Köln – Seine Ex-Frau lag schon bewusstlos vor ihm, da zog Recep K. sie hoch und wollte noch einmal zustechen. Die Klinge war jedoch schon so verbogen, dass es dem 26-Jährigen nicht gelang, sie an ihrem Hals anzusetzen. „Sie haben zum Glück versagt“, sagte der Anwalt der Ex-Frau am Montag vor dem Landgericht. Die 25-Jährige überlebte den Angriff mit insgesamt zehn Messerstichen.
Recep K. muss für sechs Jahre und neun Monate ins Gefängnis, der Vorsitzende Richter blieb damit ein Jahr unter der Forderung des Staatsanwalts. Da Staatsanwaltschaft und Gericht sich darin einig waren, dass keine niedrigen Beweggründe, sondern ein ganzes „Motivbündel“ zu dem Verbrechen führten, stuften sie die Tat letztlich nicht als versuchten Mord, sondern als versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung ein.
Recep K. wurde vor allem von seiner Verzweiflung getrieben. Er wollte die Trennung von seiner Frau nicht akzeptieren – trotz Scheidung. Das Paar näherte sich immer wieder an, die 25-Jährige verweigerte ihm aber das Besuchsrecht für die beiden Töchter (fünf und sechs Jahre), zog sich schließlich zurück. „Er war durch dieses Hin und Her in einem Wechselbad der Gefühle“, sagte sein Verteidiger. Vor den Augen der Töchter schlug Recep K. seiner Ex-Frau zwei Tage vor der Tat im Dezember 2011 so heftig ins Gesicht, dass ihr Nasenbein brach.
Am 5. Dezember wollte er sich laut eigener Aussage bei ihr entschuldigen. Es kam zum Streit, sie lief weg, er verfolgte sie und stach schließlich „blindwütig“ zu, wie der Staatsanwalt sagte. Er sieht ein „hohes Maß an Verrohung“ darin, dass Recep K. ihr offenbar die Kehle durchschneiden wollte – „wie einem Tier“. Die 25-Jährige hat ein schweres Trauma erlitten und ist in psychologischer Behandlung. Auch eine Zeugin, eine 44-jährige Imbissbesitzerin, ist traumatisiert.
Als der Vorsitzende Richter dem Angeklagten das letzte Wort überlässt, faltet Recep K. ein Papier auseinander und liest vor: „Ich wollte sie nicht umbringen. Es war ein furchtbarer Tag, an den ich mich immer erinnern werde.“ Er versucht, seine Tränen zurückzuhalten. „Egal, welche Strafe ich bekomme, ich selbst werde mir nie verzeihen.“ Der Anwalt seiner Ex-Frau hat ihm vorher gewünscht, dass seine Kinder ihm eines Tages verzeihen. Recep K. trägt Namen und Geburtstage der Mädchen als Tattoos auf seinem Körper.
