazi-Zeit aus Deutschland herausgebracht und nach Belgien transportiert und dort bis Kriegsende versteckt wurden.

Der Französisch-Grundkurs des Jahrgangs Zwölf des Gymnasiums hatte sich in der Vorbereitung auf den Besuch mit den Schicksalen der Zeitzeugen beschäftigt und Fragen formuliert. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Schulleiterin teilten sich die Schüler in Gruppen auf, um mit den Besuchern zu sprechen. Die 17-jährige Helen war in der Gruppe des 80-jährigen Adolphe Nysenholc. Er war mit drei Jahren bei einer flämischen Familie untergebracht worden. Seine Elter n waren kurz vorher deportiert worden und starben in Auschwitz. „Mich hat total berührt, dass Adolphe erzählt hat, dass ihm ein Mann von der Gestapo auch das Leben gerettet hat. Er hatte ihn in dem Haus in Belgien gesehen und es nicht verraten. Und weil der Mann damals gesagt hatte, dass er das Haus geprüft hat, hat dann niemand mehr nach Adolphe gesucht. So etwas zu hören und so ein Gespräch ist auf jeden Fall näher an der Geschichte als jeder Unterricht.“

Adolphe Nysenholc ist nie nach Deutschland zurückgekehrt. Er lebt bis heute in Belgien, ist Doktor der Philosophie und Literatur und hat unter anderem an der Freien Universität Brüssel gelehrt und als Autor mehrere Bücher veröffentlicht. Der Besuch der Enfants cachés erfolgte im Rahmen einer aktuellen Ausstellung.

Die Ausstellung „Gerettet - auf Zeit. Kindertransporte nach Belgien 1938/1939“ findet aktuell im LVR-Haus, Kennedy-Ufer 2, in Deutz statt. Dort werden elf Biografien gezeigt, die repräsentativ das Leben der geflohenen deutschen Kinder darstellen. Die Ausstellung ist noch zum 2. Februar 2020 zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags und sonntags von 8 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.